Helvetia Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Kreisliga Nordmain 1922/23 - 12. Spiel

1:3 (0:1)

Termin: 10.12.1922
Zuschauer: 4.000
Schiedsrichter: Göchter (Stuttgart)
Tore: 1:0 Meier, 1:1, 1:2, 1:3 (Edy Klemm (2), Willi Pfeiffer)

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Helvetia Frankfurt Eintracht Frankfurt 

  • Judisch
  • Wagner
  • Engelhardt
  • Meier
  • Fritz
  • Schiebener
  • Popp

 


 

Trainer
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Helvetias erste Niederlage — Eintracht verdienter Sieger

Zum ersten Male hüllte gestern eine leichte Schneedecke die hartgefrorenen Spielfelder ein. Sämtliche Mannschaften litten selbstverständlich unter diesen wenig verlockenden Bodenverhältnissen, und es ist erklärlich, daß der Spieler auf diesem glatten, schlüpfrigen Boden nicht sein ganzes Können zeigen kann.

Das wichtigste Spiel fand an der Hausener Landstraße auf dem primitivem Platze des Tabellenführers Helvetia statt, der gegen Eintracht die erste Niederlage dieser Saison hinnehmen mußte. Um es vorweg zu nehmen, der Platz war in der Verfassung, in der er sich gestern den 3-4000 Zuschauern präsentierte, nicht spielfähig. Ganz abgesehen von der Härte des Bodens und der durch den Schnee verursachten Glätte, war der Platz in einem Zustande, der eher an einen wüsten Kartoffelacker als an ein Spielfeld glauben ließ. Die tiefspurigen Wagenfurchen könnte man doch zum mindesten etwas ebnen!

Als Eintracht mit 2 Ersatzleuten den Platz betrat, da schienen die Siegeshoffnungen für die Riederwälder auf den Nullpunkt herabzusinken. Die erste Spielhälfte schien dieser Vermutung voll und ganz recht zu geben. Helvetia findet sich auf ihrem eigenen Platze weit schneller wie die Gäste und kann ihre Angriffe bis in Tornähe des Gegners tragen. Sie stößt jedoch heute auf ein Verteidigerpaar, das jeder Lage gewachsen ist. Mit weitem Schlage oder prachtvollem Kopfspiele wird jede kniffliche Lage geklärt. Kurz vor der Pause erringt Meier für seinen Verein den ersten Treffer, ein Tor, das der Eintrachthüter nicht halten konnte. Die bis zur Halbzeit von Eintracht geschaffenen Torgelegenheiten konnten nicht alle verwertet werden, da im Helvetiakasten ein überragender Hüter stand, der sich jeder Lage gewachsen zeigte.

Nach Halbzeit drehte sich das Zünglein an der Wage stark nach der Eintrachtseite zu. Eintracht zeigte plötzlich, wie aus der Pistole geschossen, ein technisch und taktisch hervorragendes Spiel, brachte einen Elan, Siegeswillen und Kampfgeist auf, wie sie es in ihren Glanzzeiten nicht besser hätte illustrieren können. Solche Arbeit mußte Erfolge zeitigen! In kurzer Zeit fielen 3 Prachttore, wie man sie in Ligaspielen selten sieht. Als dann Larem erheblich und Pfeiffer ebenfalls verletzt wird, kommt die stark deprimierte Helvetia wieder mehr auf und kann die mit Halbstatisten spielende Eintracht zeitweise bedrängen, ohne jedoch die manchmal etwas zahlenmäßige Verteidigung überwinden zu können. So endet das in Anbetracht der Bodenverhältnisse hervorragende Treffen mit dem Resultate 3:1 für Eintracht.

Sackmann im Eintrachttor war der Torwächter von Klasse, der sich jeder Situation gewachsen zeigte. Sein Fausten des Eckballes war ein Meisterstück. In Kirchheim und Eberlein hatten die Riederwälder ein Verteidigerpaar, das zu den besten gehört, was Eintracht in dieser Kampfstellung je besessen hat. In der Läuferreihe glänzte Egly in der Mitte. Er überragte seinen Gegenmittelläufer Fritz, der ihm oft gleichgestellt wird, um ein bedeutendes. Sein Stellungsspiel war eines Repräsentativen würdig. Der Ersatzmann Larem bot eine überraschend gute Leistung. Schneider war zuverlässig wie immer, hatte allerdings nicht die gefährlichen Gegner wie Larem. Der Sturm entzückte die Eintrachtanhänger durch seinen heuer nie gesehenen Eifer, durch seinen Elan und durch eminente Durchschlagskraft. Klemm im Feldspiel mäßig, vor dem Tore sehr brauchbar. Alle übrigen sehr gut.

Und nun zu Helvetia. Die Mannschaft hat das Torschießen vergessen! Die Spielstärke der Elf, und das ist nicht abzuleugnen, ist zurückgegangen. Die Niederlage kam für viele Eingeweihte nicht überraschend. Bei etwas weniger Glück hätte dieselbe schon viel früher eintreten können. Judisch im Tor glänzend. Die Verteidigung heute nicht so gut wie sonst. Sie konnte sehr oft den Eintrachtsturm nur in letzter Minute halten. In der Läuferreihe waren die Außenspieler Wagner und Engelhardt besser wie Fritz in der Mitte. Im Sturme konnte nur der linke Flügel Schiebener-Popp gefallen. Meier in der Mitte dürfte sich das viele Reden abgewöhnen.

Der Schiedsrichter, der einarmige Herr Göchter aus Stuttgart, war sehr gut, seine Abseitsentscheidungen vorbildlich. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 50/1922)


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