FSV Frankfurt - FV Frankfurter Kickers

Nordkreis, A-Klasse 1910/1911 - 5. Spiel

4:1 (1:0)

Termin: 09.10.1910
Zuschauer: 1.500
Schiedsrichter: Flick (Hanau)
Tore: 1:0 Haseneier, 2:0, 3:0, 4:0, 4:1 Neidhardt

>> Spielbericht <<

FSV Frankfurt FV Frankfurter Kickers

  • Boes
  • Nies
  • Thein
  • Henss
  • Münich
  • Stettler
  • Bashuysen
  • Böttcher
  • Haseneier
  • Gelbhardt
  • Nuss

 


 

 

Fussballsportverein-Frankfurt — Frankfurter Kickers 4:1

9. Oktober 1910.

Mit etwas Verspätung, da vorher ein Wettspiel von zweiten Mannschaften des Sportvereins und der Frankfurter Germania stattfand, stellten sich dem Schiedsrichter, Herrn Flick aus Hanau die Mannschaften in nachstehender Aufstellung:

Sportverein. Tor: Boes, Verteidiger: Nies und Thein, Halbspieler: Henss, Münich und Stettler, Stürmer: Bashuysen, Böttcher, Haseneier, Gelbhardt und Nuss.

Kickers. Tor: Kotsch, Verteidiger: Seibel und Claus, Halbspieler: A. Krömmelbein, Bertrand und Bergner, Stürmer: Rist, Becker, Hohmann, Neidhardt und Fay.

Aus der Aufstellung geht hervor, daß bei Sportverein Simon in der Halbreihe fehlte und bei uns Halle. Der letztere war nicht abkömmlich, da er zur Zeit eine Landwehrübung in Fulda macht, und so mußte Anton Krömmelbein in die Bresche springen.

Gleich bei Beginn verlegt sich der Sportverein auf eine forsche Angriffsweise und hält unsere Verteidigung in Atem. Gefährlich waren unsererseits zwei Angriffe des linken Flügels. Bei einem Angriff der rechten Seite Sportvereins wurde Bergner nicht einwandfrei von Bashuysen gehindert, Claus kam einen Augenblick zu spät zur Hülfe und der in die Mitte gegebene Ball wurde von Haseneier, dem Mittelstürmer Sportvereins, scharf und wohl auch kaum haltbar eingeschossen. Sportverein drängt heftig weiter. Zwei schöne Gelegenheiten zum Ausgleich werden ausgelassen, Kurz darauf wird Bergner spielunfähig. Neidhardt wurde zurückgenommen. Keiner Partei war bis Halbzeit ein weiterer Erfolg zuteil.

Nach Halbzeit erzielte Sportverein in schneller Reihenfolge zwei Tore und durch den Linksaußen nach weiteren zehn Minuten den vierten Erfolg. Hohmann ging dann als Halbspieler zurück und Neidhardt nahm seinen Platz neben Fay wieder ein. Die Anstrengungen unserer Mannschaft wurden schließlich durch ein schönes Tor, von Neidhardt geschossen, belohnt, nachdem kurz vorher ein Schuß Fays an der Querlatte abprallte. Die linke Seite unserer Stürmerreihe blieb nach wie vor gefährlich. Besonders erwähnenswert war ein scharfer Schuss Beckers, welcher aus vollem Lauf nach einer Flanke Fays nur knapp sein Ziel verfehlte. Bei dem Stand von 4 zu 1 blieb es bis zum Schluss.

Die Mannschaft Sportvereins ließ gegen Schluss des Spieles etwas nach. Die Stärke liegt im Angriff und in der Stürmerreihe gefiel wohl Böttcher am Besten. Er spielt uneigennützig, verbindet vorzüglich den Flügel mit der Mitte und verfügt über einen sehr guten Schuss. Auch Haseneier in der Mitte ist ein gefährlicher Torschütze, doch spielt er etwas eigensinnig und dribbelt zu viel. Die ganze Reihe verfügt aber über ein sehr energisches Angriffsspiel; ist schnell am Ball und wird noch mancher Verteidigung in dieser Aufstellung eine Nuss zu knacken geben. Die Verbindung mit den Halbspielern schien mir nicht so gut wie früher, dagegen verfügt der Sportverein in Nies und Thein über zwei gute und sichere Verteidiger.

Unsere Mannschaft hielt sich sehr gut. Sie wird sich trotz des hohen Resultates nicht entmutigen lassen. Das Ausscheiden Bergners fiel schwer ins Gewicht, besonders bei einem Gegner wie der Sportverein. Bis auf Rist, der die Sache etwas gemütlich nahm, strengte die Mannschaft sich sehr an und hielt das Spiel durchaus offen. Die Angriffe der linken Seite waren durchweg sehr gefährlich und mit vollständiger Stürmerreihe hätte das Resultat sicher anders ausgesehen. Es ist eine müßige Frage, ob mit Bergner in der Mannschaft der Sieg schließlich auf unserer Seite geblieben wäre, denn auch der Sportverein ließ manche gute Chance aus, die ebensogut hätte verwandelt werden können.

Auf jeden Fall war das Wettspiel ein gutes und die zahlreichen Zuschauer sind auf ihre Kosten voll und ganz gekommen. Es mögen wohl 1500 Personen den Platz umsäumt haben. Wenn unsere Mannschaft vollständig ist und in den nächsten Spielen mit gleicher Aufopferung weiter spielt wie am Sonntag, werden wir noch manchen Sieg erringen können.

Der Schiedsrichter, Herr Flick war sehr gut und auch die Haltung des Publikums vorzüglich. Das Retourwettspiel wird sicher die gleiche Anziehungskraft ausüben und die Frage, wer als Sieger hervorgeht, sicher eine offene sein. (aus der Vereinszeitung der Frankfurter Kickers vom 15.10.1910)

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