FV Saarbrücken - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1935/36

1:2 (0:0)

Termin: 31.08.1935
Zuschauer: 3.500
Schiedsrichter: Schehl (Pirmasens)
Tore: 0:1 Hans Stubb (57.), 1:1 Benzmüller (67.), 1:2 Hans Stubb (90., Handelfmeter)

 

>> Spielbericht <<

FV Saarbrücken Eintracht Frankfurt

  • Schwarz
  • Kelter
  • Seiler
  • Gelf
  • Sold
  • Müller
  • Benzmüller
  • Schmidt
  • Conen
  • Heimer
  • Werny

 


 

Wechsel
  • Kuhn für Werny (75.)
Wechsel
Trainer
Trainer

 

 

Saar-Mosaik

Eintracht Frankfurt gewann 2:1 gegen FVS. im Ludwigspark - Stubb und Conen die Torschützen

Hoch erhebt sich ein buntgeschmückter Richtbaum über dem Spielgrunde im Saarbrücker Ludwigspark. Das Kampffeld wurde zur Feier des Wiedereinzugs der Malstatter in die Gauliga neu hergerichtet. Die Aegypter sollten die Saison eröffnen; aber man wurde mißtrauisch gegenüber der wahren Spielstärke dieser „Nationalmannschaft" und so einigten sich die betroffenen Vereine, FV. Saarbrücken und Eintracht Frankfurt, zum Freundschaftsspiel in Saarbrücken. Eine Woche vor Eröffnung der Gauligaspiele mußte dieses Treffen als Generalprobe für beide Mannschaften gelten. Sie erschienen denn auch in der stärksten, zur Zeit verfügbaren Aufstellung.

Eintracht unter der Obhut des Sportlehrers Oswald mit folgenden Spielern: Winkler; Tiefel, Konrad; Mantel, Leis, Gramlich; Stubb, Moebs, Monz, Weygand, Trumpler. Nach der Pause trat Kron für Weygand ein. Ehmer und Zipp standen an der Seitenlinie.

FV. Saarbrücken stellte: Schwarz; Kelter, Seiler; Gelf, Sold, Müller; Benzmüller, Schmidt, Conen, Heimer, Werny. Erst in der letzten Viertelstunde ersetzte Kuhn Werny.

Es standen also

fünf Nationalspieler

in diesem Clubtreffen; dazu zwei frühere der Eintracht, die aus der Not eine Tugend machte und bei dem Ueberschuß an guten Verteidigern und Läufern Henner Stubb an den linken Flügel versetzte. Im Linksaußen Stubb reift der Tormacher der Eintracht heran; wenn er nur etwas ehrgeiziger und spiellustiger sein wollte. Er gewinnt mit seinen weiten Schritten Raum, rempelt sich die Verteidiger aus der Schußbahn, hat einen strammen und flachen Schuß und ist der rechte Mann, um Gramlichs geschleuderte Freistöße mit dem Kopf ins Tor zu bringen. Indessen spielte er eine Halbzeit lang den Pensionär und taute erst nach der Pause zum gefährlichen Mann auf. Der fleißige und flinke Trumpler am rechten Flügel war der andere, während das Innentrio gegen Sold und seine Gehilfen gar nicht ankam. Mantel spielt zuviel aus dem Stand, so wirkungsvoll auch manche Tricks und die Ruhe seines Spiels erscheinen mögen — zuviel Ruhe eben und auch zuviel Querpasses, zu Gramlich beispielsweise. Wenn die Eintrachtstürmer nicht an steile Vorgaben gewöhnt werden, lassen Moebs und seine Nebenleute auch nicht von dem vielen Seitwärtsspielen. Gramlich zeigte erst in der letzten Viertelstunde, was er zu leisten vermag, während Konrad diesmal durch startschnelles und aufmerksames Decken den etwas unsicheren Tiefel unter dem Verteidigern übertraf. 13 Ecken trat FVS. gegen Eintracht, ein Ausdruck der Verlegenheit, in der sich die Frankfurter Hintermannschaft häufig befand. Obwohl doch ihr neuer Torwächter Winkler, aus der 3. Mannschaft hochgestiegen, ein großer und mutiger Bursche, eine angenehme Ueberraschung war.

Oswald war denn auch mit seiner Mannschaft nicht recht zufrieden, findet den Grund in verschiedenen schiedsrichterlichen Entscheidungen und freilich bei der guten Leistung der Saarbrücker.

Diese drängten mehr als die Frankfurter, aber auch sie sind gegenwärtig im Sturm nicht ohne Schwächen. Die Halbstürmer verschenken zuviel, verlieren unter der Aufregung der Zuschauer schnell Nerven und Ball; wiewohl gerade ihr raffiniertes Zuspiel dem Tormacher Conen nützlich sein kann. Zudem haben die Flügelstürmer noch zu wenig Beschäftigung, nachdem nun Sold seinen dritten Verteidigerposten bezogen hat. Man vermißt die steilen Flügelvorlagen, welche die gegnerische Abwehr auseinanderziehen. Doch ist das Zusammenspiel des FVS. wiederum so lebendig und variiert, daß es beweglicher als jenes der Eintracht war und auch den Eindruck der perfekteren Mannschaft machte. Dennoch muß man sagen, daß ohne Conen und Sold die Malstatter Rüstung sehr ins Wanken geraten würde. Zum fälligen Stil des FVS. gehören eben zwei Motors von der Qualität Solds und Conens.

Wie dieser das einzige Tor des FVS. schoß, macht ihm im Gau Südwest keiner nach. Im überrumpelnden Durchbruch überließ Conen den Ball Benzmüller zum Stellungswechsel und sofort knallte er ihn aus dem flachen und scharfen Paß, ohne das Ziel zu schauen, sicher unter die Latte. Vorausgegangen war ein Treffer durch Stubb, der Trumplers Angriff erfolgreich abschloß. Ihm blieb in letzter Minute auch der Siegestreffer in Form eines Elfmeters vorbehalten, den Sold im Handspiel verwirkt hatte. Vordem schon konnte Leas einen Handelfmeter nicht ins Tor bringen. Eigenartig an dem Spiel war das periodenhafte Zusammenballen beider Mannschaften zu Angriff und Abwehr. Dann sah man fünf und zehn Minuten lang eine Elf dauernd in der Hälfte der andern, bis der ergebnislose Verlauf und 18 nicht verwertete Eakbälle (am Ende) dem Gegner die Initiative überließen. 3500 Zuschauer waren munter dabei. Schiedsrichter Schehl (Pirmasens) hatte empfindliche Mannschaften zu leiten; übersehenes Hand und Nichtbeachtung der Vorteilsregel (sehr mit Einschränkung jetzt) hatten lebhafte Reklamationen zur Folge. Die Spieler hatten also schon ihren Ehrgeiz. Das sah man den geschlagenen Mienen des FVS. und dem freudigen Aufatmen der Frankfurter, als die Gegner das Spielfeld verließen.

 

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