FSV Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Oberliga Süd 1948/49 - 22. Spieltag

2:0 (1:0)

Termin: 05.03.1949
Zuschauer: 16.000
Schiedsrichter: Ruhmann (Regensburg)
Tore: 1:0 Kircher (25.), 2:0 Kircher (52.)

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FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt

  • Hans Ricker
  • Lautz
  • Dehm
  • Nold
  • Dietsch
  • Schuchardt
  • Trapp
  • Ferber
  • Schaffner
  • R.Herrmann II
  • Kircher

 


 

Trainer
  • Erwin Kiesewetter
Trainer

Rasanter FSV-Flügel Hermann-Kirchen, prächtiger Henig

In Eintrachts Zentrum stand ein verletzter Adam Schmidt — Nur Baas gefiel im Sturm

Im 88. Frankfurter Derby siegte der klare Favorit so überzeugend, wie man es in einem Lokalkampf, der großen Gelegenheit für die Außenseiter, selten findet. Nach einer ausgeglichenen ersten Viertelstunde übernahm der FuBballsportverein das Kommando immer eindeutiger. Die Hintermannschaft des Gastgebers, in der es zu Beginn zu Unruhe und Nervosität gekommen war, die der in alter Form spielende Dietsch immer wieder mit beschwörenden Gesten und Worten zu bannen versuchte, schwand bald, und von da an blieb dem Eintracht-Angriff, der in der Gesamtheit auch heute wieder ein Ausfall war, kaum noch etwas zu bestellen übrig.

Dagegen konnte die rechte Deckungsseite der Roten, Kudras-Wlocka, mit dem linken FSV-Flügel Hermann-Kircher gar nicht einig werden. Besonders Wlocka machte zahlreiche Fehler im Stellungsspiel, während Kudras dem sich mächtig einsetzenden und zielbewußt arbeitenden Baas zuviel Raum ließ.

Da im Zentrum der Eintracht-Abwehr kern vollwertiger Adam Schmidt stand — er hatte sich beim Skiläufen eine Verletzung augezogen — auch Nees einiges zu wünschen übrig ließ und Bechtold zwar alles ihm Mögliche tat (aber doch als Außenläufer immer noch zu sehr den einstigen Verteidiger erkennen ließ) war die gesamte Deckung vor Henig in einer uneinheitlichen und verwirrten Verfassung, so daß es schon ein kleines Wunder gewesen wäre, wenn sie die 90 Minuten überstanden hätte, ohne geschlagen zu werden.

Der Tormann Henig hatte es hinter diesem löcherigen Vorhang, durch den der blauschwarze Wind Immer wieder pfiff, äußerst schwer. Doch war es gerade Henig, der durch eine Reihe von ausgezeichneten Paraden eine höhere Tordifferenz verhinderte. Beim ersten Treffer war ihm die Aussicht so völlig versperrt, daß er den von Kircher losgelassenen Roller erst viel zu spät sehen konnte und Nummer 2 hätte er vielleicht durch energisches Herauslaufen verhüten können.

Der FSV hatte die Schwächen, die er am Vorsonntag gegen Schweinfurt offenbarte, noch keineswegs völlig überwunden. Doch war die gesamte Leistung schon wieder bedeutend besser und jedenfalls mehr als ausreichend, um den Gegner in diesem Derby sicher niederzuhalten.

Der linke Flügel Hermann-Kircher, der sehr stabilgewordene Lautz in der Verteidigung, Dietsch als Stopper und auch Mittelstürmer Schaffner, der diesmal freilich vor dem Tor viel an Konzentrationsvermögen vermissen ließ, waren die Angelpunkte des Siegers.

Unser Nachbar während dieser 90 Minuten wunderte sich über so manches. Er vermißte hüben und drüben eine Spielerpersönlichkeit mit Mutterwitz und eigenen Ideen. Er freute sich über die anständige Kampfweise, in der dieses Lokalspiel ausgetragen wurde und über die ganz ausgezeichnete Schiedsrichterleistung von Ruhmann.

Als in den letzten 10 Minuten die „Eintracht" noch einmal aufkam und ihr Anhang mit großem Stimmaufwand und Trompeten ein mächtiges Getöse erhob, fragte er ein wenig ironisch, warum denn diese Leute nun, wo es zu spät war, sich so strapazierten, während sie vorher, als es nötig und aussichtslos gewesen wäre, wohl geschlafen hätten. Unser Nachbar, der gerade im Flugzeug aus den Staaten gekommen war, und uns viel vom mächtigen Aufschwung des Soccer drüben und auch sonst noch so manches Interessante erzählte, war der allen Lesern des „Sport-Magazins" wohlbekannte Freund und Helfer der deutschen Jugend (gerade in der ersten schweren Zeit nach dem Zusammenbruch) Mr. Ernest F. Richter aus Washington. (aus dem 'Sport-Magazin' vom 09.03.1949)

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