Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart

Bundesliga 2000/2001 - 34. Spieltag

2:1 (2:0)

Termin: Sa 19.05.2001 15:30
Zuschauer: 34.000
Schiedsrichter: Fröhlich (Berlin)
Tore: 1:0 Pawel Kryszalowicz (16.), 2:0 Rolf-Christel Guié-Mien (45.), 2:1 Sean Dundee (62.)

 

Eintracht Frankfurt VfB Stuttgart

 

     

  • Timo Hildebrand
  • Rui Marques
  • Marcelo José Bordon
  • Timo Wenzel
  • Andreas Hinkel
  • Silvio Meißner
  • Zvonimir Soldo
  • Bradley Carnell
  • Krassimir Balakov
  • Adhemar
  • Sean Dundee

 

Wechsel

Wechsel

  • Ioan Viorel Ganea für Adhemar (45.)
  • Pablo Thiam für Bradley Carnell (45.)
  • Christian Tiffert für Silvio Meißner (75.)

Trainer

  • Friedel Rausch

Trainer

 

 

Kehraus in Frankfurt

Personalkarussell auf und neben dem Rasen: Dohmen geht, Rausch bleibt, Andermatt kommt

Nachdem Friedel Rausch das Angebot der Eintracht annimmt, künftig als sportlicher Leiter zu arbeiten, kann die Eintracht knapp 24 Stunden nach dem Abstieg in Wolfsburg den neuen Trainer für die neue Saison in der Zweiten Liga präsentieren. Der 39 Jahre alte Schweizer Martin Andermatt, der zuletzt in Ulm und beim schweizerischen Zweitligisten FC Wil gearbeitet hat, unterschreibt einen Zweijahresvertrag und wird sich sofort in die Arbeit stürzen: "Ich werde viele Gespräche führen, um mir ein Bild des Kaders zu machen und um zu entscheiden, wer gehen soll und wen ich behalten will. Zudem habe ich bereits eine Palette von möglichen neuen Spielern ins Auge gefasst."

So hat Sportdirektor Dohmen in dieser Woche die Aufgabe, sieben Spielern mitzuteilen, dass ihnen kein neues Angebot gemacht bzw. ihnen nahegelegt wird, sich einen anderen Verein zu suchen. Neben Heldt, Kutschera, Sobotzik, Lösch, Deißenberger und Schmitt befindet sich auch Kapitän Kracht auf der Abschussliste, was diesen sehr verärgert: "Vorige Woche sah es noch anders aus. Da bin ich gefragt worden, ob ich auch in der Zweiten Liga bereit wäre, weiter zu machen. Ich habe erklärt, dass ich nicht gedenke, von meiner Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen und den Schwanz einzuziehen, nachdem ich die Sache mit verbockt habe."

Doch auch intern soll es, wie bereits nach dem Spiel in Wolfsburg angekündigt, personelle Konsequenzen geben. "In jedem Desaster besteht auch die Chance für einen Neuanfang. Die Dinge müssen nun nicht nur im kosmetischen Bereich verändert werden, jetzt muss über jede einzelne Position diskutiert werden", meint etwa Präsident Peter Fischer, während der Aufsichtsratsvorsitzende Gödel konkret Vorstandschef Jedlicki und Sportdirektor Dohmen kritisierte. Freitagnacht ist es dann soweit, Reinhard Gödel tritt vor die Presse und verkündet: "Wir glauben, dass er sehr viel für uns getan hat. Wir glauben aber auch, dass es Zeit für einen Schnitt ist." Rolf Dohmen wird mit sofortiger Wirkung entlassen. Steven Jedlicki bleibt indessen Vorstandschef, ihm soll jedoch ein neuer Sportvorstand an die Seite gestellt werden.

