1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1921/22

6:2 (2:1)

Termin: 30.04.1922
Zuschauer:
Schiedsrichter: Nepf (Fürth)
Tore: 0:1 Schmidt (Eigentor), 1:1 Träg (10.), 2:1 Träg, 3:1 Wieder (52.), 4:1 Wieder (63.), 5:1, 6:1 Wieder, 6:2 Willi Pfeiffer (75.)

 

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1. FC Nürnberg Eintracht Frankfurt



 

Trainer
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Nürnberg-Fürther Echo

1. F.C.N. schlägt Eintracht Frankfurt 6:2 (2:1)

Das Spiel hatte eine besondere Note durch das erstmalige Mitwirken des neuen Klubmittelstürmers Wieder. Außerdem spielte der bekannte Fürther Schmidt das erstemal auf dem Klubplatz und zwar als rechter Läufer. Sonst war der Klub bis auf Kugler komplett. Der Platzinhaber spielte schmissig und mit Elan. Kraftvolle Torschüsse, die direkt erfrischend wirkten. Von der zeitweise gezeigten saftlosen Überkombination keine Spur mehr. Trag und Popp die gewürfelten Taktiker, nur Trag glücklicher in seinen Torschüssen. Sutor wieder der bewährte Flatikentechniker. Wieder, ein kräftiger Mittelstürmer, der sich durchzusetzen versteht. Sein Start im Felde war mir noch etwas zu langsam und unentschlossen. Seine Vorlagen an die Halbstürmer und sein entschlossenes Ausnützen von Torgelegenheiten sprechen sehr für sein Können. Dazu kommt noch ein eleganter, scharf berechnender Torschuß und eine vorzügliche Technik. Mehr kann man von einem Mittelstürmer nicht verlangen. Wieder schoß allein drei Tore; davon eines mit allen Finessen. Ein Genuß für den Fußballgaumen. Überhaupt war der ganze Klubsturm sehr schußfreudig und entwickelte zeitweise ein so bestechendes Kombinationsspiel, daß die Zuschauer in helle Begeisterung versetzt wurden.

Kalb machte zeitweise einen etwas überspielten Eindruck; auch hatte er anscheinend mit einer Verletzung zu kämpfen. Sonst machte er den Frankfurtern schwer zu schaffen und holte die Bälle aus allen Gegenden. Riegel machte seine famosen Täuschungsmanöver und zog alle Register seines technischen Könnens. Schmidt befriedigte ebenfalls, doch machte er den großen Fehler, sich in der Verteidigung aufzuhalten, wodurch dem Szaboflügel mehr als einmal der Weg nach Rom offenstand. Grünerwald-Bark zeigten sich der Situation vollkommen gewachsen; wenn Grünerwald hier und da einige Kisten fabrizierte, so glich er dies bei der nächsten Gelegenheit durch zielbewußtes Dazwischenfahren reichlich wieder aus. Stuhlfaut hielt einen unheimlich scharfen Elfmeter und machte sonst seinem Namen alle Ehre. Die beiden Tore kommen auf das Konto seiner Vorleute.

Die Gäste enttäuschten nach der angenehmsten Seite. Eine flinke, falsche Kombination, gutes Stellungsvermögen und ein gesunder Torschuß trugen dem Sturm auch zwei Tore ein. Wenn Szabo durchkam, wurde die Sache sehr haarig. Gleich fünf Minuten nach Beginn führten die Gäste auf eine Linksflanke hin mit 1:0. Die Läuferreihe arbeitete aufopfernd und unterstützte den Sturm, so gut es ging. Der linke Läufer machte dem kleinen Strobel das Leben recht sauer. Die Verteidigung ist auch gute Ligaklasse. Der Torwart hielt manche Sachen ganz schön und stilvoll, versagte aber im großen und ganzen. Er stand bei etlichen Toren sozusagen machtlos vis-a-vis. Er hätte zwei Tore halten können.

Der Schiedsrichter Nepf vom T.V. 60 Fürth machte seine Sache nicht schlecht; er hatte schwarze Momente, die aber jeder andere Schiedsrichter auch schon hatte. Auf keinen Fall durfte er den Mittelstürmer Pfeiffer der Gästeelf länger auf dem Spielfeld lassen. Herr Pfeiffer hatte wegen der nicht gegebenen Ecke keinen Anlaß, den Schiedsrichter wie einen dummen Buben anzuraunzen. Ich habe schon ganz andere Schiedsrichter gesehen, die bei Spielen von Bedeutung zuerst Ecke gaben und dann auf Reklamation Abstoß machen ließen, und auf weitere Reklamation wieder Ecke gaben. Alles schon dagewesen und Herr Pfeiffer brauchte nicht so unangenehm aufzufallen. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 18/1922)


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