Eintracht Frankfurt - Kickers Oxxenbach

Gauliga Südwest 1935/36 - 16. Spiel

1:1 (0:0)

Termin: 16.02.1936
Zuschauer: 10.000
Schiedsrichter: Multer (Landau)
Tore: 0:1 Kaiser (58.), 1:1 Wilhelm Tiefel (80.)

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Kickers Oxxenbach

 


  • Eigenbrod
  • Neidl
  • Kühnle
  • Müller
  • Stein (Platzverweis)
  • Abt
  • Lindemann
  • Reck
  • Flack
  • Kaiser
  • Simon

 

Trainer Trainer

 

Südwest (Gau 13)

Eintracht fällt zurück

Arme Eintracht! Alles hat sich gegen sie verschworen. Weil sie das schönste Spiel zeigt, technisch überragt, stets einige Internationale in ihren Reihen hat. Kein Gegner vergißt, alles aus sich herauszuholen, nur um gegen die Eintracht gut abzuschneiden. Ganz besonders die Lokalrivalen scheinen allen Ehrgeiz darein zu legen, den Riederwäldern den Weg zur Meisterschaft zu verbauen.

Gegen diese Einstellung wäre an sich nichts zu sagen, wenn sie nur sportlichem Ehrgeiz entspränge und mit ehrlichen sportlichen Mitteln ausgetragen würde. Es ist sogar schön, wenn sich eine Elf von den besseren Technikern und großen Internationalen nicht unterkriegen lassen will, wenn sie Kraft und Willen, Aufopferung und kämpferischen Einsatz in die Waagschale wirft, um ehrenvoll abzuschneiden.

Hier geht aber etwas anderes vor. Das ist mehr Härte und Kampf allein, das ist der Zerstörungswille mit allen Mitteln, die zu Gebote stehen, vor allem also auch den unerlaubten. Man weiß, daß hier die Techniker verwundbar sind, in jedem Sinne dieses Wortes. Die Kickers hatten nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren. Sie hatten es nicht nötig, ein Spiel heraufzubeschwören, das alles andere war, nur keine Fußballpropaganda. Und die Anhänger taten nicht gut daran, zu verraten, daß sie nicht Begeisterung antrieb, sondern Haß. Auf dieses 1:1 brauchen die Kickers wirklich nicht stolz zu sein. Die fremden Zuschauer (es waren nicht nur die Offenbacher, sondern noch viel mehr die Bornheimer) stimmten triumphierend den Sprechchor an: "Hi, ha, ho, Eintracht ist k.o.!"

Kein Vorwurf den Eintrachtspielern. Sie haben groß gespielt und zum Schluß gekämpft. Zwei Schüsse an die Latte von Gramlich und Trumppler, Pech! Überragende Leistungen von Mantel und Tiefel, der diesmal nicht defensiv blieb, sondern sogar vorn auftauchte und den Ausgleich schoß. Kein Versager in der Elf, wenn auch verschiedene Spieler nicht mehr mitkamen, als das Spiel scharf wurde. Kein Vorwurf dem Schiedsrichter Multer, Landau, der sich nicht beirren ließ und hervorragend amtierte.

Kein Vorwurf den Kickersspielern, die ehrlich kämpften, wie der hervorragende Linksaußen Stein, Torwart Eigenbrod, Kaiser, der das Tor schoß, Lindemann, der als Mittelläufer überragte. Aber warum mußte Neidl einen Strafstoß nach dem anderen verschulden? Warum mußte Stein sich gegenüber dem fairsten Spieler, den man sich denken kann, Hugo Mantel, eine Roheit erlauben, die seinen Platzverweis zur Folge hatte? Wozu das alles? War denn niemand vom Vorstand so vernünftig, in der Pause beruhigend auf die Spieler einzuwirken?

Ich weiß, alle diese Mahnungen fallen selten auf fruchtbaren Boden, und der Kritiker macht sich nur unbeliebt. Aber schließlich darf man auch nicht darüber hinweggehen. Die Kickers werden sich nicht beklagen können, im „Fußball" etwa nicht wohlwollend behandelt worden zu sein, besonders als sie in Gefahr waren. Ihr 4-0 gegen die Eintracht war ein schöner und verdienter Sieg. Dieses Spiel aber, meine Herren, war keine Ruhmestat

Nachdem inzwischen Worms in Rüsselsheim 3:1 gewann, dank der großen Leistungen Faths, während Pirmasens bei Saarbrücken auf wenig Widerstand stieß und einen 4:0-Heimsieg feiern konnte, liegt jetzt die Entscheidung zwischen den drei Spitzenmannschaften. Die Eintracht ist jetzt darauf angewiesen, Pirmasens und Worms zu schlagen, eine sehr schwere Aufgabe. Sie hat aber fast vier Wochen Pause, um sich darauf vorzubereiten.