Ziel in der kommenden Saison ist in jedem Fall der direkte Wiederaufstieg, denn bereits jetzt sind 38 der 50 Millionen Mark, die Octagon investierte, ausgegeben worden. Immerhin ist trotz der veränderten Rahmenbedingungen mit einem um ca. 30 Millionen Mark reduzierten Etat für die kommende Saison die Lizenz nicht gefährdet, erläutert Finanzvorstand Dr. Pröckl: "Wir haben von unserer Hausbank einen Kreditrahmen erhalten. Diese Unterlagen werden wir in den nächsten Tagen dem DFB vorlegen und damit die Auflagen des Verbandes erfüllen."


Zurück zum Sport, …

… obwohl dieses Spiel nur noch die Abschiedsvorstellung in der ersten Liga ist. Auch für den VfB Stuttgart geht es um nichts mehr, nachdem niemand anders als der Ende Januar bei der Eintracht entlassene Felix Magath den Klassenerhalt der Schwaben im letzten Spiel gegen Schalke 04 sichern konnte. So versichert Trainer Rausch immerhin: "Wir wollen versuchen, uns vernünftig zu verabschieden." Und zwar mit der für den Trainer aktuell stärksten Mannschaft, auch wenn einige der Spieler den Verein mit Sicherheit verlassen werden. So spielt Berntsen anstelle des angeschlagenen Bindewald in der Abwehr neben Kracht und Wimmer, der Rada ersetzt. Guié-Mien rückt dafür auf die rechte Außenbahn. Komplettiert wird das Mittelfeld mit Mutzel, Heldt, Preuß sowie Gemiti und im Sturm spielen zum Abschied Kryszalowicz und Reichenberger.

Blumen zum Abschied wird es für die scheidenden Spieler diesmal jedoch nicht geben, sagt der Trainer: "Zum einen legen die Spieler darauf keinen Wert, zum anderen schmeißen uns die Fans womöglich die Blumen wieder zurück, so wie sie in Wolfsburg auch die Trikots zurück geworfen haben". Angst vor den Fans brauchen die Spieler aber nicht zu haben, betont Fansprecher Andreas Hornung: "Es herrscht keine Wut mehr, nur noch Resignation."

Genugtuung herrscht indes bei Felix Magath: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das vor einem Jahr war, als die Eintracht gegen den SSV Ulm spielte und ich weiß, wie hoch die Nervenbelastung für mich und die Spieler gewesen ist. Insofern bin ich erleichtert darüber, dass es heute für beide um nichts mehr geht." Verärgert reagiert er hingegen auf die Frage, ob er sich für den Abstieg der Frankfurter mitverantwortlich fühle: "Das ist doch nicht Ihr Ernst diese Frage. Das kann ich doch nicht glauben. Ich habe sehr viel investiert in die Eintracht, deswegen war ich auch so maßlos enttäuscht im Januar bei der Entlassung. Und selbstverständlich glaube ich, dass die Eintracht mit mir drin geblieben wäre. Man hat sich aber anders entschieden. Und wenn andere entscheiden, dann sollen sie gefälligst auch die Verantwortung dafür übernehmen. Etwa dafür, dass Rolf Dohmen zum Trainer gemacht wurde."

Verantwortlich ist er hingegen für die Aufstellung der Schwaben, die mit den zwei Spitzen Adhemar und Dundee vor Spielmacher Balakov beginnen, um den sich Mutzel kümmern soll. Wenzel, Meißner, Hinkel und Soldo, der vor der Abwehr spielt, komplettieren das Mittelfeld.

"Die sogenannten Fans grüßen die sogenannte Mannschaft", "Glückwunsch, selber schuld!" und hunderte weiße Kreuze mit den Namen von Spielern und Verantwortlichen heißen die Mannschaft von der Gegentribüne und dem G-Block aus herzlich zum Bundesligaabgesang willkommen. Auch während des Spiels werden ständig neue Transparente mit wechselndem Text, aber weitgehend gleichen Inhalten hochgehalten: "2. Liga, wir sind da. Ohne Ausstiegsklausel." Währenddessen versuchen die Frankfurter auf dem Platz, sich wenigstens mit einem guten Spiel aus der Liga zu verabschieden. Da die Schwaben bereits in der Anfangsphase auf Sommerfußball umgestellt haben, bestimmen die Adler weitgehend das Spiel und kommen bereits in der 5. Spielminute zu einer guten Chance durch Heldt, dessen Freistoß knapp über die Latte streicht.

