FC Bayern München - Eintracht Frankfurt

Süddeutsche Meisterschaft 1928/29 - 3. Spiel

3:1 (2:0)

 

Termin: 27.01.1929
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Schneider (Offenburg)
Tore: 1:0 Haringer, 2:0 Haringer, 2:1 Walter Dietrich, 3:1 Schmidt II

 

>> Spielbericht <<

FC Bayern München Eintracht Frankfurt

  • Schwab
  • Schmidt I
  • Kutterer
  • Hutsteiner
  • Heidkamp
  • Nagelschmitz
  • Welker
  • Haringer
  • Pöttinger
  • Schmidt II
  • Hofmann

 


 

Trainer
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Bayern München hat sich erholt

Der seit Tagen anhaltende Schneefall ließ starke Zweifel aufkommen, ob es gelingen würde, den Platz an der Grünwalder Straße in spielfähigen Zustand zu versetzen. Dreimal mußte das Spielfeld von den Schneemassen geräumt werden, und die hohen Wälle am Rande des Feldes ließen ahnen, welche Mühe und Arbeit notwendig war, um die Durchführung des Treffens überhaupt zu ermöglichen. Bayernjunioren waren rund um den Platz postiert, mit der Aufgabe betraut, die ausgegangenen Bälle aus den teilweise mannshohen Schneebergen herauszuholen. Scharf heben sich die roten (!) Markierungslinien von den weißen, brendenden Untergrund ab. 10—12 000 Zuschauer standen z. T. im Schnee, der trotz aller Mühe nicht von allen Plätzen weggeräumt werden konnte.

Aus den Berichten des letztsonntäglichen Kampfes Eintracht gegen Klub konnte man den Eindruck gewinnen, daß man das Fell des Bären schon verteilen will, obwohl man das Biest noch gar nicht hat. Schon die Formschwankungen allein, denen alle Mannschaften mehr oder weniger unterliegen, werfen alle Kombinationen über den Haufen. Der heutige Kampf war ein Musterbeispiel dafür. Die Frankfurter, welche am Samstag Abend in München eintrafen und von einigen Vorstandsmitgliedern der Bayern empfangen wurden, mußten leider in letzter Minute auf die Mitwirkung ihres Rechtsaußen Schaller verzichten, der wegen eines Trauerfalles an der Reise verhindert war. Außerdem fehlte noch Maurischat. Bei den Bayern wirkten Pöttinger und Schmidt II wieder mit, doch vermißte man immer noch Goldbrunner, was eine Umgruppierung der Bayernläufer zur Folge hatte.

Die knappe 1:2-Niederlage der Frankfurter gegen Club am vorigen Sonntag ließ von den Gästen viel erwarten. Wenn man die Kritik des letzten Sonntags mit den heutigen Leistungen der Eintracht vergleicht, muß man unbedingt annehmen, daß die Frankfurter gegen die Bayern nicht zu ihrer besten Form aufliefen. Dies gilt besonders vom Angriff, dessen Aktionen teilweise vollkommen planlos durchgeführt wurden. Die wiederholten Umstellungen dieser Reihe ließ erraten, daß die Spieler selbst das Gefühl der Unzulänglichkeit hatten. Es blieb nur Stückwerk, das hier gezeigt wurde.

Die Bayern dagegen trugen ihre Angriffe mit größerer Geschlossenheit vor, waren auch technisch finessenreicher, so daß die Gästeabwehr nichts zu lachen hatte. Der temperamentvolle Kampf ließ die Schwäche der Eintracht bald hervortreten. Die erste Torgelegenheit bester Qualität vergab Schmidt II. Ein schneller Flankenlauf von Hofmann mit abschließendem flachen Paß zur Mitte und Haringer, der energisch nachgegangen war, vollendete mit direktem Schuß in die obere Torecke.

Wenig später schlug Schütz den durchgekommenen Bayernstürmern in der Not den Ball mit der Hand weg, womit eine gefährliche Situation harmlos geklärt wurde, denn der Schiedsrichter hatte das Vergehen (im Strafraum) scheinbar nicht gesehen. Die Frankfurter trugen ihre Angriffe mit großer Schnelligkeit vor, Mitte und Halbrechts verstanden es aber nicht, mehrere schöne Flanken von Kellerhof nutzbringend zu verwerten. Dietrich und Ehmer tauschten nun die Plätze, ohne daß man aber eine Besserung bemerkte. Der Turm in der Schlacht ist Schütz, dessen ausgezeichnetes Spiel restlose Anerkennung verdient. Der erste gesunde Schuß aufs Bayerntor kam von Goldammer, aber Schwab hielt ruhig und sicher. Auch eine Bombe von Kissinger endete in den Händen des Bayernhüters. Die Frankfurter erringen eine leichte Feldüberlegenheit und eine dritte Ecke, aber kein Tor. Wenige Minuten vor der Pause führte eine prächtige Kombination von Mitte bis Linksaußen zu einem gefährlichen Bayernangriff. Die Flanke von Hofmann nahm Pöttinger auf, spielte durch, verlor den Ball und ehe sich Freund und Feind besinnen, war Haringer zur Stelle und der zweite Treffer im Netz.

