Berliner SV 92 - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1931/32

1:2 (0:1)

Termin: 18.11.1931
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Röhrbein
Tore: 0:1 Fritz Schaller (30.), 1:1, 1:2 Karl Ehmer

 

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Berliner SV 92 Eintracht Frankfurt

  • Philipp
  • Fuchs
  • Schönherr
  • Gschwind
  • Appel

 


 

Trainer
Trainer

 

Berliner Sonntag

Dieser 18. November 1931, der protestantische Buß- und Bettag, war für den Fußball der Reichshauptstadt

ein kritischer und schwerer Tag erster Ordnung.

Er brachte auf allen wesentlichen Fronten nichts als Niederlagen. Aber wenn die Gemeinde diese Schläge nicht gar so ernst genommen hat, dann trägt in erster Linie der Umstand dazu bei, daß sie durch die Gastspiele der beiden hochklassigen süddeutschen Mannschaften Eintracht-Frankfurt a. Main und 1860 München in einer Weise enthusiasmiert wurde wie schon lange nicht mehr. Es muß auf das höchste bedauert werden, daß Berlin nicht beide Klubs im Rahmen einer nach dem Poststadion zu verlegenden Doppelveranstaltung sehen durfte — ich schreibe ausdrücklich durfte, denn möglich wäre es schon gewesen. In Berliner Blättern konnte man zwar lesen, daß die Münchener sich einer gemeinsamen Veranstaltung widersetzt hätten, aber das war unrichtig, denn 1860 hat mündlich und telephonisch erklärt, daß es selbstverständlich einverstanden gewesen wäre. Möglicherweise kann die Te-Be Aufklärung darüber geben, wie es zu den irreführenden Zeitungsnachrichten gekommen ist. Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, darauf hinzuweisen, daß den Großvereinen über dem nackten Geschäftsinteresse jederzeit die Pflicht der Dankbarkeit stehen sollte gegenüber der Masse, die ihre Veranstaltungen finanziert.

