Eintracht Frankfurt - Waldhof Mannheim

Tschammer-Pokal 1939 - 2. Schlussrunde (Reichsebene)

0:1 n.V.

Termin: 19.11.1939
Zuschauer: 1.500
Schiedsrichter: Markert (Kassel)
Tore: 0:1 Erb (92.)

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Waldhof Mannheim

 


  • Drayß
  • Schneider
  • Siegel
  • Meier
  • Heermann
  • Ramge
  • Eberhardt
  • Bleimaier
  • Erb
  • Fanz
  • Günderoth

 

Trainer Trainer
  • Otto Neumann

 

Waldhof - elegant und erfolgreich

Eintracht Frankfurt — Waldhof 0:1

Der Berichterstatter schaut sich einen Augenblick um. Das Spiel ist vorbei, aber noch nicht zu Ende. Der Widerspruch des Satzes klärt sich durch den Umstand, daß es sich um ein Pokalspiel handelt. Es gibt einen winzigen Augenblick des Verschnaufens. Die Landschaft ist schon reichlich verdunkelt. Ueber bläuliche Fabrikfenster wehen weiße Dampfwölkchen, die Kiefern richten sich ein wenig auf und schütteln den Regen ab, hinter Fechenheim wird der Himmel apfelgrün. Ein Pfiff schreckt aus den Betrachtungen des fahlen Abendidylls. Was ist da unten vorgegangen?

Ein wunderbares Spiel. Aller Zauber des Fußballs wurde wach. Die Glätte des Bodens, das Anrennen gegen die Regenschauer, schien die Kämpfer nicht ermüden zu können. Waldhof spielte mit allen Finessen der wunderbarsten Tradition. Die Höger, Herberger, Hutter, Schwärzel, Skutlarek haben nicht umsonst gelebt, alle Waldhöfer Buben haben ihre Künste abgeguckt. Nun spielen sie selber — so schön, daß im grauen Tag die Herzen der Fußballanhänger höher schlugen. Und doch war es ein Wunder, daß diese glänzendere Elf gewann, denn Eintracht, einfacher, klarer zum Ziel strebend, schießversessener, Eintracht hatte mehr Chancen. Schon bei der Pause wäre ein 4:2 möglich gewesen. Zweimal rauschten Schüsse von Künz an den Pfosten, xmal warf sich der kleine, schwarze Drayß wie ein unheimlicher Schatten in die verzwicktesten Geschosse, überkugelte sich, um einen Ball noch von der Linie zu zerren, riß urplötzlich die Hände hoch und stieß damit einen Wirschingschen Blitzschuß aus sechs Meter über die Latte. Drayß, einst der Stolz von Lorsch, Drayß ist ein hoher Könner geblieben.

Und dann kam langsam der Gast. Nun sah man: Waldhof hatte eine kleine, aber wichtige Spanne mehr Geschliffenheit, mehr Ballgefühl. Die Mannheimer Spieler lösten sich leichter vom Gegner und ihre Stürmer brachten Eintrachts Schlußleute bös in Bedrängnis. Dann aber schossen sie oft miserabel, so mäßig, daß man auch ihnen keinen Siegtreffer zutraute. Vier hochbegabte Stürmer — Günderoth, Bielmeyer, Erb, Fanz — dazu ein Junger, der noch nicht so weit ist, Eberhardt. Vor allem aber war Heermann wieder dabei, ein Halt der ganzen Elf.

Die Entscheidung fiel, als zwei Minuten nach Beginn der Verlängerung der gescheite Bielmeyer eine schlaue Vorlage in den Strafraum schickte und der „lange Sender Erb" Knall und Fall einschoß. Schwarzblau war überglücklich, die Eintracht sehr traurig: denn fünf Minuten vorher hatte ihr Stürmer Kunz die großartigste Gelegenheit im Spiel verpaßt, als er allein vor Drayß stand und sich dann den Ball zu weit vorlegte. Wer uns besonders gefallen hat? An Aufopferung und Tempo: alle. Im einzelnen: bei Waldhof Drayß, Schneider, Heermann, Bielmeyer, bei der Eintracht Wirsching vor der Pause, Adam Schmitt immer, Feick gelegentlich, Opper durch seinen Tordrang. Sehr energisches, aber hochanständiges Spiel.      T.O.K.

 

 


Eintracht Frankfurt wurde in letzter Zeit bekanntlich von Dr. Metzner und Gramlich gemeinsam geführt. Die Riederwälder müssen nun schweren Herzens für die nächste Zeit auf alle beide verzichten: nachdem Dr. Metzner bereits schon länger als SS-Arzt im Osten tätig ist, hat nun ebendahin die Pflicht auch den SS-Mann Gramlich gerufen.      Arbiter. (aus dem 'Kicker' vom 21.11.1939)

 

 


 

 

Südwests Hoffnung: FSV.
Eintracht — SV Waldhof 0:1 n. V.

Gleichzeitig: Südwests allerletzte Hoffnung. Denn Eintracht Frankfurt unterlag daheim dem SV. Waldhof Mannheim 0:1 (n.V.), unterdessen das Spiel des FSV. Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf ausfiel (ebenso mußte auch die Begegnung Köln Sülz 07 gegen Westende Hamborn ausfallen).

SV. Waldhof hatte gegen Eintracht seine stärkste Elf zur Stelle, war nach der Pause überlegen und schaffte in der 2. Minute der Verlängerung zum verdienten 1:0-Sieg. Torschütze: der junge Mittelstürmer Erb, der mit einem Abschlag des Mannheimer Torwarts auf und davon zog, sich durch die gegnerische Abwehr wand und unhaltbar einschoß. Bis zur Pause verhütete vor allem Drays im Waldhof-Tor durch große Paraden mögliche Frankfurter Erfolge. Erb und Drays gehörten mit Schneider, Heermann, Siegl und Bielmeier auch zu den besten Mannheimer Spielern. (aus dem 'Fußball' vom 21.11.1939)

 

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