Germania 94 Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Kreisliga Nordmain 1920/21 - 15. Spiel

5:1 (2:0)

Termin: 16.01.1921
Zuschauer: 8.000
Schiedsrichter:
Tore: 1:0 Schnürle (15.), 2:0 Schnürle, 3:0 Schnürle (60.), 4:0 Schnürle, 5:0 Schneider, 5:1 John Böttcher

>> Spielbericht <<

Germania 94 Frankfurt Eintracht Frankfurt

  • Müller
  • Heckmann
  • Bossert
  • Donner
  • Mahn
  • Köllisch I
  • Weigandt
  • Schneider
  • Schnürle
  • Köllisch II
  • Dauth



 

Der Donnerschlag im Nordmain

Kaum ein Ereignis neben Nürnberg-Fürth verdiente in solchem Maße die Aufmerksamkeit aller, wie dieser Kampf zweier hochklassiger Mannschaften mit entscheidendem Einfluß auf die Meisterschaft. Ein hohes Ergebnis entstand, doppelt hoch nach dem glatten Eintrachtsieg gegen V.f.R. am Sonntag zuvor. Es war ein großer Tag für die ganze große Sportgemeinde im westlichen Main.

Germania 94 schlägt Eintracht 5:1.
Schnürle schießt allein vier Tore.

Herrliches Wetter. Guter Platz. Zuschauerzahl etwa 8000. Lawinenartig wälzten sich die Massen nach Sandhofs Wiesen. Germania komplett, Eintracht mit Ersatz für Szabo. Vor Beginn des Spiels fand eine Ehrung des Mittelläufers Mahn anläßlich seines 250. Wettspiels in Form einer Ansprache und Überreichung eines Lorbeerkranzes statt.

Eintracht findet sich gleich gut zusammen, aber die Germanenverteidigung ist auf der Hut. Bei rasendem Tempo und guten Leistungen auf beiden Seiten ist der Kampf ausgeglichen, bis die Germanenstürmer, gut unterstützt von den Läufern, Angriff auf Angriff unternehmen. In der 15. Minute bringt Brand den Ball nicht schnell genug weg; Dauth flankt; es entsteht ein Gedränge, aus welchem durch schöne Leistung Schnürles der 1. Erfolg entsteht. Kurz darauf Flanke von rechts; Schnürle nützt die Vorlage gut aus, und schon steht's 2:0. Die Germanen sind kaum zu halten. Verschiedene Leute bringen eine scharfe Note in das Spiel. Imke wird wegen absichtlichen Nachtretens vom Feld verwiesen. Eine harte, aber gerechte Strafe. Derartige Sportwidrigkeiten müssen streng gerügt werden.

Nach Halbzeit hat der Platzbesitzer das Heft weiter in der Hand. Der Eintrachtsturm konnte nie richtig gefährlich werden. Die schönsten Vorlagen der Läuferreihe wurden nicht verwertet. Schnürle erzielt in der 60. Minute durch Bombenschuß das 3. Tor und Iäßt gleich darauf das 4. folgen. Die Spielweise der Germanen löste bei dem zahlreichen Publikum die reinsten Beifallsstürme aus. Als Schneider eine Steilvorlage Schnürles zum 5. Erfolg verwandelt, raffen sich die Gäste noch einmal zusammen, um wenigstens das Ehrentor zu erzielen. Böttcher gelingt ein Durchbruch, und sendet durch langen Schuß an dem herausgelaufenen Müller vorbei ein Eckballverhältnis 6:1 für Germania. Schiedsrichter Brenner sehr gut.

Die Germaniamannschaft war ihrem Gegner in jeder Beziehung überlegen. Hervorzuheben ist vor allem die enorme Durchschlagskraft des Sturmes. Gutes Sichverstehen und ein gesunder Schuß im rechten Augenblick. Schnürle dirigierte vorbildlich und wurde von seinen Nebenleuten gut unterstützt. Die Läuferreihe war in selten gesehener Form und trieb den Angriff immer und immer wieder nach vorn. In der Verteidigung Bossert der Bessere. Heckmann muß noch sicherer und zielbewußter werden. Der Tormann entledigte sich der verhältnismäßig wenigen Schüsse mit Geschick und war im gesamten sicherer als sein Gegenüber.

Eintracht zeigte nicht das Spiel eines Meisters. Wohl besteht die Mannschaft aus lauter erstklassigen Kräften, aber der richtige Zug, der für eine gediegene Zusammenarbeit erforderlich ist, wurde vollständig vermißt. Um es kurz zu sagen: die Elf enttäuschte. Das Fehlen Szabos kann nie als Grund betrachtet werden. Der Sturm spielte, auch als Imke noch mitwirkte, sehr zerfahren. Die Entschlossenheit vor dem Tore fehlte ganz. Im Felde konnte er sich bei der guten gegnerischen Läuferreihe nicht durchsetzen. Das Beste in der Mannschaft ist die Läuferreihe und die Verteidigung. Schneider und Jockel unermüdlich und systemvoll. Becker sehr oft langsam, aber sonst gut. Pfeifer technisch hervorragend. Brand verfügt über weiten Schlag, ist aber manchmal zu säumig in seinem Entschluß. Steiger im Tor hatte schwere Arbeit zu verrichten, und nur ihm verdankt es Eintracht, daß das Resultat nicht noch höher ausgefallen ist Das Verhalten des Publikums war in jeder Beziehung fein.

