Heller, Patella und der Mann aus Einöd

1996
1997


Der Schweizer Urs Güntensperger soll
für Tore Sorgen
Ausgelöst durch den Sturz in die Zweitklassigkeit dreht sich das Personalkarussell bei der SGE auf höchsten Touren: Das nach dem Ausscheiden von Ohms vakante Amt des Präsidenten übernimmt vorübergehend der Verwaltungsratsvorsitzende Dieter Lindner. Wolfgang Knispel wird kommissarisch Nachfolger von Joachim Erbs als Schatzmeister und soll dafür sorgen, den vom DFB für die Erteilung der Lizenz geforderten Transferüberschuss von 7,5 Millionen Mark zu erzielen. Entsprechend wird die Mannschaft komplett umgekrempelt. Mit Binz, Böhme, Doll, Falkenmayer, Hagner, Köpke, Mornar, Okocha, Rauffmann, Schupp und Zelic verlassen etliche langjährige Eintrachtler, aber auch teuer bezahlte Fehleinkäufe den Riederwald. Für neue Spieler steht aufgrund der prekären finanziellen Situation allerdings kaum Geld zur Verfügung. Zwar kehrt Gaudino nach seiner Ausleihe aus Mexiko an den Main zurück, ansonsten lösen Namen wie Urs Güntensperger, Michael Guht, Zvezdan Pejović oder Marco Rossi bei den Fans eher fragende Blicke denn Begeisterung aus.

Dennoch gelingt Start in die ‚Holzklasse‘ mit zehn Punkten in den ersten vier Spielen hervorragend. Doch dann sorgen das blamable Aus im DFB-Pokal in Meppen (1:6), eine 0:1-Heimniederlage gegen denselben Gegner und sechs weitere Ligaspiele ohne Sieg für ein Ende aller Träume vom direkten Wiederaufstieg. Im Gegenteil: Die Eintracht gerät in bedrohliche Nähe zu den Abstiegsrängen.


Präsident Rolf Heller und Mirko Dickhaut

Im Oktober übernimmt nach langer Suche das Gespann Hans-Joachim Otto als Präsident und Bernd Thate als Schatzmeister das Ruder in der Führungsetage, tritt aber nur wenige Wochen später bereits wieder zurück. Auch Bernd Hölzenbein verlässt die Eintracht, sein Vertrag als Manager wird nicht verlängert. Am 11. November schließlich wird mit Rolf Heller ein neuer Präsident vorgestellt, das undankbare Amt des Schatzmeisters geht an Gaetano Patella.


Bringt die Eintracht
wieder in die Spur:
Horst Ehrmantraut

Um die sportliche Talfahrt zu bremsen, werden noch im Dezember Petar Houbchev und Olaf Janssen verpflichtet. Doch der letzte Spieltag der Hinrunde bringt eine Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Oldenburg (2:3), die das Abstürzen auf den Abstiegsplatz 15 mit gerade einmal 19 Punkten und das Ende von Stepanovićs Amtszeit in Frankfurt bedeutet.

Sein Nachfolger als Coach wird der ehemalige Eintracht-Spieler Horst Ehrmantraut, der in der Spielzeit 79/80 zum Kader des UEFA-Cup-Gewinners gehörte. Von Seiten der Fans wird diese Trainerentscheidung mit Skepsis betrachtet, viele hätten lieber den Anfang der Saison als Spieler reaktivierten Rudi Bommer, der gleichzeitig die Rolle eines Co-Trainers ausfüllt, als neuen Cheftrainer begrüßt. Auch Bommer selbst ist unzufrieden und beendet noch im Januar '97 seine Arbeit als Trainerassistent und im April seine Karriere als Spieler.

Das Misstrauen der Fans gegenüber Ehrmantraut schwindet mit jedem gewonnenen Punkt und damit schnell: In den ersten acht Rückrundenspielen bleibt die Eintracht unbesiegt. Der Mann aus Einöd schafft es, aus dem nicht von ihm zusammengestellten Kader eine Einheit zu formen, die zwar nicht schön, aber in Anbetracht der Umstände erfolgreich spielt. Auch die Fans zeigen, dass sie trotz allem zu ihrem Verein stehen und sammeln zur Unterstützung des maroden Vereins einen sechsstelligen Betrag. Mit einem Sieg am letzten Spieltag in Oldenburg (3:2) beenden die Riederwälder ihre erste Zweitligasaison mit 48 Punkten auf dem siebten Tabellenplatz.

 

 
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© text by fg