SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt

Bundesliga 1999/2000 - 17. Spieltag

3:0 (1:0)

Termin: Sa 18.12.1999 15:30
Zuschauer: 22.500
Schiedsrichter: Albrecht (Kaufbeuren)
Tore: 1:0 Leandro Fonseca (9.), 2:0 Rainer Scharinger (48.), 3:0 David Allen Zdrilic (69.)

>> Spielbericht <<

SSV Ulm 1846 Eintracht Frankfurt

     

  • Philipp Laux
  • Leandro Fonseca
  • Rui Marques
  • Joachim Stadler
  • Bernd Maier
  • Oliver Otto
  • Oliver Unsöld
  • Tamas Bodog
  • Hans van de Haar
  • Janusz Gora
  • Janos Radoki

 

 

Wechsel

  • Rainer Scharinger für Oliver Otto (46.)
    David Allen Zdrilic für Hans van de Haar (51.)
    Markus Pleuler für Leandro Fonseca (86.)

Wechsel

Trainer

Trainer

Der Feuerwehrmann ist ausgebrannt


Jörg Berger

Pressekonferenz vor dem letzten Hinrundenspiel, der Raum ist überfüllt. "Ich weiß, warum Sie alle hier sind“, sagt Jörg Berger tapfer, der auch nach der fünften Niederlage in Folge noch auf der Trainerbank der Eintracht sitzt. Doch ein klares Bekenntnis zu Berger gibt es von Präsident Heller inzwischen nicht mehr. So flüchtet sich der Feuerwehrmann in die inzwischen bekannten Phrasen: “Die Mannschaft ist willig, sie ist nicht zusammengebrochen und es ist auch nicht so, dass es nicht stimmt in der Mannschaft.“ Das mag so sein, doch Rückkehrer Thomas Sobotzik bringt es auf den Punkt: "Die Stärke einer Mannschaft liest man immer an der Tabelle ab."

"Wir schauen nach vorn. Wir müssen in Ulm gewinnen, um nicht schon den Anschluss zu verlieren. Irgendwann kommt das Glück auch wieder zurück", meint der Trainer am Ende der Pressekonferenz. Erzwingen will er dies mit einer gegenüber der Heimniederlage gegen Leverkusen auf zwei Positionen veränderten Mannschaft. Salou stürmt wieder anstelle von Yang neben Fjørtoft, zudem rückt Schur für Kutschera in die Innenverteidigung. Auf der rechten Seite spielt Zampach.

“Jörg Berger ist einer der besten Trainer, die wir je hatten“, sagt Ulms Pressechef Braun über den 55-Jährigen, der bis 1981 die Spatzen trainierte. Ob der Schweizer Martin Andermatt der Allerbeste ist, wird er nicht gefragt. Doch nach zuletzt zwei Siegen gegen Kaiserslautern und in Wolfsburg ist die Euphorie wieder zurückgekehrt beim Aufsteiger, der vor zwei Jahren noch in der Regionalliga kickte und sein Team nur punktuell verstärken konnte. "Wir haben gezeigt, dass wir zu gutem Fußball in der Lage sind, aber wir waren zu brav", sagt Andermatt, der sein Team in den letzten Wochen mächtig zusammengestaucht hatte. Und 16 Punkte geben ihm recht, doch der Trainer schiebt nach: "An unserer Ausgangslage hat sich nicht viel geändert, aber mit einem Erfolg gegen Frankfurt könnten wir uns allen das schönste Geschenk machen."

Gelingen soll dies mit der gleichen Mannschaft, die 2:1 in Wolfsburg gewann, aus einer massierten Vierer-Abwehrkette, ergänzt mit Otto im defensiven Mittelfeld. Im Sturm spielen der 24jährige Brasilianer “Leandro“ Fonseca und der von den eigenen Fans zu Beginn der Saison noch heftig ausgepfiffene Niederländer van de Haar, der inzwischen jedoch vier Tore geschossen hat.

Die Zeichen für ein Kampfspiel stehen gut, denn nach stundenlangem Regen ist der Rasen tief und aufgeweicht im Donaustadion. So gibt es von Beginn an viele Zweikämpfe im Mittelfeld, Ulm versucht, durch die Mitte zu Torchancen zu kommen, doch Rasiejewski hat Spielmacher Gora gut im Griff. Mehr Mühe hat Schur mit dem schnellen Leandro, der ihm in der 7. Spielminute erstmals entwischt. Ein kurzer Haken und der 24jährige Brasilianer knallt das Leder von der Strafraumgrenze auf den Kasten von Torhüter Nikolov. Doch Oka kann den Ball reaktionsschnell über die Latte lenken.

Zwei Minuten später gibt es Freistoß für den Aufsteiger, nachdem Rasiejewski Gora vor dem Strafraum gefoult haben soll. Leandro schnappt sich das Leder, schaut sich um und zirkelt das Leder aus dem Stand über die Mauer ins Netz. Das 1:0 für Ulm (9.).

Erneut rennen die Adler einem Rückstand hinterher, angetrieben von Sobotzik und immer wieder Kracht, den es nicht mehr in der eigenen Hälfte hält. Doch es fehlen die Anspielstationen, denn Maier und Unsöld helfen in der Abwehr aus und schalten Gebhardt und Zampach auf den Außenbahnen fast komplett aus. Salou hingegen trabt lustlos vor der Abwehrkette umher, anspielbar ist er ebenso wenig wie Fjørtoft, der sich immerhin bemüht, ins Spiel zu finden. So ergeben sich Chancen für die Adler nur aus Standardsituationen. Die 20. Spielminute, es gibt Eckball für die Eintracht. Das Leder fliegt hoch in den Strafraum, Kracht steigt hoch und trifft den Ball, Torhüter Laux ist geschlagen aber Radoki kann den Ball reaktionsschnell von der Linie schlagen.

