Eintracht Frankfurt - Tasmania 1900 Berlin

DFB-Pokal 1962 - 1. Hauptrunde

1:0 (0:0)

Termin: 28.07.1962
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Oswald Fritz (Oggersheim)
Tore: 1:0 Erwin Stein (63.)

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Tasmania 1900 Berlin

 


  • Hans-Joachim Posinski
  • Hans-Jürgen Bäsler
  • Horst Talaszus
  • Hans-Günter Becker
  • Eckhardt Peschke
  • Greuel
  • Wolfgang Neumann
  • Erwin Bruske
  • Helmut Fiebach
  • Reimer
  • Wolfgang Rosenfeldt

 

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Eigenbrodts chilenische Szene

Eintracht Frankfurt — Tasmania Berlin 1:0 (0:0)

Dieses Pokalspiel hinterließ keinen guten Nachgeschmack. Die neunzig Minuten blieben ohne Würze, und die häßliche Szene von Eigenbrodt, die chilenisches Format besaß und zu seinem Platzverweis führte, nahm einem den kärglichen Rest von Freude. Der Platzverweis von Eigenbrodt besteht zu Recht. Wer sich wie ein Irrsinniger gebärdet, wer dem Linienrichter zu Leibe rücken will, für den gibt es nur den Weg in die Kabine. Weilbächer und Kreß konnten nur mit Brachialgewalt Eigenbrodt vor Tätlichkeiten zurückhalten, Kreß hielt dem um sich schlagenden Eigenbrodt den Mund zu, wie gesagt, es war eine Szene, die dem Renommee der Eintracht unwürdig war.

Das wirklich Erfreuliche an diesem Spiel war die Wiederkehr von Friedel Lutz. Der schlanke Spieler spielte so, als hätte er nicht Monate aussetzen müssen, er köpfte den Ball unbekümmert, seine schwere Verletzung hat er überwunden. Man sah zum Saisonauftakt den Lutz, der Chancen auf Chile gehabt hätte, wenn ihm nicht die böse Verletzung einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Ebenso wie Lutz stand Erich Hahn im Blickpunkt des allgemeinen Interesses. Nun, die technischen Fähigkeit von Hahn sind nicht erst seit gestern in Frankfurt bekannt, aber Hahn muß sich erst ins Eintrachtschema einfühlen. Seine Kondition scheint nicht ausreichend, aber man stellte fest, daß er sich schon sehr gut mit Stein verstand.

Doch am Eintrachtsturm mußte man viele Abstriche machen. Stein bot sich immer wieder an, aber nicht oft erreichte ihn ein Zuspiel. Solz wirbelte nur so umher, gab aber den Ball oft erst ab, wenn Stein oder Schämer schon wieder abgeschirmt waren. Kreß riß sich ein Bein nach dem anderen aus, aber die meisten Flanken landeten hinter dem Berliner Tor. Als man es mit hohen Bällen versuchte, freute sich die lange Tasmaniaabwehr aus ganzem Herzen.

Das Kuriose war: Erst als die Eintracht zehn Spieler auf dem Feld hatte, spielte sie besser. Jetzt ging jeder Spieler ganz konzentriert an die Sache heran —, und der Sieg war auch verdient, denn spielerisch hatten die Tasmanen der Eintracht nichts entgegenzustellen. Ihr Sturm fand bei der überzeugenden Abwehr keine Lücke, es fehlte aber auch ein Stürmer mit Biß. Das Fazit der neunzig Minuten: Die Abwehr okay, der Sturm noch ohne Bindung.

Ehe man in der 10. Minute des verstorbenen Ehrenmitgliedes August Raab und Richard Herrmanns gedacht hatte — aus dem aufklingenden Gemurmel der Zuschauer war zu merken, daß viele noch nichts vom Tod des Bornheimer Nationalspielers wußten —, hatte Stein zweimal mit Schüssen etwas Pech gehabt. Zehn Minuten nach der Gedenkminute endlich ein Flankenwechsel, aber Schämer jagte das Zuspiel von Kreß ans Außennetz. Solz traf nur die Latte, und Eigenbrodt rettete gegen Fiebach. Das war alles aus der ersten Hälfte.

Zehn Minuten der zweiten Hälfte waren so dahin geplätschert, da erhielt Solz in Abseitsstellung den Ball. Sein Schuß prallte von Posinski ab. An der Auslinie hatte der Linienrichter die Fahne erhoben, doch Fritz ließ weiterspielen. Peschke war Solz nachgeeilt, und zusammen mit Posinski stocherten und grabschten die drei nach dem Ball. Sieger blieb Solz. Schiedsrichter Fritz wies zur Mitte. Neumann lief zum Linienrichter. Dieser zeigte das Abseits an, Fritz annullierte den Treffer, und Eigenbrodt spielte berserk.

Kreß ging in die Verteidigung, tauchte aber immer wieder im Sturm auf. Die Eintracht diktierte das Tempo, und Posinski konnte einen Schämerschuß nur mit dem Fuß abwehren. Gegen Steins Schuß aus dem Hinterhalt war er machtlos, der Ball prallte an die Innenkante des Pfostens und sprang ins Tor. Die Eintracht ließ sich nach dieser 1:0-Führung das Spiel von den elf Tasmanen nicht mehr aus der Hand nehmen. Horst Kickhefel (aus 'Der neue Sport' vom 30.07.1962)

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