Eintracht Frankfurt - Karlsruher SC

Oberliga Süd 1955/56 - 23. Spieltag

2:3 (2:2)

Termin: 04.03.1956
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Kandelbinder (Regensburg)
Tore: 1:0 Hans Weilbächer (11.), 2:0 Alfred Pfaff (31.), 2:1 Kunkel (33.), 2:2 Sommerlatt (38.), 2:3 Beck (62.)

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Eintracht Frankfurt Karlsruher SC

 


  • R.Fischer
  • M.Fischer
  • Baureis
  • Ruppenstein
  • Geesmann
  • Roth
  • Traub
  • Sommerlatt
  • Beck
  • Kunkel
  • Termath

 

Trainer Trainer

KSC, Elf der Eiskalten

Wlokas unerbittliche neunzig Minuten

So müßten Fußballspiele immer sein, so voller technischer Feinheiten, so voller Kampfkraft — und die zu Hause Gebliebenen dürfen sich ärgern, sie haben ein großes Spiel versäumt! Zudem wurde bewiesen, daß gute Mannschaften mit allen Bodenverhältnissen fertig werden, wobei man der Eintracht aber das Kompliment machen muß, daß sie trotz Tauwetters und heftiger Regenfälle ihren Platz gut in Schuß gebracht hatte.

Vielen von denen, die ihr Auto in Richtung Bergen-Enkheim parken mußten, ging das 1:0 flöten, das 1:0 und die beiden Lattenschüsse, die Kreß und Sommerlatt gelangen. Doch der späte Gast ließ bald seine Unmutfalten von der Stlrne schwinden, denn er sah, wie wir alle, noch so viel Schönes von beiden Mannschalten, daß der Gesprächsstoff die ganze Woche über nicht ausgehen wird. Der einzige bittere Tropfen im Eintrachtbecher: man verlor beide Punkte. Man soll sich als Trost sagen, daß sie gegen die beste Mannschaft im Süden verloren wurden. Wir sahen den VfB Stuttgart und erst vor acht Tagen den VfR Mannheim. Keiner von beiden reicht dem KSC das Wasser, so wie dieser KSC am Riederwald aufspielte.

Man wußte nicht, sollte man mehr über die technischen Tricks auf beiden Seiten oder über die eiskalte Ruhe der Karlsruher staunen? Hand aufs Herz, welche Mannschaft bleibt ruhig, wenn sie 2:0 zurückliegt? Den Karlsruhern war jedenfalls — wie bei cleveren Boxern — nicht anzumerken, ob sie angeschlagen waren oder nicht. Sie stellten sich ganz einfach vom Querpaß auf steiles Spiel um, und schon lagen sie innerhalb von sechs (!) Minuten wieder gleichauf. Gewiß, so ganz schuldlos war die Eintrachtabwehr dabei nicht, denn Loy durfte vor dem ersten Gegentor den Ball niemals abklatschen und Heilig nie Sommerlatt die Muße lassen, sich die geeignete Torecke zum Ausgleich auszusuchen. Die Frankfurter Abwehr hatte es schwer, wie oft ließ sich Bechtold von Termath überlisten, wie mußte Kudraß seine ganze Härte aufbieten, um Traub einigermaßen in Schach halten zu können. Die beiden hatten es schwer, denn sie hatten von Schymik und Heilig wenig Unterstützung in der Abwehr. Bei beiden liegt der neuralgische Punkt der Eintracht: man kann als Außenläufer sein Trachten nicht nur auf den Spielaufbau richten, für den ohne Zweifel Heilig und Schymik viel leisteten. So war die große Eintrachtoffensive zwischen der 10. und 30. Minute ihr Werk, ebenso wie der Ansturm gleich nach der Pause, bei dem die KSC-Abwehr bös ins Schwimmen geriet. Aber wo waren die beiden, als der KSC mit Macht angriff, wo blieb die Unterstützung der Verteidigung?

Es war gut, daß Wloka unerbittlich dazwischenfuhr. wie überhaupt dieses Spiel zum Spiel zweier großartiger Stopper wurde. Wloka wirkte spritziger und schneller, Geesmann schien wuchtiger und auch härter. Wloka war der Angelpunkt der ganzen Abwehr, während Loy sehr unsicher war. Sein entscheidender Fehler war es, den nassen Ball mit weitgeöffneten Händen fangen zu wollen, wodurch er ihm oftmals entglitt und böse Situationen vor dem Eintrachttor entstanden. Fausten hätte Loy müssen.

