Tennis Borussia Berlin - Eintracht Frankfurt

Turnier "30 Jahre Tennis Borussia Berlin" 1931/32

1:2 (0:0)

Termin: 27.03.1932
Zuschauer: 8.500
Schiedsrichter:
Tore: 0:1 Karl Ehmer (52.), 0:2 Karl Ehmer (85.), 1:2 Thönnissen (89.)

 

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Tennis Borussia Berlin Eintracht Frankfurt

  • Patzek
  • Emmerich
  • Brunke
  • Lux
  • Schröder
  • Handschuhmacher
  • Pahlke

 


 

Wechsel
  • Thönnissen für Handschuhmacher
Wechsel
Trainer
Trainer

 

[...] Es folgte dann

der Schlager des Turniers,

der mit größter Spannung erwartete Kampf der Eintracht gegen die Te-Be. Dieses Treffen zeigte uns Berlinern erst mit voller Klarheit, welche Waffe wir doch in unserer kampfgewohnten Te-Be haben. Wir hatten von vornherein erwartet, daß Eintracht auf Granit beißen, daß die lilaweiße Hintermannschaft mit zusammengebissenen Zähnen bis zum Umfallen kämpfen würde. So geschah es.

Gewiß, Eintracht war die bessere Mannschaft, sie war in der Schlußhälfte geradezu gewaltig überlegen. Aber derart blenden wie gegen Minerva — das gestattete der Gegner nicht — diese taktisch unvergleichlich geschickt operierende Te-Be, die Lux als dritten Verteidiger zurückzog, die die Außenläufer klug hinten hielt und ein meisterhaftes Spiel aus der Defensive heraus ansetzte.

Die durchbruchsartigen Vorstöße der Te-Be hätten sehr wohl zu einem — allerdings unverdienten — Siege führen können, Gelegenheiten waren vorhanden. Eintracht dagegen hafte es ungeheuer schwer, durch die massierte und dabei gute Abwehr hindurchzukommen. Ehmer wurde glänzend gedeckt, Möbs war schußunsicher und etwas Pech hatte Schaller und der bald für Gorth eintretende Krohn auch. Es dauerte jedenfalls sehr lange, bevor Ehmer in der 7. und 40. Minute der zweiten Halbzeit endlich zwei Treffer für die Eintracht anbringen konnte. Weniger als zwei hätten es nicht sein dürfen, denn noch in den Schlußsekunden gelang dem als Ersatz für den ausgeschiedenen Handschuhmacher in der Angriffsmitte spielenden Thönnissen auf Vorlage von Schröder ein sehr schöner und unhaltbarer Gegentreffer. Das Schlußergebnis lautete also 2:1 für Eintracht. Die weitaus beste Mannschaft hat verdientermaßen das Turnier gewonnen. Berlin wird eine so glänzende Mannschaft stets mit dem größten Vergnügen wiedersehen.

*

Die Frankfurter Mannschaft befand sich am Karfreitag übrigens in großer Gefahr. Bei einem Ausflug im Autobus nach Potsdam entstand plötzlich ein Vergaser-Brand und da die hintere Tür verschlossen war, entstand eine große Panik. Nur dem umsichtigen Wagenführer ist es zu verdanken, daß alle Passagiere noch rechtzeitig ins Freie gelangten, ohne Schaden zu nehmen. Wir beglückwünschen die Eintracht, daß sie einem großen Unglück entronnen ist. (aus dem 'Kicker' vom 01.04.1932)

 


 

Am zweiten Tag spielte Eintracht Frankfurt gegen Tennis-Borussia. 8500 Zuschauer, am Vortag 12000.

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Das Spiel beginnt sehr offen. Beiderseits zunächst reichlich hoch. Die Berliner Veilchen, in kampfeslustiger Jubiläumsstimmung, bombardieren vom Start an das Frankfurter Tor mit Feuer, Kraft und Kernschüssen. In rasanten Steilvorlagen kommt der Halblinke durch und knallt haarscharf über die Eintracht-Latte.

Eintracht steht langsam und phlegmatisch da gegenüber diesen brausenden Anfallswellen. Erst als der großartige schwarzbuschlige Eintracht-Rechtsaußen Schaller energisch und genau zum Mittelstürmer Ehmer flankt, kommt auch Tempo in die Eintracht. Ehmer setzt den Ball sofort mit 16-m-Prachtschuß knapp über die Latte.

Der Eintracht-Sturm kommt nun ins Leben. Findet aber bei den wie die Teufel dazwischenschlagenden Tennisborussen-Backs heftigen Widerstand. Das Imposanteste an der Eintracht ist trotz alledem ihre Ruhe. Die Leute haben „englische Kühle" im dichtesten Getümmel. Selbst überspielt oder verletzt niedergeschlagen geraten sie nicht in Rage. Sondern erspähen, kalt berechnend, die nächstbessere Chance.