Dann die 16. Spielminute, Heldt dribbelt sich gegen drei Abwehrspieler in den Strafraum, um den Ball prima quer für Kryszalowicz aufzulegen. Der hat aus acht Metern keine Mühe, Torhüter Hildebrand mit einem satten Schuss zum 1:0 für die Eintracht zu überwinden. Nun gibt es ein wenig Gegenwind von den Stuttgartern, die ohne körperlichen Einsatz, dafür aber mit technischen Spielereien versuchen, zu Torgelegenheiten zu kommen. So versucht sich Soldo einfach mal mit einem Heber aus über zwanzig Metern gegen den zu weit vor seinem Kasten stehenden Heinen, doch der Ball geht knapp über die Latte (21.). Knapp zehn Minuten später scheitert Meißner nach Zuspiel von Soldo mit seinem Schuss aus 20 Metern, scheitert diesmal jedoch am glänzend parierenden Torhüter Heinen.

So dümpelt das belanglose Spiel bis zur 45. Spielminute vor sich hin. Und noch einmal kann sich Heldt auf halblinks in den Strafraum dribbeln. Diesmal legt er zurück auf Guié-Mien, der aus 18 Metern draufhält. Carnell fälscht die Kugel ab, so dass sie unhaltbar für Torhüter Hildebrand zum 2:0 im Netz landet.

Zur zweiten Halbzeit kommen bei Stuttgart Thiam sowie Ganea für Carnell und Adhemar. Die Schwaben versuchen nun, druckvoller zu spielen. Doch die nächste Chance hat die Eintracht über Guié-Mien, der aus spitzem Winkel Torhüter Hildebrand mit einem Heber überwinden will. Der Ball landet jedoch auf der Latte und springt von da ins Toraus (53.). Kurz darauf wird es jedoch auch für Heinen gefährlich, als Hinkel zwei Frankfurter ausspielt und aus zwölf Metern abzieht. Doch im Nachfassen bekommt Heinen den Ball unter Kontrolle (55.). Danach verabschiedet sich Heldt und bekommt tatsächlich höflichen Applaus von den Rängen. "Ich habe den Leuten noch mal gezeigt, dass ich vielleicht doch nicht so schlecht bin, wie ich gemacht wurde. Ich bin froh mit dem versöhnlichen Abschluss mit den Fans, denn wie die mit der Eintracht leiden, das gibt es nicht noch mal." Für Heldt kommt Albert Streit zu seinem vierten Bundesligaeinsatz (60.).

Zwei Minuten später gibt es Freistoß für Stuttgart aus zentraler Position. Balakov hämmert das Leder an den rechten Innenpfosten, von wo aus es ins Feld zurückspringt. Soldo ist zuerst am Ball und flankt den Ball zu Dundee, der keine Mühe hat, ihn aus drei Metern über die Linie zu drücken. Zum 1:2-Anschlußtreffer für den VfB (62.). Die Schwaben drängen nun auf den Ausgleich, doch so eröffnet sich der Eintracht noch einmal eine Konterchance. Kryszalowicz bekommt das Leder im Halbfeld, umspielt Bordon und zieht aus 18 Metern ab, Torhüter Hildebrand kann jedoch parieren (70.). Die letzte Chance in diesem Spiel hat Balakow, der nach einem schönen Pass aus dem Halbfeld plötzlich frei am Elfmeterpunkt auftaucht, aber mit seinem Schlenzer an Torhüter Heinen scheitert.