Der Sturm spielte einsatzvoll und es ist alles gesagt, daß Pfaff ein Tor durch Kopfball (!) erzielte. Pfaff war der raffinierteste Eintrachtstürmer, den größten Einsatz jedoch zeigte Kreß, der wie eine Wespe um die Karlsruher Verteidiger herumschwirrte, aber das Glück nicht auf seiner Seite hatte. Weilbächer rackerte sich fleißig ab und Geigers tapferes Nachsetzen führte zum ersten Tor. Bäumler wünschte man etwas mehr Härte, allein mit Technik war Baureis nicht beizukommen.

Dabei wäre der Karlsruher Abwehr beizukommen gewesen, da man dort nicht allzu genau deckte. Doch der KSC erinnerte nicht nur durch sein blaues Trikot an Schalkes große Mannschaft der dreißiger Jahre. Er verstand es wie die unvergeßlichen „Knappen" das Manko einer nicht hundertprozentigen Verteidigung durch sein glänzendes Sturmspiel auszugleichen. Er konnte es, da er in Ruppenstein (vollendet in Abwehr und Aufbau) und Sommerlatt zwei Spieler besaß, die ihren Sturm zu einer Einheit zusammenschweißten. Zu einer Einheit, die man bei der Eintracht leider vermissen mußte.


Weilbächer zum 1:0

Gleich zu Beginn heizte die Eintracht dem Spitzenreiter ein. Kreß trieb den Ball, Abspiel an Pfaff, Alfreds Querpaß flog genau vor Weilbächers Schußbein: Lattenschuß. Eine tolle, begeisterte Stimmung herrschte schon am Riedervvald. Sie wurde auch nicht gedämpft, als Sommerlatt mit einem Lattenschuß anzeigte, daß die Karlsruher ja auch schießen können. Die Eintracht machte es aber zunächst besser. Durch Geiger, der erst den Ball an Traub verlor, sich ihn dann erkämpfte, an M. Fischer vorbeiging und schon schwebte der Schrägpaß vor den freistehenden Weilbächer. R. Fischer stürzte heraus, aber da flitzte Weilbächers Schuß schon in die lange Ecke. 1:0 nach 10 Minuten.

Der Optimismus stieg. Loy holte Termaths Eckball wie einst in besten Tagen herunter. Mit seinem Abschlag zog Kreß Rechtsaußen davon, legte so schön herein, daß man nur den Kopf hinzuhalten brauchte, aber Geiger rutschte der Ball knapp vor der Torlinie über den rechten Oberschenkel. Wieder eine Kreß-Flanke, in die sich R. Fischer recht waghalsig warf. Er verletzte sich etwas, war eine Minute neben dem Tor, während Roth die Mütze aufsetzte. Karlsruhe kam im Mittelfeld durch zweckmäßigere, gekonntere Spielweise und Harmonie reifer auf.

Das fühlte zunächst zu nichts. Die Eintracht schlug da überraschend zum verdienten 2:0 zu. Von Pfaff über Weilbächer rollte der Ball zu Bäumler, seine Flanke schwebte Pfaff auf den Kopf, als R. Fischer auf der Torlinie stehen blieb. 2:0 nach 30 Minuten.

Drei Minuten später wurde Bechtold von Termath gehetzt. Berni gewann den Zweikampf, flankte, Loy klaschte den Ball ab, der prallte zu Kunkel, der entschlossen zuschlug. Vier Minuten später war Karlsruhes Ausgleich geschafft. Fünf Abwehrspieler blieben starr stehen, Heilig stand Sommerlatt am nächsten gegenüber. Weshalb griff er nicht an? Sommerlatt legte sich das Leder zurecht, schlug zu und unhaltbar war das 2:2 da.

Die 2. Halbzeit begann vielversprechend für die Eintracht. Zwei Eckbälle, doch kein Erfolg. Geiger donnerte knapp vorbei. Dann konterte der KSC. Termaths Eckball köpfte Sommerlatt steil und flach, direkt vor Becks langes Bein, das versagte. Wieder Gefahr für Loy, als Wloka den langen Beck legte. Die Eintracht-Mauer stand. Sommerlatt legte den Freistoß an der Mauer flach vorbei, Kunkel lief hinein und schoß am kurzen Eck knapp vorbei. Wloka warf sich gerade noch vor Traubs Schußbein. Die Abwehr der Eintracht mußte Schwerarbeit verrichten. War es ein Wunder, daß Loy immer nervöser wurde, daß er den Ball aus den Händen zur Ecke rollte. Jene Ecke, die zur Entscheidung führte? Termath hatte sie kurz zu Kunkel gespielt, aus der linken Spielfeldecke schwebte Termaths Flanke auf Becks Schädel, und es stand 2:3. Fünf Eintrachtstürmer standen vorne, weshalb half keiner mal der Deckung? Erst eine Umstellung brachte etwas Besserung, als Bäumler, dann auch mal Weilbächer aushalfen. (Horst Kickhefel in 'Der neue Sport' vom 05.03.1956)

 

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