Eintracht Frankfurt - Sportfreunde Saarbrücken

Gauliga Südwest 1936/37 - 2. Spiel

5:1 (1:0)

 

Termin: 20.09.1936
Zuschauer: 2.000
Schiedsrichter: Weiland (Worms)
Tore: 1:0 Stefan Hemmerich, 2:0 August Möbs, 3:0 August Möbs, 4:0 Stefan Hemmerich (61.), 5:0 August Möbs, 5:1 Comtesse (Foulelfmeter)

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Sportfreunde Saarbrücken

 


  • Pabst
  • Hans
  • Platz
  • Müller
  • Decker
  • Krebs
  • Bohrmann
  • Schaus
  • Cullmann
  • Comtesse
  • Jolly

 

Trainer Trainer

 

Hoher 5:1-Sieg von Eintracht Frankfurt

Schwaches Spiel in der ersten Hälfte - Möbs, die treibende Kraft im Sturm

-S- Bei dem ersten Anblick des Ergebnis von 5:1 bekommt derjenige, der das Spiel nicht gesehen hat, zu der Annahme, daß die Eintrachtmannschaft den Gästen aus dem Saargebiet haushoch überlegen war. Doch dem war nicht so, denn die Frankfurter hatten alle Mühe und Not, bei Halbzeit mit 1:0 im Vorsprung zu bleiben. Technisch waren die Einheimischen natürlich bedeutend besser, doch das ist nicht allein ausschlaggebend, um zum Erfolg zu kommen. Hätte Stubb nicht mehrmals in letzter Minute den Ball noch kurz vor der Torlinie wegbefördert, dann hätte das Resultat in der Pause vielleicht anders gelautet.

Schiedsrichter Weiland-Worms war nicht gerade schlecht, aber zeitweise etwas zu kleinlich. Vor 2000 Zuschauern stellen sich die Mannschaften:

Eintracht: Schmitt; Gramlich, Stubb; Meschling, Fürbeth, Zipp; Monz, Hemmerich, Mantel, Möbs, Lanz.

Saarbrücken: Pabst; Hans, Platz; Müller, Decker, Krebs; Bohrmann, Schaus, Cullmann, Comtesse, Jolly.

Eintrachts Torhüter Schmitt war reichlich unsicher, er konnte froh sein, daß zwei klassische Verteidiger vor ihm standen. In der Läuferreihe arbeitete Zipp ausgezeichnet, und nach ihm ist auch Fürbeth zu nennen. Mantel als Sturmführer war wohl gut, aber in seiner gewohnten Stellung als Läufer kann er produktivere Arbeit leisten. Möbs war der beste Mann im Sturm und seiner Durchschlagskraft hat die Eintracht es zu verdanken, daß Tore auf das Konto gebucht werden konnten. Ueber die beiden Neulinge Lanz und Hemmerich kann man nach dem ersten Spiel noch nicht viel sagen. Monz könnte brauchbarere Arbeit leisten, wenn er teilweise nicht zu unfair angreifen würde, was ihm auch eine Verwarnung einbrachte.

Der Torwächter der Gäste war an den Toren schuldlos. Seine beiden Vorderleute schlugen sich gut, auch Mittelläufer Decker versuchte, seinen Sturm so oft wie möglich nach vorne zu schicken, aber dort fand man nicht immer Verständnis für seine Vorlagen. Der sonst so gefürchtete Halbrechte Schaus enttäuschte und hat lange nicht mehr die Schußkraft von früher. Die besten Stürmer waren Mittelstürmer Cullmann und Jolly auf Linksaußen.

Nach dem Anstoß der Saarbrücker wechseln vorerst die Angriffe, bis Eintracht zur ersten Ecke kommt. Nach einem Fehlschlag hebt Möbs den Ball knapp über das Tor, eine weiterer Schuß von Möbs prallt am Verteidiger ab zur Ecke. Nachdem Möbs durch Abseitsstehen einen Angriff unterbunden hatte, kommt der Linksaußen wieder durch, gibt den Ball gut nach vorne, wo ihn Möbs zur Mitte weiterleitet. Es entsteht ein Gedränge, der Torwart verfehlt das Leder und Hemmerich kann seinem Verein die Führung geben. Fast wäre der Ausgleich erfolgt, wenn Stubb nicht durch knappe Zurückgabe gerettet hätte. Kaum ist eine Minute vergangen, da vereitelt Stubb schon wieder ein sicheres Tor, als Schmitt einen Ball des Mittelstürmers der Saarbrückener nicht mehr erreichen kann. Monz stoppt dem linken Verteidiger der Sportfreunde den Tritt regelwidrig ab, so daß dieser einige Minuten das Feld verlassen mußte. Nach einem weiteren Foul wird Monz verwarnt. Eine Vorlage das Linksaußen Jolly läßt Schmitt fallen, doch wiederum steht Stubb da und hält den Ball auf, ehe ihn die anstürmenden Saarbrückener erreichen können. An dem 1:0 ändert sich bis zur Pause nichts mehr.

