Eintracht Frankfurt - Hannover 96

Bundesliga 1971/1972 - 33. Spieltag

3:1 (1:0)

Termin: Sa 24.06.1972, 15:30 Uhr
Zuschauer: 9.000
Schiedsrichter: Dr. Gerd Siepe (Köln)
Tore: 1:0 Jürgen Kalb (8.), 2:0 Jürgen Kalb (59., Foulelfmeter), 3:0 Ender Konca (74.), 3:1 Willi Reimann (90.)

>> Spielbericht <

Eintracht Frankfurt Hannover 96


  • Franz-Josef Pauly
  • Hans-Herbert Blumenthal
  • Peter Anders
  • Hans-Josef Hellingrath
  • Rainer Stiller
  • Willi Reimann
  • Hans-Joachim Weller
  • Rolf Blau
  • Jürgen Bandura
  • Hans Siemensmeyer
  • Georg Beichle
Wechsel Wechsel
  • Wolfgang Thiele für Peter Anders (67.)
  • Karl-August Herbeck für Georg Beichle (71.)
Trainer Trainer
  • Hans Hipp

Im Waldstadion bleibt die Eintracht in dieser Saison unbesiegt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. In diesem Fall sind es die Schatten der WM 74. Der Grundstein für den Umbau des Waldstadions wird heute vor dem wichtigen Spiel gegen Hannover 96 gelegt. Der Vorschlag des Eintracht-Präsidiums, das Stadion am Riederwald für die Zeit des Umbaus bundesligatauglich zu machen, fand im Magistrat der Stadt Frankfurt leider kein Gehör. Dabei wären die Kosten dafür nicht höher gewesen, als der Betrag, der dafür aufgewendet werden muss, um den Spielbetrieb im Waldstadion während des Umbaus aufrecht zu erhalten. Zudem rechnen die enttäuschten Eintracht-Verantwortlichen wegen der begrenzten Kapazität im Waldstadion (40.000 Zuschauer) mit erheblichen finanziellen Verlusten in der nächsten Spielzeit.

Trainer Ribbeck hat aufgrund der langen EM-Pause andere Sorgen: „Es ist unheimlich schwer, nach dem Schlendrian der letzten Wochen die Truppe noch einmal aufzumöbeln.“ Große Veränderungen wird es in der Mannschaft nicht geben. Parits klagt zwar über leichte Meniskusschmerzen, wird aber ebenso spielen wie Schämer, dessen Fuß schmerzt.

Auch der frisch verheiratete Bernd Nickel tritt an, obwohl Ribbeck ankündigte, ihn wegen der ausgeuferten Hochzeitsfeierlichkeiten zu schonen: „Das war wie in alten Zeiten, drei Tage wurde gefeiert, eine echte Strapaze.“ Auf der Bank sitzt Bernd Hölzenbein, der – wie vorher Jürgen Kalb – noch kürzlich wegen einer Knöchelverletzung mit einer Gipsmanschette durch die Gegend humpelte. Hölzenbein zog sich seine Blessur im Freundschaftsspiel beim Hessenligaabsteiger VfR Aßlar zu – just als der Holz in dem erweiterten Kreis der Nationalmannschaft aufgenommen wurde.

War es in der letzten Saison die Verletztenmisere der Abwehrspieler, die die Eintracht in Abstiegsnot brachte, sind es in dieser Spielzeit die Ausfälle bei den Stürmern. Nickel ist zwar gerade wiedergenesen, aber auch Grabi fiel in der Rückrunde mehrmals wochenlang aus. Das Pech von Grabi war allerdings das Glück des nun verletzten Weidle, der erst durch Grabis Ausfall zeigen durfte, was er kann: „Sonst hätten wir ihn wohl verkauft,“ bestätigt Trainer Ribbeck.

Allen Verletzungssorgen zum Trotz: Frankfurt ist in dieser Saison im Waldstadion noch ungeschlagen, Hannover dagegen ohne Auswärtssieg. Hannover konnte ohnehin nur einmal vom Main beide Punkte mit zurück an die Leine nehmen – am 5. Februar 1966 gewann Hannover durch ein Tor von Siemensmeyer mit 1:0.

Außerdem kann die Eintracht nach monatelanger Verletzungspause erstmals auch Jürgen Kalb wieder in der Startelf aufbieten. Und welch ein Comeback für Kalb, nachdem er bereits am letzten Spieltag in München eine gute Viertelstunde mittun durfte: 1:0 für die Eintracht in der achten Spielminute, Torschütze ist... Jürgen Kalb!

Hannover sorgt in der Folge mit gelegentlichen Kontern für Gefahr, aber jeden noch so gut gemeinten Schuss der 96er entschärft der sichere Dr. Kunter im Tor der Eintracht. Dr. Kunter hat eine ausgezeichnete Saison gespielt und bestätigt heute noch einmal eindrucksvoll, welch sicherer Rückhalt er für die Hessen ist.

Auf der anderen Seite ist es Torhüter Pauly, der mit glänzenden Paraden einen höheren Rückstand der Niedersachsen verhindert. Hervorzuheben ist sicher noch der tapfere Verteidiger Stiller, der Jürgen Grabowski einen großen Kampf liefert.

Das nächste Tor erzielen aber wieder die Hessen. In der 59. Minute ist es erneut Jürgen Kalb, der ein Tor für seine Farben schießt. Der sicherste Elfmeterschütze der Eintracht verwandelt auch seinen sechsten Strafstoß in dieser Saison unhaltbar.

Der in der 59. Minute unter dem Jubel der Zuschauer eingewechselte Bernd Hölzenbein, gefällt nicht nur durch sein keckes Spiel, er bereitet auch das dritte Tor für die Eintracht vor. Seine Flanke netzt Ender Konca, der in der zweiten Hälfte nachgelassen hat, in der 74. Minute per Kopf ein.

Bernd Hölzenbein muss später Willi Reimanns Gegentreffer auf seine Kappe nehmen. Der beste Hannoveraner, den Lutz heute nie richtig in den Griff bekommt, trifft in der 90. Minute zum 1:3. Für Hölzenbein gilt: Ein Stürmer hat im eigenen Strafraum nichts zu suchen...

Was Reimann auf Seite der Niedersachsen ist, das ist Thomas Parits auf Seiten der Hessen. Parits ist ausgesprochen agil, doch seine Anstrengungen werden im Gegensatz zu Reimann nicht angemessen belohnt. Ausgesprochenes Pech hat Parits, als der von ihm geschossene Ball an die Innenkante des Pfostens geht und wieder ins Feld zurückspringt.

Dennoch lobt Ribbeck nach der Partie seinen österreichischen Nationalspieler, der bereits im Länderspiel besonders glänzen konnte: „Parits war heute sehr stark. Ich denke, dass wir nun den UEFA-Cup schaffen.“ Sein Kollege Hipp, der die Hannoveraner als neuer Trainer vor dem Abstieg bewahren und seinen ersten Sieg im ersten Spiel unter seiner Regie gegen die Eintracht feiern konnte, ist dagegen froh, „dass die Saison zu Ende geht, meine Mannschaft hat nichts mehr drauf.“

Die Eintracht verdrängt die Hertha, die zu Hause nicht über ein Unentschieden gegen den Zwangsabsteiger Bielefeld hinauskommt, dank der besseren Tordifferenz vom begehrten fünften Platz. Die Hertha muss zudem im Zuge der Aufarbeitung des Manipulationsskandals aus der letzten Saison zum Saisonende auf gesperrte Spieler verzichten. Hannover bleibt auf Rang sechzehn, kann jedoch nicht mehr absteigen. (rs)

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