Fußball in Zeiten der Inflation |
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| 1922 |
Das primäre Ziel für diese Saison ist klar definiert: Da für die nächste Spielzeit die Bezirksliga Main geplant ist, für die sich nur die vier besten Mannschaften der Kreisliga Nordmain im Mainbezirk qualifizieren, ist eine Platzierung unter den besten vier Mannschaften quasi Pflicht. Und während der Spielzeit lässt die Eintracht nie Zweifel aufkommen, dass sie auch künftig in der höchsten Spielklasse vertreten sein wird. Zwar folgt nach Siegen zu Beginn der Saison gegen Hanau 93 (3:1) und Germania 94 (3:2) eine Niederlage beim VfR 01 Frankfurt (1:2), aber trotzdem stehen die Riederwälder nie schlechter als auf dem vierten Platz. Dass es letztlich mit 17:11 Punkten und 29:23 Toren nur für den dritten Rang mit vier Punkten Abstand auf den Meister FSV und zwei auf Helvetia Frankfurt reicht, ist vor allem auf unnötige Punktverluste gegen die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte zurückzuführen: Sieben der elf Minuspunkte resultieren aus Spielen gegen Vereine, die den Sprung in die Mainbezirksliga verpassen.
Im Laufe der weiteren Saison bedeutet ein 5:6 bei Kickers Offenbach das frühe Aus im Süddeutschen Pokal. Fast schon traditionell finden zudem zahlreiche Freundschaftsspiele statt, unter anderem bei Ajax Amsterdam (2:3), gegen die jetzt von Dori Kürschner, dem Eintrachttrainer der vergangenen Saison, betreute Mannschaft des Nordstern Basel (1:1) sowie gegen Hakoah Wien (0:0). Den sportlichen Wert dieses Unentschiedens gegen die Österreicher unterstreicht die Tatsache, dass es Hakoah im Jahr 1923 als erste Mannschaft des europäischen Kontinents gelingt, mit West Ham United eine britische Mannschaft in England zu besiegen.
Während sportlich alles in geordneten Bahnen verläuft, herrschen gesellschaftlich und wirtschaftlich unruhige Zeiten. Die Handlungsfähigkeit des Vereins wird stark durch die Geldentwertung eingeschränkt, die ihren Ausgangspunkt in der Finanzierung des Ersten Weltkriegs hat, als die Verpflichtung der Reichsbank, den Gegenwert des im Umlauf befindlichen Geldes mit Metall beziehungsweise Gold abzudecken, aufgehoben wurde. Nach der Novemberrevolution 1918 verpflichtete der Friedensvertrag von Versailles 1919 Deutschland dann zu Reparationszahlungen an die Siegermächte. Im Oktober 1922 hat die Mark nur noch ein Tausendstel ihres Wertes vom August 1914, bis schließlich im November 1923 unmittelbar vor der Währungsreform und der Einführung der Rentenmark der Dollar 4,2 Billionen Mark kostet. An Investitionen in Personal zur Betreuung der Sportler, die Pflege der bestehenden Anlagen oder gar neue Sportstätten ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht zu denken.
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© text by fg