Eintracht Frankfurt - FSV Frankfurt

Gauliga Südwest 1936/37 - 6. Spiel

3:2 (1:2)

 

Termin: 25.10.1936
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Müller (Griesheim)
Tore: 1:0 Karl Monz (6.), 1:1 Heldmann (29.), 1.2 Schuchardt (30.), 2:2 Karl Monz (66.), 3:2 Adam Schmitt (81.)

 

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Eintracht Frankfurt FSV Frankfurt

 


  • Wolf
  • Schreiber
  • Hinkel
  • Sommer
  • Schmidt
  • Schweinhardt
  • Armbruster
  • Sadtler
  • Schuchardt
  • Heldmann
  • Peter

 

Trainer Trainer

 

Eintracht siegt im Fußball-Derby

FSV Frankfurt nach prächtigem Kampf 2:3 geschlagen

Im Gau Südwest wurden nur drei Meisterschaftsspiel durchgeführt. Wormatia Worms trat zum Tschammerpokalspiel auf eigenem Platze gegen VfL Benrath an, so daß der vorgesehene Gegner, die Offenbacher Kickers, frei waren, die ein Privatspiel gegen FC Pforzheim zum Training benutzten. Union war ebenfalls spielfrei, da das Treffen gegen den FK Pirmasens wegen einer Gautagung der NSDAP in Pirmasens vom Spielplan abgesetzt werden mußte.

Im Brennpunkt des Interesses stand das Frankfurter Derby zwischen Eintracht und Fußballsportverein, das die Eintracht mit 3:2 Treffern gewann. Durch diesen Sieg rückt die Eintracht an die fünfte Tabellenstelle vor den FK Pirmasens, der zwar mit Eintracht punktgleich steht, aber ein schlechteres Torverhältnis hat. Der SV Wiesbaden mußte diesmal mit einem 1:0-Sieg gegen Sportfreunde Saarbrücken zufrieden sein, er nimmt nun hinter Wormatia Worms und Offenbacher Kickers und vor dem FSV Frankfurt die dritte Tabellenstelle ein. Der FV Saarbrücken konnte in seinem fünften Spiel den ersten Punkt erringen durch ein Unentschieden gegen Borussia Neunkirchen (1:1).

12000 Zuschauer am Bornheimer Hang

Dich gefüllt war der Platz des FSV. Frankfurt am Bornheimer Hang, als die Mannschaften vom Fußballsportverein und der Eintracht das "Derby" begannen. Es mögen etwa 12000 Zuschauer gewesen sein, die diesem wirklich schönen Kampfspiel beiwohnten.

Die Eintracht begann den Kampf recht vielversprechend und drängte die Blauschwarzen in deren Hälfte zurück. Leider dauerte aber dieses Drängen nur etwa fünf bis sechs Minuten. Schreiber beging am Mittelstürmer A. Schmidt ein offensichtliches Foul, das unbedingt mit einem 11-Meter-Strafstoß hätte geahndet werden müssen. Schmidt schied für einige Minuten aus. Inzwischen hatte sich auch Gramlich eine Verletzung am Knie zugezogen, die ihn ebenfalls zwang, das Spielfeld für einige Zeit zu verlassen. Als er zurückkehrte, konnte er nur mühsam über den Platz humpeln, so daß die Eintracht dem Kampf praktisch nur mit zehn Spielern durchführen konnte. Der Sportverein wurde nun im Feldspiel klar überlegen, konnte aber nicht verhindern, daß Monz nach genauem Steildurchspiel der Hintermannschaft in der sechsten Minute für die Eintracht das Führungstor erzielte. Dann aber war der Fußballsportverein drückend überlegen, vermöge seines ausgezeichneten Feldspieles. Die Läuferreihe unterstützte geschickt die Stürmer, die durch ihr schnelles Abspiel, Laufen auf den freien Raum und Schüssen aus allen Lagen immer und immer wieder das Eintrachttor in schwere Bedrängnis brachten. Die Eintrachthintermannschaft hielt diesem Anstürmen heldenhaft stand, aber in der 29. und 30. Minute konnte der FSV. zwei Tore erzielen und zwar das erste durch einen Schuß Heldmanns aus dem Hinterhalt und das zweite durch einen Kopfball von Schuchardt auf Flanke von Armbruster. Für den Rest der ersten Halbzeit waren die Blauschwarzen immer die Beherrscher des Spieles, so daß man mit einer Niederlage der Eintracht rechnete, zumal sich deren Sturm nicht mehr zu erfolgversprechenden Aktionen zusammenfinden konnte.