Das Ereignis ist wert, eine weitere Kritik zu erhalten. Unser Mitarbeiter Peka urteilt:

Vor der Pause war das Spiel vollkommen offen und ausgeglichen; auch Imkes Ausscheiden machte sich vorerst nicht stark bemerkbar. Nach Halbzeit war Germania überlegen und hatte mehr Torchancen als Eintracht, deren Stürmerspiel, hervorgerufen durch das Fehlen von Szabo und Imke, ziemlich planlos wurde. Die Germanen waren schneller am Ball und energischer, ohne unfair zu werden; Läufer und Hintermannschaft sehr gut. im Sturm ein äußerst gefährlicher „Durchbrenner" mit vier „Handlangern". Schnürle war sehr gut in Form und zeigte sich sehr geschickt im Täuschen des Gegners, den er öfters meisterhaft umspielte. Seine Torschüsse waren fast jedesmal von Erfolg begleitet; vier Tore kommen auf sein Konto. Seine Gegner ließen es ihm gegenüber oft an der nötigen Abdeckung fehlen; steht er einmal frei, dann kann nur ein sicherer, gewandter Torhüter die Situation noch retten. Ein solcher stand ihm nicht gegenüber. Schnürle hat durch sein überlegenes, vornehmes Spiel erneut bewiesen, daß seine Aufstellung in der süddeutschen Mannschaft zu Recht erfolgt ist. Köllisch II und Schneider, seine Nebenleute, legten einen großen Eifer an den Tag; durch ihre präzisen Vorlagen an Schnürle und ihr vorteilhaftes Stellungsvermögen schufen sie manche, für Eintracht gefährliche Situation. Die Außenstürmer waren zwar keine Klasse, doch genügten sie vollkommen; der Linksaußen gab mehrere gefährliche Flanken ab und war an Schnelligkeit und Wendigkeit dem gegnerischen Läufer überlegen. Die Läuferreihe war sehr gut. Mahn gab seinem Gegenüber nichts nach; auch Donner und Köllisch I gaben ihr Bestes her und ließen das gegnerische Flügelspiel selten zur Entwicklung kommen. Eine Klasse für sich waren Bossert und Heckmann, die äußerst sicher und forsch die Eintrachtangriffe zerbrachen. Müller im Tor hielt sehr geschickt, was zu halten war. Böttchers Schuß war zu scharf, er mußte ihn passieren lassen.

Der Eintrachtsturm ist ohne Szabo und Imke oder Dornbusch nicht denkbar; es kam, trotz besten Willens, kein rechter Zug hinein, wobei jedoch die starke Einwirkung der gegnerischen Hintermannschaft nicht zu vergessen ist. Mölders, linksaußen, zeigte recht wenig Verständnis für seine Aufgabe; er hat das Pech, immer da zu fehlen, wo er am Platze sein sollte; dazu zeigt er oft eine zu große Sehnsucht nach der Eckfahne, statt zum Tor des Gegners hinzulaufen. Böttcher war vorzüglich: sein Spiel stand dem Schnürles gleich. Imke gibt zu wenig auf „abseits" acht, er verdirbt hierdurch viele Chancen. Im übrigen ist er ein ausgezeichneter Mittelstürmer, der seine Nebenleute stets mitreißt und dessen Schüsse sehr gefährlich werden. Dem Ausscheiden noch vor der Pause war für den Eintrachtsturm ein gewaltiges Minus. Nachdem er, der am vergangenen Sonntag sehr schmerzhafte Verletzungen erlitt, kurz hintereinander zweimal unfair getreten wurde, versuchte er sich zu „revanchieren". (Versuchte, denn er trat in die leere Luft; den einige Schritte, entfernten Gegner konnte er nicht treffen.) Diese Unsportlichkeit ist vom Standpunkte des Sportsmannes aus unbedingt zu verwerfen; trotzdem hat für den Schiedsrichter der Satz zu gelten, daß, wenn zwei dasselbe tun, sie auch gleichmäßig zu bestrafen sind. Schönfeld, halbrechts, konnte Szabo nicht ersetzen; seine schwache Seite ist das Stoppen des Balles und das vollkommen flache, berechnete Zuspiel. Köster litt unter den Folgen eines Furunkels und kam nicht zur Entfaltung seines Könnens. In der Läuferreihe versagte Becker, was drei Tore zur Folge hatte. Allerdings ist es aller Ehren wert, daß er, trotz seines Alters unter Hintansetzung seiner eigenen Person und Familie seinem Verein in der Not selbstlos beispringt, doch kann er es, trotz größten Eifers, einfach nicht mehr schaffen. Jockel schaffte unermüdlich, zeigte sich ganz als Meister klassischen süddeutschen Fußballspiels, Schneider arbeitete ganz vorzüglich und rettete mehrfach in den schwierigsten Fällen hervorragend. Pfeiffer und Brandt hatten ihren besten Tag nicht; der gar schlüpfrige Boden sagt den beiden massigen Verteidigern nicht zu. Brandt war etwas zu langsam und unentschlossen. Pfeiffer zu aufgeregt. Steiger im Tor hatte seinen schlechtesten Tag; ob es ihm am Können oder am Wollen fehlte, wird noch festzustellen sein. Der Schiedsrichter war bemüht, korrekt zu sein, doch waren mehrere Entscheidungen anfechtbar. Das Publikum verhielt sich einwandfrei. Die Unterbringung der Presse war die bei Germania gewohnte. Ich bezweifle, daß es noch einen Platz gab, auf dem es mehr zog oder auf dem man mehr eingekeilt war. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 3/1921)

 

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