Eintracht Frankfurt - FSV Frankfurt

Kreisliga Nordmain 1922/23 - 11. Spiel

2:3 (1:0)

Termin: 03.12.1922
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: List (Stuttgart)
Tore: 1:0 Völler (Eigentor), 1:1 Stein (48.), 1:2 Strehlke, 2:2 Rudi Kirchheim, 2:3 (87.)

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Eintracht Frankfurt  FSV Frankfurt



  • Koch
  • Stier
  • Schaffner
  • Völler
  • Reiz
  • Stein
  • Strehlke
  • Klump

 

Trainer
Trainer

Sportverein Meisterschaftsanwärter

Der graue Novemberhimmel sah gestern auf allen Plätzen unseres Kreises harte Kämpfe mit unentschiedenem oder nur ganz knappem Ausgange. Trotzdem ist insofern etwas Licht in die Spitzengruppe gekommen, als Sportverein in einem Spiele, das wohl jeden befriedigte, die noch stark im Wettbewerbe stehende Eintracht mit 3:2 niederringen konnte. Da entgegen vieler „Geheimtips" auch Helvetia Germania 94 schlagen konnte, bleibt die Frage nach dem Meister immer noch bis zum nächsten oder gar übernächsten Sonntage offen. Möglich, daß erst der letzte Sonntag der diesjährigen Spielserie uns den glücklichen Sieger präsentiert.

Auf dem Eintrachtplatze am Riederwald war Großbetrieb. Als sich die beiden Mannschaften, Eintracht und Fußball-Sportverein, zum Spielbeginn aufstellten, mochten wohl 10—12000 Zuschauer das ideale Spielfeld umsäumt haben, so einen gemessenen Rahmen für das bedeutungsvolle Spiel abgebend. Es entwickelte sich sofort ein sehr schnelles Spiel, bei dem die Situationen in rasender Eile wechselten. In Anbetracht der Wichtigkeit des Treffens kann man es verstehen, daß sich der Spieler eine gewisse Nervosität bemächtigt hatte, die auch während des ganzen Spieles in gewissem Maße anhielt. Eintracht hatte die Schwächen der vorhergehenden Sonntage überwunden und zeigte wiederum ein schönes, flaches Paßspiel, zu dessen Erfolg nur der die Arbeit krönende sichere Torschuß fehlte. Sportverein zeigte heute nicht das bestechende Spiel des letzten Sonntags, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, daß dem Bornheimer Sturme heute eine Läuferreihe gegenüberstand, die eine geschlossene Abwehrfront bildete, und die zu überwinden viel Können und Eifer erforderte.

In den ersten 20 Minuten war Eintracht etwas im Vorteil, ohne allerdings diese Feldüberlegenheit durch gesunden Torschuß vervollständigen zu können. Manch schön eingeleiteter Angriff scheiterte an der ausgezeichnet spielenden Verteidigung Sportvereins, die wiederum schier unüberwindlich war. Allerdings war in dieser Zeit die Bornheimer Elf auch nicht müßig und unternahm Angriffe, die, bis kurz vors Tor des Gegners getragen, immer gefährlich waren. In diese Zeit fällt, ich greife nur die markantesten Punkte heraus — ein wunderbarer Torschuß Strehlkes, der vorn Eintracht-Hüter ebenso brillant gehalten wird. In unverminderter Heftigkeit, auf und ab, wogte der Kampf, und man glaubte schon, daß die Halbzeit ein 0:0 anzeigen würde, als Völler aus einem Gedränge vorm Sportler-Tore heraus durch ein Eigentor der Eintracht die Führung gab.

Die zweite Halbzeit begann mit scharfem Drängen der Blauschwarzen, und schon die dritte Minute sah ihre Mühen belohnt. Ein Eckball vorm Eintracht-Tor, von Waldschmidt sehr verwendungsfähig getreten, wird von Eberlein gestoppt, der Ball gelangt zu Stein, der ihn wohlberechnet und mühelos aus 2 Meter Entfernung einschiebt. Das Spiel nimmt an Schnelligkeit noch zu. Bemerkenswert ist ein wundervoll berechneter Schuß Strehlkes aus 20 Meter Entfernung, den Sackmann nicht bannen kann, Sportverein führt 2:1! Der Jubel im Sportvereinslager ist selbstverständlich weithinschallend.

