SV Wiesbaden - Eintracht Frankfurt

Gauliga Südwest,  Gruppe Mainhessen 1939/40 - 5. Spiel

3:0 (2:0)

Termin: 04.02.1940
Zuschauer:
Schiedsrichter: Oswald (Worms)
Tore: 1:0 Fleisch (41.), 2:0 Fleisch (44.), 3:0 Pischzek (85.)

 

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SV Wiesbaden Eintracht Frankfurt

  • Wolf
  • Grigutsch
  • Pischzek
  • Schulmeyer
  • Fleisch

 


 

Trainer
Trainer

 

Es tut sich was, im Gau Südwest!

Frankfurt a. M., 21. Januar.

Die Erinnerungen an das prächtige Pokalspiel Südwest — Bayern müssen noch diesen Sonntag ausfüllen, an dem der gute alte Fußball gänzlich eingefroren ist. Aber besser alle paar Wochen ein wirklich erstklassiges Spiel als jeden Sonntag ein schlechtes ... Um so erfreulicher, daß gerade dieses Pokalspiel den Frankfurter Zuschauerrekord der Kriegsfußballspiele brachte.

Das Publikum ist ja für gute Leistungen so unendlich dankbar. Es verläßt den Sportplatz im Hochgefühl des gebotenen Genusses, hat Gesprächsstoff für einige Tage und ist überzeugt, einen wunderschönen Sonntag verbracht zu haben. Wenn dazu der Schmerz entfällt, die heißgeliebte eigene Mannschaft verlieren zu sehen, dann ist die Freude restlos ungetrübt.

Nur eines begehren die Zuschauer immer wieder: kraftvoll geschossene Tore. Das übertrumpft alle Feinheiten. Da hierin die Stärke von Mannschaften wie Fußballsportverein und Offenbach liegt, erklärt sich auch die große Popularität dieser Vereine. Die Zuschauer halten immer mehr davon als von „konstruktiven" Mannschaften im Sinne der Eintracht.

Man beachte den Fußballsportverein: Er verliert seine „Kanoniere" Dosedzal und Schuchardt. Schon wächst der junge Schultheiß in die Lücke. Auch Schultheiß wird eingezogen. Jetzt ist der jugendliche Trapp da, eigenes Gewächs, doch wiederum „Kanonier des Lederballes". Diese Sorte geht in Bornheim nie aus.

Die Offenbacher schlagen auch den einfachsten Weg zum Tore ein. Auf dem Bieberer Berg finden sie ihn am leichtesten. Und wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen.

Leider haben die Kickers ein schweres Opfer bringen müssen. Einer ihrer jüngsten und hoffnungsfreudigsten Stürmer, der erst 20 Jahre alte Heinz Göbel, verunglückte tödlich an der Westfront. Göbel hatte erst vorigen Monat das Eiserne Kreuz erhalten, nach einem Spähtruppunternehmen, das er ebenso schneidig vortrug, wie seine gefürchteten Angriffe als Halbrechter der Kickers. Er gehört der Generation der Hohmann, Tschatsch und Beier an. die den vorzüglichen Nachwuchs der Offenbacher bilden. Es ist der erste Verlust unter den bekannten Spielern des Gaues.

Die Kriegsmeisterschaft der Gruppe Main-Hessen sieht im Augenblick als Favoriten die Kickers, als deren Hauptkonkurrenten den FSV., und als Außenseiter die Eintracht. Man kann also sagen, daß alles normal verläuft.

Die Kickers sind mit am wenigsten von Einziehungen betroffen. Dagegen hat beispielsweise Niederrad 26 Spieler seiner ersten Elf und Reserve abgeben müssen. Hier ist auch der ausgleichende Kriegszuzug sehr gering. Wenn ein bekannterer Spieler nach Frankfurt kommt, dann zieht es ihn zur Eintracht. Man denke an den Kölner Internationalen Moog, an Lehmann, Freiburg, Resch, Saarbrücken, und den Neffen des Reichstrainers Herberger, Karlsruhe. Das langt aber auch kaum um die Ausfälle auszugleichen!

