"Balkanwirren im Nordkreis"

1912
1913


Clubhaus u. Eingang zum Spielplatz des FFV
Am 8. September feiert der FFV die Einweihung der neuen Spielplatzanlage an der Roseggerstraße, die mit ihren Fußballplätzen, der Aschenbahn, dem Vereinsheim und einer Tribüne zu "Recht als die schönste im ganzen Umkreise gilt". Aus diesem Anlass gibt es ein Freundschaftsspiel gegen den holländischen Meister Quick Den Haag, das 2:2 endet.

Als Spielführer des FFV für die neue Saison der auf acht Mannschaften reduzierten Liga-Klasse, der obersten Spielklasse des Nordkreises, fungiert Dr. Claus. Am 22. September 1912 bringt der 1. Spieltag ein 4:0 gegen den SV Wiesbaden, und auch in den weiteren 13 Spielen gibt es keine Niederlage und nur zwei Unentschieden. Dass der FFV, der seinen Nordkreis-Titel damit sportlich souverän verteidigt, in der Endabrechnung dennoch nur 24:4 Punkte aufweist, liegt an dem, was in der Vereins-Zeitung treffend als "Balkanwirren im Nordkreis" bezeichnet wird.

Zum Eklat kommt es bereits am 2. Spieltag beim 2:0-Sieg im Derby gegen den FSV. Aufgeheizt wird das Klima durch den Ausschluss der FSV-Neuzugänge Fritz Stier und Heini Kuch, beide vorher Britannia Frankfurt, aus dem Süddeutschen Verband bereits vor Saisonbeginn, denen 'Berufsspielertum' vorgeworfen wird. Die Bornheimer sind überzeugt, dass der FFV-Vorsitzende Hetebrügge, gleichzeitig auch Vorsitzender des Nordkreises, dafür verantwortlich sei. In der zweiten Halbzeit gerät die Partie nach einem Elfmeter für den FFV und einem Platzverweis für einen FSV-Spieler zur üblen Treterei, etliche Spieler tragen Verletzungen davon.


Inserat in der "Süddeutschen Sportzeitung"

Weiter geht die Schlammschlacht abseits der Plätze im November. Weil für FFV-Neuzugang Fritz Weicz, der vom für ein Jahr vom Spielbetrieb ausgeschlossenen FV Amicitia und 1902 kam, keine Spielgenehmigung vorliegt, sperrt die Südmaingaubehörde am 15. November den FFV für vier Monate, wogegen der FFV Widerspruch einlegt. Zwei Tage später folgt ein Spielabbruch nach Ausschreitungen der Offenbacher Zuschauer im Spiel Kickers gegen FFV. Gegen die Wertung des 2:1-Siegs des FFV legt der OFC Protest ein, der Ende Februar 1913 verworfen wird. Notiz am Rande: Erst kurz vor Ende der Hinrunde erhält der Frankfurter Verein Germania 94 als achter Club die Spielberechtigung für die Liga-Klasse des Nordkreises und darf alle Begegnungen nachholen.


Der Nordkreismeister 1912/13

Letztlich ist der Einspruch des FFV gegen die viermonatige Sperre erfolgreich, die Nordkreisbehörde hebt das Urteil auf, der Süddeutsche Fußballverband bestätigt dies letztinstanzlich, nachdem einige Vereine der Liga versucht hatten, die Revision der Sperre zu verhindern. Lediglich das erste Saisonspiel des FFV gegen des SV Wiesbaden wird als verloren gewertet. Auch den FSV, für viele FFV-Mitglieder Drahtzieher dieser Affäre, trifft der Bannstrahl der Fußballfunktionäre: Anfang Januar wird dessen erste Mannschaft auf Grund der Vorkommnisse vom 2. Spieltag für drei Monate gesperrt. Aber auch hier verhindert ein erfolgreicher Einspruch die komplette Wettbewerbsverzerrung.

Am 2. Februar 1913 schließt der FFV die Nordkreis-Runde ungeschlagen als Meister ab. Aufgrund "schwebender Proteste" kann allerdings das erste Spiel in der Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft gegen die SpVgg. Fürth nicht ausgetragen werden, da die Meisterschaft offiziell noch nicht anerkannt ist. Trotzdem tritt man gegen die Fürther an - allerdings in einem 'Privatspiel', das 2:5 verloren geht. Hetebrügge tritt als Vereinsvorsitzender zurück, sein Nachfolger wird Emil Flassbarth. Nachdem alle Proteste abgewiesen sind, schlägt sich der FFV in der Endrunde ausgezeichnet. Im letzten Spiel gegen die Stuttgarter Kickers kommt es sogar zu einem echten Endspiel, allerdings ohne Mittelstürmer Weicz, der nach dem ersten Spiel gegen die SpVgg. Fürth in Franken bleibt. Optimistisch fährt man nach Stuttgart, doch das Glück ist auf Seite der Schwaben, die mit 1:0 gewinnen und als Süddeutscher Meister in die Zwischenrunde um die Deutsche Meisterschaft einziehen.

 

 

 
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© text by fg