Doch Eintracht läßt nicht locker. Immer wieder werfen die prächtig spielenden Läufer ihre Stürmerreihe ins Treffen. Plötzlich schießt Kirchheim aus 40 Meter ganz unerwartet aufs Tor. Der Ball steigt schräg auf, um dann in steiler Abwärtskurve den Weg ins Tor zu nehmen. Koch im Sportvereins-Tore kann den Ball wohl noch erreichen, doch hatte derselbe die Torlinie bereits überschritten. 2:2. Die Spannung ist auf dem Siedepunkte. Jeder glaubt, daß das Resultat nicht zu ändern ist. Da läßt die Eintracht-Mannschaft in einzelnen Punkten etwas nach. Die Bornheimer haben anscheinend ein scharfes Auge für gegnerische Schwächen. Sie erfassen sofort die Situation und bringen es in ungestümem Drängen der letzten 10 Minuten 3 Minuten vor Schluß noch fertig, ein sehr schönes Tor zu erzielen, an dem Schneider nicht ganz schuldlos sein dürfte. Die Rotstrümpfe geben das Spiel verloren. Unter fruchtlosem Geplänkel vergehen die letzten Minuten.

Der Schiedsrichter, Herr List aus Stuttgart, konnte in keiner Weise dem Spiel ein guter Leiter sein. Er war nicht imstande, das sehr schnelle Spiel zu beherrschen. Zu Anfang des Spieles war er zu kleinlich, zerpfiff jede Aktion beider Gegner, um dann gegen Schluß des Treffens viel zu nachsichtig und lässig zu sein. Seine Abseitsentscheidungen waren in vielen Fällen unkorrekt, seine Pfeife ist unbedingt durch eine ligamäßige zu ersetzen. Wenn das Spiel oft die Grenzen des Erlaubten streifte, so ist das allein seine Schuld!

Und nun noch kurz einige Worte über die beiden Mannschaften. Der Sieger, Fußballsportverein, hatte in Stier und Schaffner ein oft bewährtes, glänzendes Verteidigerpaar, das durch den Torwart, der heute aufgeregt schien, allerdings nicht viel seiner Kunst zu zeigen brauchte, gut ergänzt wurde. Die Läuferreihe war gut. Überragend Reiz in der Mitte. Die beiden Halbspieler Stein und Strehlke waren die besten Leute im Sturm, besonders Strehlke zeigte anerkennenswertes Schußvermögen und eminente Schnelligkeit. Klump konnte nichts zeigen, da er von Egly gut bewacht wurde. Die Außenstürmer fielen etwas ab, was unbedingt auf das Konto der guten Deckungsreihe des Gegners zu buchen ist.

Bei Eintracht klappte es heute wieder erstmals vorzüglich. Wenn es auch zu einem Siege nicht reichte, so zeigte die Mannschaft doch, daß sie den guten, von ihr gewöhnten Fußball immer noch spielt. Der Sturm litt unter dem Versagen Klemms, der einige todsichere Sachen ausließ. Szabo wurde gut bewacht, kam aber trotzdem öfter zu seinen rasanten Flankenläufen. Pfeiffer in der Mitte war vielleicht nicht ganz so durchschlagskräftig wie sonst. Für ihn dürften bald repräsentative Ehren fällig sein. Die Läuferreihe war gut. Besonders schön spielte Kirchheim, mit dem man nicht soviel herumexperimentieren sollte. Kirchheim ist der geborene Läufer! Egly der Turm in der Schlacht. Schneider gut und zuverlässig, eifrig wie immer. Die Verteidigung Lindner-Eberlein gut. Sackmann im Goal vielleicht etwas unsicher. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 49/1922)


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