Eintracht Frankfurt - VfR Mannheim

Freundschaftsspiel 1971/1972

4:2 (3:1)

Termin: 18.01.1972 im Waldstadion
Zuschauer: 1.000
Schiedsrichter:
Tore: 0:1 Eisel (23.), 1:1 Bernd Hölzenbein (30.), 2:1 Thomas Parits (35.), 3:1 Thomas Parits (42.), 4:1 Horst Heese (55.), 4:2 Hillesheim (88.)


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Eintracht Frankfurt VfR Mannheim


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Trainer
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Wortmeldungen

"Ein Bundesligaklub kämpft um die Gesundheit seiner Fans", schreibt Werner Ebert in der "Bild". Für die Frankfurter Eintracht sei der Ausbau des Waldstadions das "Vereinsproblem Nr. 1". Ziel sei ein Stadion, "in dem die Zuschauer künftig auch bei Regen, Eis, Wind und Schnee gesichert sitzen und stehen können". Für den Ausbau der berühmten Sportstätte streite "auch der Eintracht-Anhang erbittert mit Flugblättern, Leserbriefen und Aktionskomitee".

Dabei geht es natürlich weniger um die Gesundheit der Fans, als um das Geld, dass es zu verdienen gilt. Bessere Plätze bedeuten schlicht auch teurere Plätze, wie man der Rechnung des Eintracht-Präsidenten Zellekens entnehmen kann: "18.000 Zuschauer in einem modernen Stadion würden uns genauso viel Geld bringen wie 25.000 Zuschauer im jetzigen Stadion."

Das nach dem Krieg auf 70.000 Plätze erweiterte Stadion verfügt nur über etwa 700 überdachte Plätze. "Was nützen da 21.000 Sitzplätze", fragt Eintracht-Kapitän Grabowski, "wenn sich keiner auf die nassen Bänke setzen will?" "Hätten wir überdachte Plätze, dann kämen bei Regen und Schnee erheblich mehr Zuschauer", führt Zellekens den Gedanken fort. "Bei 25.000 Zuschauern würden unsere Einnahmen, aber auch die Abgaben ans Stadion und die Steuer um über 30 Prozent höher liegen", versucht Zellekens der Öffentlichen Hand einen Umbau schmackhaft zu machen. Die Kosten für das 1925 gebaute und modernisierungsbedürftige Stadion liegen nämlich bei einer Renovierung bei etwa 12 Millionen und bei einem Umbau bei 48 Millionen Mark, doch nur bei einem Umbau erhält die Stadt Frankfurt zusätzliche Mittel. Mit anderen Worten: Die ohnehin dringend notwendige Renovierung muss die Stadt allein bezahlen, bei einem WM-reifen Umbau des Waldstadions beteiligen sich jedoch Bund und Land im erheblichen Umfang. Allein vom Bund sind rund 12 Millionen zu erwarten, vom Land Hessen weitere 6 zuzüglich einiger Millionen durch die Glücksspirale, die für die Finanzierung der Fußball-WM in Deutschland veranstaltet wird.

Die Entscheidung, ob umgebaut oder renoviert wird, soll am 27. Januar in der Stadtverordneten-Versammlung fallen. Sportdezernent Prof. Rhein will dabei einen neuen Kostenvoranschlag für den Umbau vorlegen, der einige Millionen niedriger ist als die bisher veranschlagten 48 Millionen Mark. Ob dieser neue Kostenvorschlag realistischer ist, als es der bisherige war, oder ob er lediglich dazu dienen soll, den Gegnern eines Stadionumbaus den Wind aus den Segeln zu nehmen, bleibt vorerst ungeklärt.

Im Waldstadion wird auch so weiter Fußball gespielt. Vier Tage vor dem mit Spannung erwarteten Rückrundenauftakt gegen den HSV, der in Frankfurt zum letzten Mal mit Uwe Seeler auflaufen wird, empfängt die Eintracht den Deutschen Fußballmeister von 1949, den VfR Mannheim. Doch die glorreichen Zeiten der Badener sind Vergangenheit. In der letzten Saison sind die Mannheimer aus Regionalliga Süd abgestiegen und spielen nun in der 1. Amateurliga Nordbaden.

Die Klassenunterschiede sind jedoch für die Amateure kein Grund, sich von den Profis der Eintracht einschnüren zu lassen. Im Gegenteil, in der 23. Minute erzielt Eisel die Führung für die Mannheimer. Diese währt allerdings nur sieben Minuten. Dann erzielt Hölzenbein vor den gut 1.000 Zuschauern, die sich im Stadion verlieren, den Ausgleich.

Die Eintracht hat die Partie nun immer besser im Griff und durch Parits gehen die Gastgeber nach 35 Minuten dann erstmals in Front. Der österreichische Stürmer ist es auch, der drei Minuten vor der Pause zum 3:1 trifft.

