Alemannia-Olympia Worms - Eintracht Frankfurt

Gauliga Südwest 1933/34 - 8. Spiel

3:3 (2:2)

Termin: 19.11.1933
Zuschauer: 3.000
Schiedsrichter:
Tore: 1:0 Seewald (4.), 1:1 Theodor Trumpler (12.), 2:1 Karl Enders (13.), 2:2 Bernhard Leis (40.), 3:2 Paul Enders (58.), 3:3 Hans Stubb (85.)

 

>> Spielbericht <<

Alemannia-Olympia Worms Eintracht Frankfurt

  • Hautz
  • Kienel
  • Götz
  • Hörl
  • Paul Enders
  • Karl Enders
  • Seewald

 


 

Trainer
Trainer

 

Wormser Woche

Alemannia Olympia Worms — Eintracht Frankfurt 3:3 (2:2)

Routine traf auf Eifer, Balltreibereien begegneten beschwingter Wucht, es kreuzten die Klingen — um diese wunderschöne Wendung einmal zu gebrauchen — Filigran und Festigkeit. Die Eintracht ist auf dem Besserungspfad. Sie übertraf ihre Leistung vom Adolf-Hitler-Stadion, denn sie schoß diesmal besser und kämpfte erpichter. Doch ist sie auch jetzt noch kaum mehr als ein Abglanz der großen Eintracht von dunnemals. Was hätte gefehlt und sie wäre abermals punktelos aus der Stadt Siegfrieds und Krimhildes entwichen? Fünf Minuten vor Spielschluß hieß es noch 3-2 für Worms. In diesem Augenblick trug sich eine tolle Sache zu. Der Verteidiger Stubb unternahm einen Ausflug. Er begab sich, Ball am Fuß, auf die rechte Spielfeldseite, kurvte sich voran, ließ die sprachlos erstarrende komplette linke AOW.-Seite stehen, fand sich urplötzlich im Strafraum wieder, sah den Torwart herausgerast kommen und hinfallen, umspielte auch ihn noch und setzte das Leder in die Maschen. Diese Aktion bedeutete den Punktgewinn der Eintracht. Das Publikum war um diese Zeit höchst aufgeregt und das hängt damit zusammen, daß knapp vor diesem Fall der Schiedsrichter ein klares Hände von Tiefel im Strafraum übersehen hatte. Ich merke, daß ich dabei bin, den Spielverlauf von hinten nach vorn zu schildern. Ich blende ab und beginne, wie es sich gehört, von vorn. An einem effektvollen Berichtbeginn fehlt es nicht. Nach 4 Minuten schon deutete der Schiedsrichter zum erstenmal auf den Anstoßpunkt. Seewald, Linksaußen, hatte einen Ball so geschickt vor das Tor gedreht, daß der nichts Böses ahnende Schmitt seinen zupackenden Arm ins Leere streckte, während der Ball die Linie passierte. Dem begreiflichen Jubel folgte eine Ernüchterung, als nach 12 Minuten Trumpler mit großer Eleganz eine ausgezeichnete Flanke von Berger I ins untere rechte Toreck nickte. Und wieder brauste der Jubel auf, als nach kaum 60 Sekunden ein ganz ähnliches Tor fiel. Karl Enders spitzelte aus zwei Metern Entfernung den Ball am Wart vorbei ins Netz. Seewald war es gewesen, der ihn vorbildlich bedient hatte. Dann geschah eine Weile nichts. Fünf Minuten vor der Pause klingelte es wieder. Es gab Strafstoß für Eintracht und Leis setzte das Dingelchen aus 26 Metern schlank und schön ins Gehäuse. Unhaltbar? Ich glaube nicht. Nach der Pause herrschte 13 Minuten nur eine Mannschaft: Eintracht. Hier war sie wie einst; nur weicher. Nach dem Ablauf dieser Spanne lief der Wormser Rechtsaußen Hörl ebenfalls ab. Paßte zu Paul Enders, der aus der Luft heraus das schönste Tor des Tages schoß. Nun schien der Gast geknickt, Worms dominierte, holte neue Gelegenheiten, bis auf der Gegenseite wieder die beste Chance winkte, die es in einem Fußballspiel gibt: Elfer. Kienel hatte leise gehakelt, Möbs war gefallen, Kron trat den Elfer nicht hart genug, Hautz faustete den Ball brav weg. Dann kam Tiefels Hand und Stubbs Tor und viel Aufregung um den wirklich immer schwächer werdenden Schiedsrichter und dann war der dramatische Kampf vorbei. In Worms wird man noch wochenlang über dieses Gefecht diskutieren. 3000 Menschen schauten zu. Beste Leute: Götz bei AOW., Stubb bei Eintracht.      Richard Kirn. (aus dem 'Kicker' vom 21.11.1933)

 

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