Nach dem Seitenwechsel haben die Münchner ein klares Uebergewicht. Auf Zuspiel von links erhielt Welker den Ball in bester Position, im Strafraum legte ihn Kirchheim ungestraft. In der allgemeinen Aufregung über dieses Versehen des Spielleiters übersah man fast, daß die Frankfurter schon wieder vor dem Bayerntor waren. Hutsteiner paßte zurück, doch Dietrich spitzelte im Fallen in die Ecke.

Judisch bekam Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Er hielt einige Male ausgezeichnet, hatte aber ausgesprochenes Glück, als ein schwach parierter Schuß von Welker von seinen Händen abglitt, der Ball aber auf der Torlinie liegen blieb, wo Schütz rettete. Die letzte Viertelstunde sieht die Bayemstürmer im energischen Endspurt. Jetzt fühlte man die Entscheidung nahen. Die Frankfurter setzten alles Können ein, um den knappen Vorsprung der Bayern aufzuholen. Bei einem der Münchner Angriffe wehrte Judisch wiederholt gut ab, aber immer wieder folgte ein Nachschuß, bis schließlich Schmidt II das Leder erwischte und den dritten Treffer erzielte, der das Spiel endgültig entschied.

Die Bayern haben durch diesen Sieg über die Eintracht bewiesen, daß die Rothosen noch da sind. Tritt durch Verletzungen keine neue Schwächung der Elf ein, dann wird sie noch manchem Gegner die Punkte abnehmen. Heute war die Abwehr der Bayern gut zu nennen. Kutterer vermochte den körperlich harten Angriffen seiner Gegner durch seine Energie am wirksamsten zu begegnen. Schmidt I hatte den besseren Flügel gegen sich, erfüllte seine Aufgabe aber doch restlos. Schwab im Tor spielte einwandfrei. Absolute Hochachtung nötigt die unglaubliche Energieleistung von Heidkamp als Mittelläufer ab. Gewiß, die Art seiner Taktik und seines Stellungsspiels ließen stark erkennen, daß Heidkamp noch kein überragender Mittelläufer ist, aber sein Wille, das Beste zu geben, ließ ihn eine Leistung vollbringen, die volle Anerkennung verdient. Nagelschmitz, der vor der Pause sehr gut war, ließ gegen Ende etwas nach. Hutsteiner war als Ersatzmann — diesmal rechter Läufer — vollwertig. Im Sturm lag die treibende Kraft auf den beiden Flügeln. Ueberraschend gut spielt diesmal Haringer. Hoffentlich hält dieses Wollen an, das Können ist vorhanden. Pöttinger dirigierte den Angriff gut, darf aber gegen harte Mannschaften nicht so viel Solospiel treiben. Schnelleres Abgeben ist dem Fluß des Angriffes förderlicher. Schmidt II war noch Rekonvaleszent und mühte sich nach Kräften, war aber sichtlich noch schwach auf den Beinen.

Will man die Eintracht kritisieren, so muß man einen Mann mit Abstand vor allen anderen Spielern nennen: den Verteidiger Schütz! Keiner seiner Kameraden erreichte auch nur annähernd seine Klasse und daß die Tordifferenz nur zwei betrug, dafür zeichnet Schütz in erster Linie verantwortlich. Nach ihm ist Goldammer zu nennen, der als Mittelläufer ziemlich restlos zufrieden stellen konnte, aber das Pech hatte, wohl verschiedene Stürmer vor sich zu haben, aber keinen Sturm. Mantel und Kübert ergänzten die Deckungsreihe der Eintracht mit Geschick und Verständnis für die jeweilige Situation. Technisch war Mantel etwas besser als Kübert, dafür spielte letzterer rationeller. Dagegen war der Angriff in seiner Gesamtheit eine große Enttäuschung. Nur die linken Flügelstürmer Kellerhof und Kissinger bildeten zeitweise eine wirkliche Einheit, traten auch persönlich am vorteilhaftesten in Erscheinung, dagegen fehlte es an einem Sturmführer. Weder Ehmer noch Dietrich vermochten diese Aufgabe entsprechend zu bewältigen. Beide habe ich schon wesentlich besser gesehen. Stamm war Ersatz, so daß man ihn nicht für die Sünden der anderen büßen lassen darf. Was die tiefere Ursache des Versagens des Eintrachtsturmes war, weiß ich nicht, man darf aber wohl mit Recht annehmen, daß alle Fünf unter ihrer sonstigen Form spielten. (aus dem 'Kicker', Ausgabe 5 vom 29.01.1929)

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