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Die Veilchen spielen wirklich in Jubiläumsform, ihre Durchschnittsform weit übertreffend, Schütz wird von der violetten verwegenen Jagd mehrfach überspielt. Die Schüsse gehen aber daneben. Erfolgreicher ist sein linker Nebenmann, der verschmitzte pechschwarzhaarige Stubb in der Abwehr.

Das beste an der Eintracht-Verteidigung sind aber ihre reinen, weiten, klaren Stöße über das ganze Feld genau zu ihren Stürmern. Das ist Stil und in Deutschland einzigartig. Eintrachts glänzende Läuferreihe sorgt dafür, daß trotz allem rücksichtslosen Ungestüms der Violetten die Schwarzroten doch das Spiel an sich reißen und dominieren. Der ausgezeichnete kleine schwarzhaarige Leiß in der Mitte; der kleine, stets unwirsch aussehende Mantel links und der lange Gramlich rechts sind in Abwehr wie in Zuspiel prima. Und sind die Läufer gut, ist's die Elf.

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Der Eintracht-Sturm kombiniert nicht nur famos. Sondern er ist auch standfest und auch schußkräftig. Diese drei Eigenschaften zusammen gehören zum vollendeten Fußball. Eintracht spielt oft maschinengenau, maschinenschnell und maschinenhart. Doch alle Präzision scheitert an den Granitfelsen der Emmerich - Brunke - Verteidigung. Die sind durch Jubiläumsstimmung aufgepulvert und noch besser als sonst. Dazu verschießt Ehmer zwei günstige Sachen. So wird es
Halbzeit 0:0.

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Der Tennisborussen - Mittelstürmer prallt mit Schütz zusammen, geht hinkend vom Feld. Für ihn Ersatzmann. Nach einem Angriff des rechten Eintrachtflügels stellen vier Frankfurter vorm Berliner Tor. Der Halbrechte Möbs gibt selbstlos zu Ehmer, der trotz scharfer Deckung aus dem Knäuel flach nah einschießt. 1:0 Eintracht.

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Der Frankfurter Ersatz-Linksaußen, der lange Gorch, macht einige Fehler, teils liefert er aber auch ausgezeichnete Vorlagen. Jedenfalls hat er Talent. Tennis-Borussia läßt jetzt gegen die erste Halbzeit sehr nach. Mit Elan kann man eben nicht 90 Minuten lang spielen.

Eintracht liegt stark überlegen vorm Berliner Tor. Beide Frankfurter Backs stehen über der Mittellinie. Wenn zwei sich so gut verstehen und so gut aufeinander eingespielt sind wie Stubb und Schütz, mögen sie es riskieren. Selbst der Mittelläufer Leiß beteiligt sich am Schießen aufs violette Tor. Der kleine schwarzbuschlige Kerl haut von 35 m eine Bombe aufs Tor, die Patzek nur mit Mühe hält.

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Eintracht schnürt das Tennis-Borussen-Tor völlig ein. Der Verteidiger Schütz steht 10 m über der Mittellinie im feindlichen Felde, der Eintracht-Tormann Schmitt verweilt geruhsam an der 16-m-Linie. Aber gerade diese enge Blockade bringt keine Tore. Denn sie konzentriert die ganze Tennis-Borussen-Elf zur Abwehr in engen Raum. Solche Einschnürung kann sogar gefährlich sein. Denn die wartenden Außenstürmer können dabei überraschend durchbrennen. Was dem Berliner Linksaußen Pahlke auch beinahe mit Erfolg gelingt.

Eintracht schnürt und schnürt. Zuviel nach innen, wo alles blockiert und gedeckt ist und keine Schußbahn frei. Eintrachts taktischer Fehler, daß es da nicht vor allem die Flügel beschäftigte, um die Abwehr auseinanderzureißen. In solchem Fall müssen die Außenstürmer versuchen, selbst Tore zu machen. Eintracht ist dank seiner Läuferreihe und der Sturmkombination turmhoch überlegen. Endlich befördert Ehmer den Ball von 4 m seitlich ins Tor. 2 :0 Eintracht.

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Einseitiges Katze- und Maus-Spiel. Die Maus ist Tennis-Borussia. 6:0 für Eintracht müßte das Spiel lauten. Aber da überlistet die Maus noch die Katze. Der unverzagte Mittelstürmer der Berliner bricht durch — unbekümmert um die berühmten Backs — und schießt ein. 2 :1 Eintracht. Das war eine Sekunde vor Schluß. Ende 2:1 Eintracht.

[...] Die Eintracht hat mit 4:0 Punkten und 6:2 Toren den Ministerpräsidenten-Preis gewonnen. [...] (aus dem 'Fußball' vom 29.03.1932)

 

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