Die Adler bemühen sich weiter, aber der Aufsteiger steht kompakt und lässt das Leder bei Ballbesitz viel zu gut laufen. Dann eben mit Gewalt! Erneut kommt Kracht nach einem Freistoß an den Ball, haut ihn aber aus über 20 Metern knapp am rechten Pfosten vorbei (26.). Und fünf Minuten später ist es erneut der 32jährige, der nach einer Ecke Torhüter Laux prüft. Doch ansonsten herrscht komplette Sturmflaute, die Noten des Kicker-Sportmagazins für Salou und Fjørtoft sprechen Bände: 6 und 5,5.

So geht es mit dem enttäuschenden 1:0 für Ulm in die Pause. Trainer Berger reagiert und bringt Yang für Salou, bei Ulm kommt Scharinger für den angeschlagenen Otto. Doch es ändert sich nicht viel am Spiel, Ulm kontrolliert den Ball im Mittelfeld. Dann die 48. Spielminute, Gora setzt sich im Mittelfeld gegen Rasiejewski durch und spielt das Leder genau in den Lauf des aufgerückten Scharinger. Der zögert nicht und knallt den Ball aus 18 Metern einfach ins Netz. Zum 2:0 für Ulm.

Immerhin, die Eintracht gibt sich trotz aller spielerischen Mängel noch nicht geschlagen. Kurz nach der Führung setzt sich Guié-Mien auf Halbrechts gegen Stadler im Strafraum durch und schießt. Aber Torhüter Laux reagiert blitzschnell und kann parieren. Trainer Berger setzt nun alles auf eine Karte und bringt in der 57. Spielminute Dombi für Zampach, vier Minuten später kommt Westerthaler für den ebenfalls enttäuschenden Fjørtoft. Die Eintracht verstärkt ihre Angriffsbemühungen, doch all dies wirkt ungeordnet, wie eine unkoordinierte Suche nach dem von Berger „eingefordertem“ Glück, während der Gästeblock immer unruhiger wird.

Ulm lässt sich von den ungestümen Angriffen der Adler hingegen nicht aus dem Konzept bringen und lauert auf Konter. So in der 69. Spielminute, der Ball wird abgefangen und kommt zu Leandro im Mittelfeld, der sofort lossprintet. Dann ein langer Pass auf den für van de Haar gekommenen Zdrilic. Der Australier läuft in den Strafraum, umkurvt den hinausstürzenden Oka Nikolov und schiebt das Leder ins verwaiste Netz. Das 3:0 für Ulm.

Nun brechen auf den Rängen und auf dem Rasen alle Dämme. “Wir steigen ab und ihr haut ab“ und “Scheiß Millionäre“ wird lautstark aus dem Gästeblock gerufen, während sich die gerupften Adler auf dem Platz nun völlig aufgeben. Ulm hat genug Chancen, um das Ergebnis noch weiter zu erhöhen, spielt zum Glück aber zu unkonzentriert.

Nach der sechsten Niederlage in Folge haben die Fans endgültig genug und blockieren nach dem Spiel 90 Minuten lang die Ausfahrt für den Mannschaftsbus. 11 Punkte in 17 Spielen und nun 8 Punkte Rückstand auf den Tabellenfünfzehnten Ulm. Das ist zu viel. Für alle. (tr)


Stimmen am Sonntagnachmittag

Die offizielle Pressemitteilung: “Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat sich am Sonntagmittag von Trainer Jörg Berger getrennt. Präsident Rolf Heller erklärte auf einer Pressekonferenz, dass der Club sich aufgrund der aktuellen Tabellensituation dazu entschlossen habe, Berger mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zu entbinden. Wer Nachfolger von Berger wird, ist noch nicht geklärt.“

Jörg Berger: "Es ist jetzt nicht so, dass mich diese Entscheidung überrascht. Dennoch war ich guter Hoffnung gewesen, die Mannschaft da unten herauszubringen, da ich ein klares Konzept habe und die Mannschaft intakt ist. Ich hätte mir gewünscht, dass vor acht Spielen, als erstmals die Trainerfrage akut wurde, ein klares Statement für mich gekommen wäre. Das war nicht der Fall gewesen, deshalb stand ich ständig in den Zeitungen. Nun ist das Buch zu.“

Rolf Heller zur Trainernachfolge: "Ich werde mit meinen Freunden im Präsidium darüber in aller Ruhe nachdenken und bis zum Trainingsbeginn am 5. Januar einen neuen Trainer finden."

Jan-Aage Fjørtoft: ”Mir tut die Entlassung von Jörg Berger fürchterlich leid. Mit ihm ist zu 110 Prozent das fantastische Saisonende verbunden. Die Mannschaft sollte nicht glauben, dass es besser geht, nur weil jetzt ein neuer Trainer kommt."

Felix Magath, der im April in Bremen entlassene Trainer: "Die Eintracht ist ein interessanter Verein mit Perspektiven."

 

>> Spieldaten <<

 

© text, artwork & code by fg