Eintracht Frankfurt - Partizan Belgrad

Freundschaftsspiel 1968/1969

3:2 (2:2)

Termin: 03.08.1968 (Flutlichtspiel)
Zuschauer: 6.000
Schiedsrichter: Heumann (Ansbach)
Tore:1:0 Bernd Hölzenbein (11.), 1:1 Katic(14.), 1:2 Damjanovic (23.), 2:2 Bernd Nickel (39.), 3:2 Lothar Schämer (81.)

 

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Partizan Belgrad

 


  • Curkovic
  • Ciciv
  • Damjanovic
  • Djordjevic
  • Paunovic
  • Radakovic
  • Bajic
  • Petrovic
  • Katic
  • Hosic
  • Djorovic

 

Wechsel Wechsel
Trainer Trainer
  • Stjepan Bobek

 

 

Bernd Nickels Torschuß im Rivera-Stil

Hölzenbein immer stärker • Die Paradepferde Jusufi und Schämer • Gute Leistungen
in der ersten Halbzeit • Eintracht Frankfurt — Partizan Belgrad 3:2 (2:2)

Nach dem Schlußpfiff bollerte ein junger Mann mit der Fahne auf der Tribünentreppe hinunter und verkündete mit schallender Stimme: "Eintracht Frankfurt deutscher Meister 1969!" Die Leute quittierten diesen Optimismus mit einem gutmütigen Lächeln. Was sie gesehen hatten, schloß die Möglichkeit einer großen Saison ihres Vereins zwar nicht unbedingt aus; aber ein derartiger Begeisterungssturm kam ihnen nun doch etwas überraschend. Das Spiel funkelte noch zu selten. Zwischen den Höhepunkten schlichen sich Längen ein, die leicht ermüdend wirkten. An der Berechtigung des Eintrachtsieges ist nicht das geringste auszusetzen, zumal die Belgrader mit zunehmender Zeit spürten, daß sie tags zuvor beim VfB Stuttgart (2:2) schon einmal scharf gefordert worden waren. Die Frankfurter konnten durchweg neben den brillanten Technikern aus dem Süden bestehen und entwickelten obendrein noch ein wenig mehr Stoßkraft. Sichere Anhaltspunkte, welchen Platz die Frankfurter augenblicklich im Spitzenfußball der Bundesrepublik einnehmen, ließen sich jedoch vorläufig kaum erkennen.


Curkovic klärt vor Lotz

Vor allem im Mittelfeld herrschten ungewohnte oder besser: untypische Verhältnisse. Mit Keifler ist hier neuerdings ein Spieler am Werk, der sich treu an seine Deckungsaufgabe hält und sich vor allem nach dem Wechsel bei manchen athletischen Zweikämpfen auszeichnete. Die Overath, Netzer und Küppers werden es nicht leicht haben gegen diesen disziplinierten Kämpfer. Da sieh Keifler jedoch bewusst (und weil er und auch Trainer Ribbeck seine spielerischen Grenzen kennen) auf die alleinige Aufgabe eines Bewachers spezialisierte, fielen die tragenden Aufgaben im Bereich zwischen Angriff und Abwehr einem einzigen Mann zu, der in diesem Fall nicht Huberts hieß, sondern Bellut. Der Vertreter des verletzten Huberts schlug sich unter diesen Umständen bis zur Pause beachtlich, auf die Dauer aber war er überfordert.

Für einen gewissen Ausgleich sorgte Jusufi, den im Kampf gegen seinen alten Verein mächtig der Hafer stach, der seinen Verteidigerposten im Stich ließ und mit wachsender Begeisterung auf Beute im Revier des Gegners auszog. So pendelte sich die Waage in den Bereichen, wo es um die bessere Ausgangsposition geht, irgendwie immer wieder aus, und Perioden eintöniger Ueberlegenheit blieben auf der einen wie auf der anderen Seite selten. Die Unternehmungslust Jusufis hatte freilich insofern ihre Schattenseiten, als vor allem die Mittelverteidiger der Frankfurter bei den geschmeidigen Einzelvorstößen der Belgrader Dribbelkünstler mehr als einmal in den undankbaren Kampf „einer gegen zwei" gerieten.

Rein optisch erwuchsen ihnen daraus einige unverdiente Nachteile. Besonders Lindner hatte darunter zu leiden, daß er immer wieder aus der Ausputzerrolle herausgezwungen wurde, um sich um irgendwelche vergessene Angreifer zu kümmern. Daß Lutz von Zeit zu Zeit versuchte, auf den Spuren Bluschs ins Abwehrsystem des Gegners vorzustoßen, trug nicht gerade dazu bei, der unterbesetzten Abwehr das Leben zu erleichtern.

Fernschüsse ins Eintracht-Tor

Es spricht für die Qualität dieser Abwehr im einzelnen, daß die aalglatten Jugos nur zwei Fernschüsse unterbrachten, von denen sich einer im äußersten Winkel verfing und der zweite flach am Torhüter vorbeihuschte. Zumindest dieser zweite war zu halten. Aber in beiden Fällen deutete Tilkowski kaum eine Reaktion an. Der Verdacht, dass es am gefährlichen Zwielicht dieses Samstagabends lag, hat schon deshalb viel für sich, weil Tilkowskis Form bisher stetig anstieg.


Der Siegtreffer durch Nickel

Auch der Eintrachtangriff war bei zwei Treffern auf Unterstützung aus dem Hinterfeld angewiesen. Nr. 1 bereitete Bellut mit einer 25-m-Rakete an die Querlatte vor, mit der man Neubauwände zum Bersten bringen konnte, und hier wagte Hölzenbein im Nachstoßen seinen einzigen Direktschuß. Bei der Nr. 3, dem Siegestreffer, handelte es sich um einen jener Schämerbälle, die mit weit mehr Gewalt über den Rasen schrammen als ein Torhüter, der Schämer nicht kennt, annimmt. Curkovic, der jugoslawische Schlußmann hatte die Kugel, wie es schien, bereits unter sich begraben; aber dann kullerte sie doch noch über die Linie. Das einzige wirkliche Stürmertor gelang Nickel im Riverastil, indem er eine Vorlage über den eigenen Kopf lupfte, eine Kehrtwendung drehte und das Ding noch voll mit dem Spann erwischte, bevor es den Boden erreichte.

Nickel ließ mehrere dieser Wunderkerzen abbrennen; dazwischen jedoch verschwand er mehrmals von der Bildfläche. Eine konstant gute Stürmerpartie lieferte lediglich Hölzenbein, dem vor dem Tor nur noch zu oft das Herz in die Schuhe fällt. Grabowski fummelte sich als Innenstürmer fest, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen. Trotzdem: Dem Mann, der da die Tribünentreppe herunterbollerte, kann geholfen werden. Wenn Huberts gesund wird, Bechtold so bald wie möglich wiederkommt und die Sonnenflecken nicht allzuviel dazwischenpfuschen... Wer weiß. An Braunschweig glaubte seinerzeit auch niemand. ('Frankfurter Rundschau' vom 05.08.1968)

 

 

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