Danach können sich Spieler und Zuschauer auf die spannende Meisterfrage konzentrieren. Schalke führt gegen den nun fest stehenden dritten Absteiger Unterhaching mit 5:2 und kann knapp fünf Minuten lang von der Meisterschaft träumen, nachdem Barbarez den HSV in der 90. Spielminute mit 1:0 gegen Bayern München in Führung bringt. Das Spiel im Parkstadion ist beendet und die Fans liegen sich bereits in den Armen, doch in Hamburg läuft noch die Nachspielzeit. Nach 4:38 Minuten entscheidet Schiedsrichter Merk nach einem vermeintlichen Rückpass auf Torhüter Schober auf indirekten Freistoß für die Bayern. Anderssen trifft auf Vorlage von Effenberg zum 1:1 und kürt die Bayern zum 17. Mal zum Meister, während sich die Schalker nun "Meister der Herzen" nennen dürfen. (tr)


Stimmen zum Spiel

Friedel Rausch: "Ich bin froh, dass wir uns einigermaßen anständig aus der Liga verabschiedet haben. Wir haben kämpferisch überzeugt und unsere Fans waren erstklassig."

Martin Andermatt: "Es war wichtig, dass die Mannschaft mit diesem Sieg Charakter gezeigt hat. Damit hat sie für eine gewisse positive Grundstimmung gesorgt, die sich auf die Ränge übertragen hat. Auch das Verhalten der Fans hat mir gefallen. Sie haben ihre Emotionen nicht negativ ausgelebt. Ich habe heute gesehen, dass eine große Verantwortung gegenüber den Fans da sein muss. Daher erwarte ich von den Spielern, die in der nächsten Saison für die Eintracht spielen, dass sie sich vor dieser Verantwortung nicht scheuen".


Bundesligasplitter

Immerhin drei Punkte mehr als bei ihrem ersten Abstieg in der Saison 1995/96 holte die Eintracht in der abgelaufenen Saison. Dafür war das Torverhältnis mit 41:68 genauso schlecht wie beim ersten Abstieg (43:68 Tore).

Trotz der völlig missratenen Saison konnte die Eintracht in der abgelaufenen Saison einen Zuschauerschnitt von 28.964 erzielen und liegt damit auf dem neunten Platz in der Zuschauergunst. Wie bereits im Vorjahr ist Dortmund Spitzenreiter mit einem Schnitt von 61.318 Zuschauern.

Durchschnitt sind die Frankfurter mit 27% auch bei der Chancenverwertung, bei der Anzahl der erspielten Torchancen liegen sie jedoch mit 152 Möglichkeiten abgeschlagen auf Rang 18. Dortmund und die Bayern hatten jeweils 238 Torchancen und selbst Bochum brachte es auf 162.

Torschützenkönige wurden Sergej Barbarez (HSV) und Ebbe Sand (Schalke) mit jeweils 22 Toren. Bester Torschütze bei den Adlern war Kryszalowicz mit 7 Treffern, gefolgt von Reichenberger (6) und Heldt (5, davon 4 durch Elfmeter). Horst Heldt wurde immerhin bester Torvorbereiter der Liga (12 Tore), gefolgt von Miriuta, Möller, Mpenza und Salihamidzic (jeweils 11). Spitze sind die Adler auch bei der Anzahl der eingesetzten Spieler in der Saison. 35 Spieler waren es bei der Eintracht, wohingegen Schalke lediglich 23 Spieler benötigte.

Den besten Notenschnitt des kicker-Sportmagazins erhielt in der vergangenen Saison Oliver Kahn mit 2,75 gefolgt von Pieckenhagen und Rost. Als achtbester Spieler der Liga erhielt Dirk Heinen mit 2,9 den höchsten Notenschnitt aller Eintrachtspieler. Den schlechtesten Schnitt aller Adler mit mehr als zehn Einsätzen erzielten Sobotzik (4,53 / 22 Spiele), Lösch (4,46 / 15 Spiele), Rada (4,41 / 11 Spiele) und Bindewald (4,38 / 14 Spiele).

 

>> Spieldaten <<

 

© text, artwork & code by fg