In der Gruppe Saar-Pfalz spielt Kaiserslautern die erste Geige. Verstärkt durch den immer noch unermüdlichen Hergert und mit Walter im Sturm sind die Erfolge Kaiserslauterns verständlich. Meister Wormatia hatte dafür zu viel Ausfälle. Nur gelegentlich machen unentbehrliche Kräfte wie Eckert und Kiefer mit. Man sah zwar einmal auch die Hannoveraner Gebrüder Meng und Malecki, aber das konnte doch nicht alle Lücken füllen. Die Abwehrspieler sind zu sehr betroffen.

Die Stellung von Kaiserslautern ist trotzdem immer noch nicht unbestritten. Frankenthal, eine aufstrebende Elf, und die alte Borussia Neunkirchen haben auch ihre Ansprüche angemeldet. Und bei Worms kann es jederzeit zu einem jener Umschläge kommen, durch die uns Worms schon öfter überrascht hat.

Die Meisterschaft hat damit in beiden Gruppen ihr Interesse beibehalten. Und wenn es viele Hemmungen gibt, dann ist daran viel mehr der strenge Winter als der Krieg schuld, selbst in einem Gau wie Südwest, der ja unmittelbare Frontberührung hat.

Wenn der Wettergott es gestattet, dann stehen wir auch vor entscheidenden Spielen. So empfangen die Offenbacher Kickers ihren Konkurrenten Fußballsportverein, den sie im Falle eines Sieges distanzieren könnten, während Kaiserslautern nach Worms muß, wo es immerhin eine Feuerprobe zu bestehen hat.     Dr. C.E.L. (aus dem 'Fußball' vom 23.01.1940)

 

 


 

 

Auch in Wiesbaden war das Feld alles andere als einladend. Eintracht Frankfurt hatte ihre höchste Last, um auf dieser Unterlage mit dem Ball fertig zu werden. Es erwies sich, daß der von den Technikern sonst so verpönte

Spitzkick heute die wirksamste Waffe

war, um mit den Vorlagen halbwegs zum Ziel zu kommen. Die Wiesbadener in der gewohnten Aufstellung der letzten Zeit schlugen ihren Gegner letzten Endes klar, weil die Formationen ihres Gegners schlechter als die ihren waren, weil sich die Kurstädter um einiges besser mit den gegebenen Bodenverhältnissen abfanden und weil die taktische Arbeit der Riederwälder Stückwerk blieb. Besonders deren Seitenläufer Köhler und Höfer ließen den Wiesbadener Verbinder Grigutsch und Pischzek so viel Raum und Zeit, daß diese ihre Flügel Schulmeyer und Fleisch immer wieder zu gefahrbringenden Attacken einsetzten konnten. Vorerst zwar hielt das famose Spiel des Stoppers Lehmann und des Rechtsverteidigers Moog den Laden noch sauber, aber als sich gerade bei diesen Besten der Eintracht kurz vor der Pause Ermüdungserscheinungen zeigten, fand der Ball zweimal den Weg zum ungedeckten Linksaußen Fleisch, der erst mit dem Fuß und dann mit dem Kopf erfolgbringend hintupfte. Frankfurts Angriff scheiterte an dem dauernd abseits stehenden Linksaußen Resch, an der Unbelehrbarkeit des Mittelstürmers Heyl, der immer dahin durch wollte, wo gerade kein Platz war und an der soliden Arbeit der Wiesbadener Deckung. Kurz vor Schluß legte Pischzek noch einmal die Kugel ins Netz, und zwar mit einem Absatzkick nach Flanke Schulmeyers, dem emsigsten und erfolgreichsten Stürmer vom heutigen Tage. Eintracht hatte von der alten Stammgarnitur Wirsching und Heyl zur Stelle. Die Gastspieler Moog und Lehmann sowie nicht unbegabte Junioren, wie Henig, der wiederholt beste Tormannsarbeit leistete, waren die Stärken der Adlerträger. Wiesbaden ist auf den dritten Tabellenplatz vorgestoßen, indem es die Eintracht um einen Punkt, allerdings auch um ein Spiel, hinter sich gelassen hat. (aus dem 'Kicker' vom 06.02.1940)

 

 


 

 

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(aus den 'Vereins-Nachrichten' vom März 1940)

 

 


 

 

(aus dem 'Frankfurter Volksblatt' vom 05.02.1940)

 

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