Eintracht Frankfurt - Preußen Dellbrück

Freundschaftsspiel 1955/1956

4:4 (1:1)

Termin: 01.01.1956
Zuschauer: 1.000
Schiedsrichter: Jakobi (Mannheim)
Tore: 1:0 Erich Bäumler (11.) , 1:1 Lorenz (18.), 2:1 Richard Kreß (53.), 2:2 Löring (63.), 3:2 Erich Bäumler (68.), 4:2 Helmut Geiger (70.), 4:3 Löring (80.), 4:4 Grandrath (83.)

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Preußen Dellbrück

 


  • Rennen
  • R. Müller
  • Frantzen
  • Meihs
  • Weilandt
  • Schemmerling
  • P. Müller
  • Löring
  • Lorenz
  • Grandrath
  • Busch

 

Wechsel
  • (2), ,
Wechsel
  • Hölzgen für P. Müller
Trainer Trainer

Nur 1000 Zuschauer!

Schymik regierte im Mittelfeld

Dem Eintracht-Kassierer wird dieser Jahresbeginn wohl ewig im Gedächtnis bleiben, denn nur 1000 Zuschauer ließen sich nicht vom Nieselregen abhalten, zum Riederwald hinauszukommen. Als Anerkennung ließ man alle unter dem schützenden Tribünendach Platz nehmen. So saß also der unbekannte Mann aus der Kurve neben dem Tribünendauerabonnent. Nun, bei acht Toren kam man sich bald näher und war am Ende einer Meinung.


Schemmerling kann nicht eingreifen,
Bäumler erzielt das 1:0

Man war der Meinung, dieses freundschaftliche Spiel nicht zu ernst zu nehmen, man war aber auch der Meinung, daß die Dellbrücker das Unentschieden redlich verdient hatten, obwohl es so aussah, als würde die Eintracht nach dem 4:2 ihren Gegner über den Haufen rennen. Doch die Eintrachtabwehr verstand es nicht, sich auf den Dellbrücker Sturm einzustellen und so zogen die Kölner noch einmal gleich. Die Dellbrücker sind eine Mannschaft, gegen die schwer zu spielen ist. Sie ist deshalb seit Jahren im Westen von allen gefürchtet. Ihr Stil ist sachlich, der Sturm wirkt eiskalt, obwohl so ein Torjäger wie Lorenz sogar etliche Pfunde zu viel mit sich herumschleppt. Aber was macht das aus. Tat auch Lorenz am Riederwald herzlich wenig, so lag er stets auf der Lauer, um Bechthold einen Streich zu spielen.

Der Dellbrücker Sturm ist schnell und vermag das steile Zuspiel — sehr zum Leidwesen der Eintracht vermochte er das auch am Riederwald — auszunutzen. Sehr gut harmonierte der linke Flügel, von dem auch die meiste Gefahr ausging, während der prächtige Halbrechte Löring zwei schwache Nachwuchsleute neben sich hatte. Weder Peter Müller (nicht de Aap) noch Hölzgen besaßen Oberligaformat. Die Dellbrücker Verteidiger fuhren hart in alle Vorstöße der Eintracht und wiesen neben ihrer Schnelligkeit eine gute Schlagsicherheit auf. Torwart Rennen sprang mit italienischem Temperament nach allen Bällen, besaß große Qualitäten, spielte aber etwas mit dem Blick auf die Zuschauer. Die Dellbrücker könnten im Westen zur Spitze zählen, wenn sie zwei überragende Außenläufer besäßen. Ihre derzeitigen sind Durchschnitt und so muß der Sturm von den weiten Abschlägen der Verteidigung leben.

Ohne Zweifel war das Zuspiel der Eintracht eleganter, das der Dellbrücker aber rationeller, es sparte Zeit und Raum. Es dauerte lange Zeit, ehe es auch der Eintracht-Sturm mit diesem Rezept versuchte und schon schien er die Kölner mit ihren eigenen Waffen geschlagen zu haben. Doch, wie gesagt, aus dem 4:2 wurde noch ein 4:4. Und das war nicht die Schuld des Sturmes. Ja, es hätte auch eine Niederlage herausspringen können, wenn sich nicht Rothuber etliche Male tollkühn den Dellbrückern vor die Beine geworfen hätte. Mit Interesse beobachtete man den Ex-Höchster Jakobi bei seinem Debüt. Er ist von kräftiger Statur und zog sich nicht schlecht aus der Affäre. Man sollte ihm weitere Chancen geben und berücksichtigen, daß er es bei Buch mit dem schnellsten Dellbrücker Mann zu tun hatte.

Doch die Achse des ganzen Eintrachtspieles bildete Schymik. Er hatte bald heraus, daß sich Grandtrath wenig um ihn kümmerte und sofort nutzte Schymik seine Bewegungsfreiheit aus. Von ihm gingen alle Impulse aus und sein Offensivdrang riß dann auch Heilig mit — und hier sind wir am Kern des 4:4. Dieses Vorwärtsdrängen ließ manchmal eine Kluft zwischen Verteidigung und Läuferreihe aufklaffen und sofort waren die Dellbrücker mit einer Steilvorlage über diese Kluft hinweggesprungen. Im Sturm waren Feigenspan und Geiger nicht vom Glück begünstigt. Sie standen aber auch zwei harten Verteidigern gegenüber und ihr allzu hastiges Abschießen (und damit Verschießen mancher Chance) zeigte deutlich, daß R. Müller und Frantzen ihnen auf die Nerven gingen. Pfaff kam erst nach der Pause in Schwung und sofort erstrahlte das Eintrachtspiel im vollsten Glanz, während vorher Bäumler allein für technischen Zauber verantwortlich war.

Kurioserweise ging die Eintracht jedesmal in Führung, um sich wieder eingeholt zu sehen. So ging Bäumlers Führung verloren, als Rothuber seinen alten Fehler beging: er ließ eine Flanke (von Busch) am Tor vorbeistreichen und schon hatte Lorenz eingeköpft. Schade, dachte mancher Zuschauer, als zwei Minuten später Kreß beim Versuch Rennen zu umspielen hängenblieb. Kurz vor der Pause erhielt Rothuber Sonderbeifall, weil er sich zweimal tollkühn ins Getümmel warf und rettete. Doch was war die erste Halbzeit gegen die zweite. Hier fielen die Tore im halben Dutzend. Zuerst jedoch schlug Rennen mit dem Fuß gerade noch einen Geiger-Schuß zur Ecke. Dafür überlistete ihn Geiger beim nächstenmal — und sah entsetzt, wie sein Schuß am Pfosten landete. Blitzschnell war Rennen wieder hoch und begrub Feigenspans Nachschuß unter sich.

Als Pfaff dann Kreß mit einer dellbrückisch-steilen Vorlage bedachte, schoß Kreß dankerfüllt seinen Alleingang mit dem 2:1 ab. Doch Löring glich aus. Ein herrlicher Bogenschuß Bäumlers erbrachte das 3:2, die Eintracht spielte jetzt auf wie einst und Geiger erhöhte auf 4:2. Doch zum Schluß hatten Löring und Grandrath auf 4:4 gleichgezogen. (Host Kickhefel in 'Der neue Sport' vom 02.01.1956)

 

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