Eintracht Frankfurt - Hertha BSC Berlin

Bundesliga 1970/1971 - 13. Spieltag

1:3 (1:0)

Termin: Sa 31.10.1970, 15:30 Uhr
Zuschauer: 13.000
Schiedsrichter: Walter Horstmann (Hildesheim)
Tore: 1:0 Lothar Schämer (13.), 1:1 Zoltan Varga (49.), 1:2 Wolfgang Gayer (70.), 1:3 Jürgen Weber (82.)

 

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Hertha BSC Berlin

 


  • Volkmar Groß
  • Bernd Patzke
  • Uwe Witt
  • Tasso Wild
  • Peter Enders
  • Zoltan Varga
  • Jürgen Rumor
  • Arno Steffenhagen
  • Wolfgang Gayer
  • Hans-Jürgen Sperlich
  • Lorenz Horr

 

Wechsel Wechsel
  • Karl-Heinz Ferschl für Peter Enders (22.)
  • Jürgen Weber für Hans-Jürgen Sperlich (62.)
Trainer Trainer
  • Helmut Kronsbein



Vom Himmel in die Hölle

Die Zuschauer wurden aus dem Himmel einer schönen Führung durch Schämers kernfestes Tor in die Hölle einer schlimmen Niederlage gestürzt. Als nach dem Spiel auf den vereinsamten Rängen Feuer aufflackerten, wußte man nicht, waren es Fahnen, waren es Programme — es sah nach Scheiterhaufen aus.

Indessen: man tut der Eintracht schreiendes Unrecht, wenn man, bei allem, was man an ihr zu kritisieren hat, vergißt, wieviel stärker die Hertha geworden ist. Sie ist in diesem Waldstadion von Jahr zu Jahr weiter nach vorn marschiert, von 0:4, 0:3, 0:2 zu dem 1:1 des Vorjahres mit 25:1 (!) Ecken für die Eintracht! Dann tat sie den Riesensprung, nun freilich mit Horr und Varga, zu einem wohlverdienten 3:1 und mit 10:3 Ecken, diesmal für sich!

Und gegen eine Frankfurter Elf, die früh einen Kämpfer wie Kalla Wirth verlor, durch einen unglücklichen, aber erklärlichen Fehler von Lutz, Varga die Chance zum Ausgleich gab, die freilich auch dem Fangkünstler Gross im Hertha-Tor nicht entfernt soviel zu schaffen machte wie der Berliner Sturm dem Doktor Kunter.

Kronsbein sagte später das entscheidende Wort: „Der Eintracht fehlt der Regisseur im Mittelfeld." Der Eintracht fehlt, fügen wir hinzu, ein Huberts. Hertha aber hat nicht nur den ewigen Unruhestifter Horr — der diesmal erst nach der Pause in Fahrt kam, vorher zwei feine Chancen vergab —, sondern jetzt auch einen Supertechniker in Varga. „Wer nicht sieht, was dieser Mann kann, bedarf eines Blindenhundes", sagte ein Berliner Journalist mit jenem kaustischen Humor, der an der Spree immer noch zu Hause ist. Varga in Frankfurt: schon seine erste Handlung, eine mit dem linken Fuß hingeschnippelte Vorlage, verriet den Ballkünstler. Varga ist außerdem fleißig, er läuft sich ständig frei, er denkt schnell und manchmal zu schnell, dann kann es passieren, daß seine Vorlage auf den freien Raum ins Leere läuft, aber nur weil seine Mitspieler nicht ebenso schnell mitgedacht haben.

Nach zehn weiteren Bundesligaspielen wird man einen noch perfekteren Varga haben. Er hat die zwei Jahre Pause verblüffend gut überstanden. Er gab dem Spiel auch die Wende. Eine Sonntagszeitung spricht mit Recht von einem wahren Powerplay nach der Pause. In diesem himmelstürmenden Schwall von Berliner Angriffen traf Gayer das Leder nicht, knapp vor dem Tor — worüber Lutz offenbar so erschrak, daß auch er es nicht wegbrachte. So kam es zu Varga und flog flach ins linke Eck! 1:1.

Damit war die Führung der Eintracht ausgebügelt. Schämer hatte sie nach 13 Minuten mit einem schlanken 20-m-Schuß besorgt; der Ball war über Grabowski und Kalb gekommen. Die Berliner wechselten Enders gegen Ferschl aus, dann mußte Reichel für Kalla Wirth kommen. Unter den mancherlei Chancen eines Spiels der aufregend wechselnden Kampfbilder hatte Horr die größte, aber er knallte Kunter an.

Die zweite Halbzeit gehörte Hertha — auch wenn es noch ein paar gute Konter der Frankfurter gab. Grabowski mußte mit einem Klebeverband um den Knöchel weiterspielen, als er sich bei einem Eckball selber verletzte. Die Ecken kletterten auf 10:3 für den Gast. Fünf Minuten nach dem Anknipsen des Flutlichts schoß Gayer über Kunter hinweg ins rechte Toreck: 2:1. Und während ein Hubschrauber wie ein riesiges glühendes Insekt fast bewegungslos überm Waldrand hing und dem Untergang der Eintracht zuzuschauen schien, flog vom linken Fuß Jürgen Webers (der für Sperlich gekommen war) die Kugel zum 3:1 ins rechte Eck.

Verletzt wurden im Herthaspiel drei Stammspieler der Eintracht: Grabowski (Zerrung der Bänder am rechten Fuß), Lutz (Wade und Knöchel), sowie „Kalla" Wirth (ausgeschieden mit Fußverletzung). Wer von dem Trio bis zum Samstagspiel in Dortmund wieder in Ordnung ist, ist noch nicht abzusehen.

 

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