Zehn Minuten nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit ist es Heese, der auf 4:1 erhöht. Doch auch wenn sich das Ergebnis vorerst nicht mehr ändert, übernehmen nun die Mannheimer wieder das Kommando. Nachdem Eintracht-Trainer Erich Ribbeck fünf Spieler ausgewechselt hat, sind die Amateure sogar klar feldüberlegen. Mehr Zählbares, als der Treffer von Hillesheim zwei Minuten vor dem Ende, gelingt ihnen aber nicht mehr.


Die Zuschauer bewegt heute Abend ohnehin ein anderes Thema weitaus mehr, als das Ergebnis oder das Spielgeschehen auf dem Platz: Jürgen Grabowski ist immer noch verletzt und kann nicht wie vor Wochen erhofft gegen den HSV wieder auflaufen. Ganz verzichten müssen die Fans der Eintracht auf ihren Liebling aber nicht. Der verletzte Nationalspieler kommt in der "Bild" zu Wort. Das Boulevardblatt stellt ihm 10 Fragen:

Sind Sie mit dem Abschneiden in der Vorrunde zufrieden?
Ganz bestimmt, denn im Frühjahr haben wir ja schwer gegen den Abstieg gekämpft.

Was ist Ihr Ziel für diese Saison?
Nicht abzurutschen, lieber aber noch ein, zwei Plätze 'rauf.

Wer oder was war die größte Entdeckung oder angenehmste Überraschung?
Unser 4:3-Erfolg in Bielefeld und noch mehr unser 3:2 gegen Bayern nach dem 1:2-Rückstand.

Haben sich die Neueinkäufe bewährt?
Parits und Ender waren ganz erhebliche Verstärkungen.

Wer war der unangenehmste Gegner?
Eintracht Braunschweig, weil da bei uns nichts zusammenlief.

Machte sich bei Ihnen der Bundesliga-Skandal bemerkbar?
Bestimmt nicht. Wir haben mehr Zuschauer, weil wir die Fans überzeugen konnten, dass wir nichts damit zu tun haben, und dass wir uns in jedem Spiel anstrengen und kämpfen.

Wer steigt ab?
Schwer zu sagen. Im Kampf um den Abstieg werden Kräfte frei, an die man vorher selbst nicht glaubte. Jeder vom Tabellenende hat noch die Chance, sich zu retten.

Wer wird Meister?
Bayern und Schalke haben gleiche Chancen. Vielleicht noch Gladbach.

Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich?
Keine neuen Verletzungen. Man muss immer mitspielen, das ist das beste. Und für die Mannschaft: Ja nicht nach unten wegsacken.

Die Eintracht hat bisher 7 Elfmeter zugesprochen bekommen und alle verwandelt. Glück oder Können?
Kaltschnäuzigkeit, Nerven und eine Portion Glück.


In der "Bild" kommt übrigens nicht nur der Kapitän der Eintracht, sondern auch der "Fan zu Wort". In dieser Woche ist es Kurt Schmidt (45). "Kurti", eine Eintrachtlegende, seit er nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft an einem Tag den Verkehr in der Frankfurter Innenstadt mit zwei Eintrachtfahnen regelte, hat dreimal den Wettbewerb um den "höflichsten Verkehrspolizisten Frankfurts" gewonnen und ist seit sieben Jahren Verkehrserzieher an den Frankfurter Schulen. Über die Frankfurter Eintracht schreibt er:

"Seit 24 Jahren bin ich Vereinsmitglied, schaue mir jedes Heimspiel an und fahre öfter zu den Auswärtsspielen. Ich kenne viele Spieler privat, einige kenne ich noch aus dem Schulunterricht - wie Gert Trinklein.

Wenn ich kritisch sein soll, dann muss ich an erster Stelle etwas Positives sagen: Es ist wieder schön, Eintrachtler zu sein. Unser Stolz ist die erstklassige Helmbilanz: Zu Hause wird gekämpft, zu Hause spielen unsere Neuen voll auf. Das macht Spaß. Meine Kollegen von der Verkehrspolizei sind dankbar, dass die Eintracht jetzt ihr Publikum zufriedenstellt. Denn das ist klar: Nach einem Heimsieg geht der "Abmarsch" der Autokolonnen glatter vonstatten, es passieren weniger Unfälle.

Also die Helmstärke ist imponierend, auswärts wird dagegen zu defensiv gespielt. Nickel und Hölzenbein, beides doch Vollblutstürmer, hängen da zu weit zurück. Freilich weiß ich auch, dass dann Probleme im Mittelfeld auftauchen. Doch ich meine: Die Eintracht sollte auswärts mehr Mut zum Stürmen haben.

Ich glaube, der fünfte Platz wäre erreichbar. Und für die nächste Saison sollte, nachdem jetzt der Angriff erstklassig ist, die Abwehr verstärkt werden." (rs)


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