Nach der Pause überraschten beide Mannschaften mit Umstellungen. Beim Fußballsportverein hatte man Schuchardt zurückgezogen, auf der anderen Seite hatte man diesen taktischen Fehler sofort erkannt und den bis dahin in der Läuferreihe spielenden Möbs in den Sturm hineingenommen. Dadurch bekam die Angriffsreihe der Eintracht mächtig Schwung. Nur noch kurz währte die Ueberlegenheit des Sportvereins, dann wurden seine Angriffe matter, diejenigen der Eintracht dagegen immer gefährlicher. Schmitt, Monz und Möbs gingen mit Paß im Dreieck oder mit Steilvorlagen an das gegnerische Tor heran, Monz glückte in der 21. Minute ein Alleingang und damit der Ausgleich. Die Sportvereinsspieler wurden durch diesen Erfolg des Gegners sichtlich nervös. Die Hintermannschaft spielte übereifrig, der Sturm verzettelte sich allzu sehr, man sah kaum wieder solch schöne Kombinationszüge, wie man sie vor der Pause immer wieder bei den Blauschwarzen bewundern konnte. Die Eintracht wurde durch den Ausgleich angespornt. Gramlich humpelte mit aller Energie über den Platz, konnte aber seiner Mannschaft in keiner Weise nützen. Schmitt raste in Alleingängen auf das gegnerische Tor. Zweimal sprang der Ball von der Querlatte zurück ins Feld. Am Eintrachtstor sah es ab und zu auch wieder gefährlich aus, Stubb rettete in letzter Sekunde mit dem Kopf und wehrte einen Schuß ab, den der Torhüter Gorka schon hatte passieren lassen. Das frische Stürmerspiel der Eintracht führte in der neunten Minute durch ein Tor von Schmitt, das er in prächtigem Alleingang erzielte, zum Sieg für die Eintracht, mit dem die Mannschaft vor der Pause sicherlich nicht mehr allzu stark gerechnet hatte. (aus der 'Frankfurter Zeitung' vom 26.10.1936)

 

 


 

 

[...] Der Sieg der Eintracht gegen Fußballsportverein verankert beide Vereine nur noch fester in der Mittellage. Wenn sie sich da halten können, dann bleiben ihnen Aufregungen erspart und sie können in aller Gemütsruhe einmal etwas weitsichtiger bereits an künftige Jahre denken. Wie selten ist es allerdings, daß Fußballvereine wirklich weitsichtig geleitet werden?!

[...]

Infolge anderweitiger Spielausfälle hat das Frankfurter „Derby" doch den Vogel abgeschossen, zumindest mit seinem unerwartet guten Besuch von 12.000. Die Ungewißheit macht es hier.

Sicherem Vernehmen nach soll der Fußballsportverein ein Unentschieden mindestens verdient haben. Aber die Bornheimer hatten den charmanten Einfall, Schuchardt in der zweiten Hälfte zurückzunehmen, was sich natürlich ungünstig auswirkte. Doch anscheinend wollten sie nicht hinter der Eintracht zurückstehen, die zunächst ihren besten Stürmer Möbs in der Läuferreihe und Groß sogar in der Verteidigung servierte.

Gute Regie sorgt für Überraschungen. Im Fußball soll zwar die Stetigkeit und der gesunde Menschenverstand auch manches für sich haben, aber schließlich dürfen Spielausschüsse auch nicht den Eindruck aufkommen lassen, daß sie untätig zusehen würden.

Zu befürchten ist nur, daß ein verkehrtes Experiment wiederholt wird, weil es trotzdem glückte, und zwar nur deshalb, weil der Gegner noch verkehrter handelte. Sieg und Niederlage sind nicht immer der Beweis für Wert und Unwert einer Maßnahme. Doch lassen wir das. Schließlich muß ja der Stammtisch in der Hauptwache, dessen Präsidium Frankfurts populärster Alt-Fußballer Willy Pfeiffer übernommen hat, noch einen Gesprächsstoff haben. Und da kann man sich doch nicht dauernd von vergangenen besseren Fußballzeiten unterhalten ...