12.000 Zuschauer sahen auf dem musterhaften Preußenplatze am Tempelhofer Feld dem Spiele der

Frankfurter Eintracht gegen den BSV. 92

zu, und wenn der Unterzeichnete zur Pause in die Kabine des süddeutschen Meisters ging, um die Spieler im schwarzroten Dreß wegen ihrer schönen Leistungen zu beglückwünschen, so gab er damit nur der Begeisterung der Berliner Zuschauer Ausdruck, die die Wunder des Kombinationsfußballs und eine pausenlose Demonstration balltechnischer Spitzenleistungen der einzelnen Eintrachtspieler erlebt hatten. Diese elf Leute — ohne die Internationalen Stubb und Mantel — ließen den Ball laufen wie wahrhafte Künstler ihres Fachs. Am laufenden Band ihres bestrickenden flachen Kombinationsfußballs ließen sie eine spielkulturelle Höhe erkennen, die schlechterdings nicht überboten werden kann. Oft ist die Schönheit des Spiels zitiert worden; hier wurde sie Wirklichkeit. Jawohl, so haben wir uns das gedacht -- Klassefußball. Allerdings, auch die ewig Kaltschnäuzigen erhoben ihre Stimme. „Die können halt schon sehr gut spielen, aber was nützt es, wenn sie nicht schießen können?" Nun, Wünsche in dieser Beziehung blieben in der Tat offen, wenn sie auch für die Beurteilung der Gesamtleistung von untergeordneterer Bedeutung waren. So vollendet die Schaller, Trumpler, Ehmer, Möbs und Kellerhoff im Felde den Ball auch führten, — besonders der blonde Trumpler ist in Ballführung und Dribbeln ein Phänomen — so verblüffend und geistreich die Tricks auch waren, mit denen sie immer wieder leicht und mühelos vom tüchtigen Gegner freikamen, so erstaunlich war die Tatsache, daß die Gelegenheit zum Schuß immer wieder verpaßt wurde, daß die Wucht des Abschlusses fehlte. Oft wandelte sich die zweckvolle Kunst des Zusammenspiels zur Künstelei der Zwecklosigkeit. Andernfalls hätte die Eintracht trotz der großartigen Berliner Abwehr Philipp, Fuchs und Schönherr zu mehr als 2 Toren kommen müssen. Von diesen Treffern war dazu nur der erste nach halbstündigem Spiel von Schaller eingeschossene regulär, wenn auch Sekunden vorher Schaller und Ehmer abseit gewesen waren. Der zweite wurde erst kurz vor Schluß erreicht, als Ehmer aus 20 Metern einen direkten Freistoß einschießen konnte, weil Fuchs Trumpler festgehalten hatte. Der BSV. ließ bei diesem an sich glänzenden Schuß die Torecken frei, Ehmer die Sache so sehr erleichternd. Das Tor der Berliner, die in der 2. Halbzeit einen frischen Mittelläufer eingesetzt hatten und immer mehr zum chancenmäßig gleichwertigen Partner wurden, entstand ebenfalls nur aus einem Strafstoß. Mehr gestattete die Abwehr mit dem überragend spielenden Schütz und dem famosen Torwächter Schmidt nicht und die großartige Läuferreihe Gramlich, Leis und Dietrich —von denen besonders der junge Leis ganz hervorragend arbeitete — ließ den guten Sturm des BSV., in dem der frühere Münchener Gschwind sich als Führer von Format entpuppte und in dem der in Hamburg benötigte Rechtsaußen Ballendat sehr fehlte, doch nicht so wirksam werden, wie man es in Berlin wohl erwartet hatte. Allerdings konnte auch die Eintracht in der 2. Hälfte infolge der besser gewordenen Läuferarbeit nicht mehr die glänzende Kombination der Anfangshälfte durchführen und mußte auch dem Gegner starke Angriffe gestatten. Uebrigens brachte die Geschichte mit dem Elfmeter einen recht unnützen und unschönen Zwischenfall. Der Schiedsrichter Röhrbein, der an diesem Tage leider absolut ungenügend war — seine vollkommene Unparteilichkeit steht dabei gar nicht in Zweifel — verhängte den Elfmeter zu Recht, weil Dietrich Appel im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht hatte. Der Elfmeter wurde durch Gschwind getreten und von Schmidt famos gehalten. Da aber Schmidt klar vor der Linie gestanden hatte, wurde die Wiederholung angeordnet — zu Recht. Der liebe Pfeiffer jedoch, seines Zeichens linker Verteidiger und der Schwächste der Eintrachtelf, wollte diese Entscheidung nicht anerkennen. Er forderte Schmidt auf, das Tor zu verlassen. Schmidt tat das natürlich nicht und nun stieß Pfeiffer ostentativ den Ball fort, nachdem ihm der Schiedsrichter vorher gesagt hatte: Ihre Aufforderung ist unsportlich, Herr Pfeiffer Daraufhin mußte Pfeiffer vom Felde. Vielleicht hätte Röhrbein dieses Vergehen bei einem andern Spieler sogar übersehen. Da aber Pfeiffer sich bereits mehrfach durch grobes und unfaires Spiel bemerkbar gemacht hatte und sogar verwarnt war, konnte die Entscheidung nicht anders lauten. Dieses an sich bedauerliche Ereignis wurde aber als störend kaum empfunden, denn die andern 10 Eintrachtspieler benahmen sich fach untadelig.

Abschließend noch einmal die Feststellung, daß die Eintracht im ganzen gesehen so wundervoll und hochklassig gespielt hat, wie es eine Berliner Mannschaft zurzeit auch nicht im Entferntesten kann. Es wird uns jederzeit ein besonderes Vergnügen sein, sie in Berlin wieder begrüßen zu können. Der BSV. 92 aber hat sich so gut gehalten, daß wir auch mit ihm vollkommen zufrieden sind. (aus dem 'Kicker' vom 24.11.1931)

 

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