Fußballsportverein siegte 5:1 gegen die dezimierten Ludwigshafener, während Niederrad mit stark verjüngter, aber ehrgeiziger Elf in Neunkirchen nur 2:1 verlor.      Dr. C.E.L. (aus dem 'Fußball' vom 18.02.1936)

 

 


 

 

 

Erste Vorentscheidung in Südwest

Nur noch Wormatia oder Pirmasens?

Eintracht spielt nur unentschieden.

Dieser Kampf in Südwest steht voll von Dramatik vom Anfang bis zum Ende. Wie die Fußballschicksale sich aufrollen! Da ist die Tragödie des Phönix; Vorjahrmeister und nun dem Abstieg preisgegeben. Nach letzten verzweifelten Versuchen, mattgeworden, resignierend. „Die ersten 25 Minuten des Phönixspiels gegen uns: kein anderer Verein hat diese Klasse erreicht!", sagt mir ein verantwortlicher der Wormatia. Das vergebliche Ankämpfen des anderen Absteigenden, eben doch erst Aufgestiegenen, Opel Rüsselsheim gegen ein Verhängnis! Man verliert seine Spiele meist mit einem Tor Unterschied. Man spielt unentschieden, wo man gewinnen müßte, verliert, wo man ein Remis verdient hatte. Und ringt doch beinahe ganz Ende der Wormatia noch ums Haar ein unentschieden ab, wenn nicht letzte, begeisternde Kraftanstrengung der heißen Favoriten auch diesen Schwanengesang auslöschte! Oder die Offenbacher! Hingen sie nicht verloren fast am Tabellenschwanz? Und waren doch plötzlich da, schlagfertig, stark, starteten fünfmal hintereinander, daheim und auf fremdem Platz und waren fünfmal siegreich — ja, raubten schließlich der Frankfurter Eintracht am Riederwald einen Punkt, gerade da, als sie ihn zur Meisterschaft am bittersten nötig hatte! Wo man dieses Fußballeben Südwests anpackt, ist es glühend von Dramatik.

Und die Eintracht selber? Da ist dieser Verein, der Männer wir Gramlich und Tiefel hat, wohlerprobte Nationalspieler, Konrad, einen Klasseverteidiger, wahre Wunder an Stürmern in Möbs und Schmidt, den einfallreichsten und elegantesten Läufer in Mantel — und muß doch spüren, wie der Meisterschaftskranz ferner und ferner rückt der Hand, die ihn schon packen wollte: weil man ganz einfach nicht mit den Lokalrivalen fertig wird, in der Rückrunde noch gegen Union, Fußballsportverein und die Kickers (die ja auch, in einem weiteren Sinn, Lokalrivalen sind) nichts als drei Unentschieden zuwege bringt. Drei Punkte, schwer wie Blei...

10 000 standen am Riederwald.

Ein Kampf auf Biegen und Brechen. Mit einer technisch glänzenden, im Feld fast immer angreifenden Elf — der Eintracht —, mit einer die Flügel nach vorn hetzenden, in der Hintermannschaft fast undurchlässigen, rein Durchbruch gestellten Elf — den Offenbacher Kickers. Und mit Zuschauern, die oft ganz aus dem Häuschen gerieten; so sehr, daß es eine Frau bis in die Feldmitte trieb, als kurz vor dem Ende Mantel verletzt und Stein deshalb platzverwiesen wurde! Nun fehlt den Kickers dieser ihr augenblicklich unersetzbare Läufer im Kampf gegen die Wormser und Pirmasenser. Ein heißblütiges Gefecht, in dem die erste Halbzeit torlos blieb, die zweite zunächst Offenbach mit einem Kaiserschuß, „scharf wie Gift", im Anschluß an einen Alleingang in Führung brachte und zehn Minuten vor dem Ende einen Tiefel-Schuß unter die Latte sah, der im Anschluß an eine der vielen Eintrachtecken fiel. Der Offenbacher Kühnle war einmal zehn Minuten verletzt vom Feld. Groß bei Eintracht schlug als Linksaußen nicht ein und tauschte mit Monz, Schmidt wurde von Lindemann vollkommen „unter Kuratel gestellt", die Eintrachtstürmer waren einmal mehr hilflos und es ist ein Symptom, daß Tiefel das Tor schoß! (aus dem 'Kicker' vom 18.02.1936)

 

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