Sofort nach dem Wiederanstoß fängt Schmitt einen Schuß von Schaus vor dem anlaufenden Cullmann ab; entgegengesetzt landet der Ball nach einem Alleingang von Lanz in den Händen von Pabst. Einen Strafstoß für Saarbrücken hält Schmitt ab. Die linke Seite der Eintracht kommt nun schön durch und mit scharfem Schuß erzielt Möbs den zweiten Erfolg. Bereits zwei Minuten später kann derselbe Spieler nach einer Vorlage von Monz das dritte Tor, trotzdem der Torwart den Ball noch berühren kann, schießen. Saarbrücken läßt sich nicht entmutigen und greift unentwegt an. Die 16. Minute sieht wieder einen Eintracht-Angriff und Hemmerich schiebt, gut überlegt, den Ball am Torwart vorbei ins Netz. Kaum ist auch dieser Erfolg verklungen, da legt Hemmerich dem durchschlagskräftigen Möbs vor und das Resultat steht durch plazierten Schuß auf 5:0. Nach einem Strafstoß für die Gäste verläßt auch Lanz verletzt einige Minuten den Platz. Stubb nimmt Bohrmann unfair und der diktierte Elfmeterstrafstoß wird von Comtesse verwandelt. Eckenverhältnis 6:4 für Eintracht (aus dem 'Frankfurter Volksblatt' vom 21.09.1936)

 

 


 

 

Die Eintracht war nach der Wiesbadener Katastrophe ihren Anhängern einen Sieg schuldig. Er ist prompt und gründlich eingetroffen. Das 5:1 läßt sich hören, um so mehr, als es gegen eine so kampfstarke Mannschaft wie die Saarbrücker Sportfreunde erzielt wurde. Aber die Frankfurter müssen sehr vorsichtig in der Bewertung dieses Resultates sein. Es kam zustande, indem die Eintrachtstürmer, dirigiert von dem geradezu genial kämpfenden und vorlegenden Möbs einen völligen Zusammenbruch der Saarbrücker Hintermannschaft ausnutzten: in acht Minuten fielen nämlich vier Tore. Die Halbzeit hieß noch 0:0, und alles schien völlig ungewiß.

[...]

III. Wovon man spricht

Im Lager der Frankfurter Eintracht tröstet man sich über die Sperre von Groß - er war in Wiesbaden unfair - damit, daß der Mittelstürmer Schmitt ab 1. Oktober wieder mitspielen kann.

IV. Das Spiel des Tages

Kurz und bündig: Eintracht — Sportfrde. Saarbrücken war eine ganze Hälfte hin völlig offen und wurde erst, wie gesagt, nach der Pause entschieden. Aus 1500 Zuschauern wurden 2000, weil nach Offenbach her die Wiesbadener Schlachtenbummler herübergewandert kamen. Eintracht erprobte einen neuen Flügel, und sie stellte den alten Nationalspieler Hugo Mantel als Sturmführer auf. Das Experiment ist nicht mißglückt und nicht mißlungen. Es war eine Notlösung. Ein Mann, der Fußball spielen kann, versagt niemals ganz. Aber der überragende Mann war Möbs. Das Ergebnis ist viel zu hoch. Die Sportfreunde hielten den Kampf fast stets offen. ir. (aus dem 'Fußball' vom 22.09.1936)

 

 


 

 

Südwest

Erste Klärung im Gau Südwest

Es ging ein großer Wochenendregen nieder. Wo gute Rasenplätze waren, wie etwa am Bornheimer Hang, da schluckten die Schlackenmassen, so unter dem Gras ruhen, das Naß mit Gier, und das Feld lag nachher zwar feucht, aber spielfertig da. Wo Lehm vorherrscht und sogenannter „Grund", da gab es Katastrophen. Auf dem Bieberer Berg bei Offenbach sollte eines der wichtigsten Spiele sein. Der SpV. Wiesbaden war mit einer hübschen Anzahl Schlachtenbummlern angerückt. Der Platz war eine einzige Unmöglichkeit. Mannschaft und Bummler fuhren gemächlich zum Bornheimer Hang nach Frankfurt.

Wo die Eintracht an der Arbeit war, ihr schwer lädiertes Renommee aufzubügeln. Sportfreunde Saarbrücken schienen der rechte Gegner. Schienen! Aber es sah lange mulmig aus um das Aufbügeln. Die Sportfreunde hatten genau soviel Chancen, wie Eintracht, nur mehr Pech. Dann — nach einem mageren 1-0 bei der Pause — drehte Eintracht plötzlich groß auf und die Hintermannschaft Saarbrückens zerbröckelte reklamierend und gelähmt — in zehn Minuten gab es vier Eintrachttore und später nur noch durch Elfer ein Ehrentor. Die Eintracht und der Gast hatten Ersatz. Klar sieht man noch gar nicht. Das Ergebnis gibt wenig Aufschluß. Trotz seiner Höhe. Aber 5:1 ist eben zu hoch. — Glänzendster Spieler bei Eintracht: Möbs. (aus dem 'Kicker' vom 22.09.1936)

 

 


 

 

 


(Aus den Vereins-Nachrichten der Eintracht vom Februar 1937)


 

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