Eintracht Frankfurt - SSV Reutlingen

Oberliga Süd 1950/51 - 1. Spieltag

4:1 (3:0)

Termin: 20.08.1950 am Bornheimer Hang
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Port (Nürnberg)
Tore: 1:0 Willi Kraus (6.), 2:0 Roland Schmitt (15.), 3:0 Hubert Schieth (31.), 4:0 Willi Kraus (80.), 4:1 Kilian (83.)

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt SSV Reutlingen

 


  • Braun
  • Baum
  • Meßmer
  • Schwille
  • Strobel
  • Feuerlein
  • Kilian
  • Rauner
  • Hubrich
  • Langjahr
  • Richter

 

Trainer Trainer
  • ??

 

 

Wiedersehen mit Verteidiger Kolb

Strafraumschreck Reichert

Etwas enttäuscht gingen die 8000 Zuschauer vom Bornheimer Hang nach Hause. Sie hatten einen echten Punktekampf erwartet, aber das Spiel sah Eintracht nach 31 Minuten 3:0 in Führung und wirkte danach bis zur Halbzeit wie ein leichtes Freundschaftsspiel. Vielleicht kamen die Reutlinger mit Lampenfieber, vielleicht fielen auch die drei Tore zu rasch, die sie In Verwirrung brachten. Sicher ist, daß der ehemalige Südzonenligameister am Hang wenig Oberligareifes zeigte.

Wir sprachen mit Willibald Kreß, dem erfahrenen, früheren Nationaltorhüter, der jetzt Hessens Fußballverbands-Trainer ist. Er meinte, daß die Reutlinger ohne Oberliga-Erfahrung, zu durchsichtig und offensichtlich wirkten. Mitunter zeigten sie aber Spielzüge, die auf Können schließen ließen. Den Reutlingern fehlte Oberligaerfahrung, aber dafür hätte man sie von der Eintracht erwarten müssen. Als sie nach 31 Minuten 3:0 führte, war es durchaus möglich, diese Führung weiter auszubauen. Stattdessen aber gefielen sich die Eintracht-Stürmer trotz ihrer Ueberlegenheit in unnützem Herumtändeln vor der Strafraumgrenze.

Kraus war einfallsreich, hielt aber nur selten seine Stellung und im Sturm trat Pfaff selten, Schieth nur mit hohen, unplacierten Schüssen und unproduktiven Dribblings in Erscheinung. Der Ex-Würzburger Schmitt machte seine Sache ganz ansprechend. Am rechten Flügel spielte Reichert ohne Schnörkel, überlegt und auch mit gefährlichen Schüssen aufwartend. Immerhin hatte er mit Meßmer den besseren Verteidiger gegen sich und daß der kleine Ex-Hofheimer nicht zu Torehren kam, lag an seinem persönlichen Pech. Er donnerte das Lattenkreuz an, traf vor Halbzeit nochmals mit Bombenschuß die Latte und gab Vorlagen zum dritten und vierten Treffer.

Hinter dem Eintracht-Sturm stand selten eine vollwertige, aufbauende Läuferreihe. Pfaff bediente Kudras meist ungenau und Bechtold verdiente sich als Abwehrspieler Lob, da er oft bei Giller aushelfen mußte. Bechtold war in den hinteren Reihen der Beste und Ludwig Kolb, der vor zwei Jahren in Idar Oberstein schwer verletzt wurde, feierte als Verteidiger ein erfreuliches „come-back". Gillers Schläge kamen meist hoch und unsauber.

Die Reutlinger hatten mit Langjahr, der am Kopf verletzt wurde; und dem Ex-Tübinger Hubrich ihre besten Stürmer. Auch Kilian trat vor Halbzeit gut in Erscheinung. Schwach dagegen war Reutlingens Stopper Strobel. Ihn mußte Feuerlein oft vertreten, und es gereicht Schieth kaum zum Lobe, daß er gegen diesen klassearmen Stopper nicht besser zum Zuge kam. Erst nach der Pause rafften sich die Reutlinger zusammen. Sie wirkten auf einmal im Mittelfeld durch Langjahr und Feuerlein überraschend gefährlich und einige Male stand die Eintracht-Abwehr vor schweren Proben. Doch Henig, Kaster und Bechtold behielten die Ruhe.

Kurz die Tore: In der 6. Minute legte Schieth nach vorn, Pfaff trat über den Ball, aber Kraus war an Baum außen vorbeigelaufen und schoß aus abseitsverdächtiger Stellung ins lange Eck. Beim zweiten Tor durch Schmitt machte Reutlingens Schlußmann Braun eine unglückliche Figur, als er den flach und zudem schwach geschossenen Ball unter sich durchließ. Einen Einwurf von Kaster schlug Reichert nach vorn, Strobel stand ausgespielt im Mittelfeld, Schieth gang auf und davon und schoß an dem zu spät startenden Braun vorbei zum 3:0 ein.

Bevor die Eintracht zu ihrem vierten Tor kam, mußte Henig Schüsse von Kilian, Langjahr und Hubrich halten. Eine feine Leistung von Kraus, als er sich (jetzt halblinks spielend) durchsetzte, von Reichert den Ball wieder zurück erhielt, und zum 4:0 einschoß. Dann erregte der es sich äußerst bequem machende Schiedsrichter Port in der 83. Minute die Zuschauer und Spieler, als Richter einen Ball, der die Tor-Außenlinie überschritten hatte, hereinschoß, die Eintracht-Abwehr „aus" reklamierte und Kilian diese Flanke zum 4:1 einköpfte. Schiedsrichter Port ließ sich nicht beirren und fragte nicht einmal den Linienrichter. (aus dem 'Sport-Magazin' vom 23.08.1950)

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