Also: Monz schoß das erste Tor, Heldmann und Schuchard aber schafften dem Fußballsportverein eine Halbzeitführung. Es folgten Umstellungen auf beiden Seiten. Bei der Eintracht war Gramlich verletzt. Man entschloß sich aber auch, Möbs wieder vorzunehmen. Daraufhin schossen Monz und Schmitt Ausgleich und Siegestreffer.      Dr. C.E.L. (aus dem 'Fußball' vom 27.10.1936)

 

 


 

 

Frankfurter Derby ausverkauft

Der sonntägliche Gang durch den Gau Südwest

„Was heißt Derby? Hat die Eintracht, hat der Fußballsportverein noch reelle Meisterschaftschancen?" Aber das Herz der Anhänger kümmert sich nicht um solche Theorien. Gottseidank nicht. Auf dem Bornheimer Hang ballten sich fast 15.000 und wurden hochbelohnt durch ein

Spiel von seltener dramatischer Wucht.

Die Eintracht galt von vornherein als halb verloren, weil sie eines der kühnsten Experimente gemacht hatte, die man sich denken kann. Eine völlige Umkrempelung. Möbs war Läufer, Mantel Stürmer, Groß Verteidiger! In Frankfurt schlug man die Hände über dem Kopf zusammen — aus Staunen. Aber diese Aufstellung schlug ein. Die Riederwälder spielten glänzend zusammen — das taten sie früher auch — aber nun spielten sie gefährlich und nun schien es auch Tore zu geben. Schon nach fünf Minuten krachte ein Schuß wie eine Granate unters Tordach Bornheims. Monz hatte eine Mantelvorlage verwandelt. Minuten später mußte es Elfer geben, als Adam Schmitt im Strafraum Bornheims hinterrücks hingeschmissen wurde. Müller-Grießheim aber, nicht der gewohnt sichere, alles durchschauende Leiter, gab garnichts. Und als Gramlich verletzt wurde, als hinkender Statist zurückkehrte und so eine gänzliche Umkrempelung des neuen Mannschaftsgebildes erzwang, kam alles „anscheinend programmgemäß". Die Eintracht verlor die Nerven und die Lust und Bornheim drängte. Noch wehrten sich die Gorka und Groß und Stubb, aber Heldmann und Schuchardt eroberten doch die Bornheimer 2:1-Führung. Nach der Pause gab es überhaupt nur noch den Sportverein und alles schien nur noch eine Frage der — Höhe des Ergebnisses. Aber die Eintrachtschlußleute schlugen sich verwegen, die Bornheimer Stürmer schossen hart, aber nicht placiert genug, und so kam eine jener jähen Wenden, die wir von manchem Kampf kennen. Die Eintrachtelf war plötzlich wieder da, Monz böllerte den Ausgleich ein und Adam Schmitt schoß den Sieg heraus — mit einem Treffer, den er eine knappe Minute zuvor durch einen Lattenschuß signalisiert hatte. Für die 15.000 Menschen hatte sich also die Treue gelohnt. Sie erlebten ein Drama und nahmen Gesprächsstoff für eine ganze Woche mit. Die Leistungen der Mannschaften waren fußballerisch zwar keineswegs so, daß sie an die großen Derbyzeiten erinnerten, aber an Aufopferung und Spannung fehlte es nicht. Es muß auch wieder aufgebaut werden. Ueber dem Frankfurter Fußball hängen jetzt Wolken, aber schon sind die Hoffnungsbanner geflaggt: vor dem Derby sahen wir das Endspiel um die Meisterschaft der Volksschulen, das die „Ackermänner" gegen die Riederwaldschule 4:1 gewannen. Es war ein hervorragendes Spiel und ein Triumph für den Frankfurter Schulfußball, der unter Stadtturnrat Söhngens Leitung von Jahr zu Jahr erfreulicher wird. (aus dem 'Kicker' vom 27.10.1936)

 

 

 


 

 

 


(aus dem 'Frankfurter Volksblatt' vom 26.10.1936)

 

 


 

 

 


(Aus den Vereins-Nachrichten der Eintracht vom Februar 1937)


 

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