FSV Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Süddeutscher Pokal 1952 - Gruppe 1 - 2. Spiel

1:0 (1:0)

Termin: 11.05.1952
Zuschauer: 7.000
Schiedsrichter: Rosenkranz (Kassel)
Tore: 1:0 Gonschorek (6.)

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FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt

  • Rado
  • Schaffner
  • Hasse
  • Lurz
  • Schwarz
  • Scheerer
  • Mayer
  • Nold
  • Gonschorek
  • Eberling
  • Niebel

 


 

Trainer
Trainer

FSV hatte die besseren Nerven

Dieses Frankfurter Derby stand genau in der Mitte des Frankfurter Saisonfußballs. Bis zur Halbzeit war es ein sehr ordentliches und aufregendes Spiel, so aufregend, daß beispielsweise der eine Linienrichter, als er mit männlicher Wendung dem vorbeirauschenden Ball sich zuwandte, ohne Berührung mit einem „Gegner" einen Salto durch die Luft schlug. Nach der Pause war es so eintönig und schlecht, daß hie und da Pfiffe laut wurden.

Der FSV begann etwas ungewohnt mit einem Spiel, in dem die lange Ballführung seiner Männer überraschte, und die Ballabgaben, die dann nach Angriff des Gegners herauskamen, überhastet und ungenau waren. Ein Fressen für die Eintracht, die gut kombinierend das Feld beherrschte. Ihr altes Leid des „keine Tore schießen könnens" blieb indessen auch hier gewahrt, wenn einmal Pfaff beispielsweise nach einem soliden Durchlauf den Ball bis Rado gebracht hatte, um zu warten, wie dieser gemütlich den Fußball von der Stiefelspitze wegnahm; oder wenn ein ein anderesmal Pfaff völlig freistand und „nur einzuschießen brauchte", wie das Fußballvolk gerne sagt, und dann buchstäblich das Schießen vergaß — ja, dann wußte man, warum die Eintracht nicht gewinnen konnte.

Denn eines ist sicher: der FSV hatte auch Meyer und ohne den Nationalspieler Herrmann die besseren Nerven, und die besseren Torschützen. Das funkte nur so von allen Seiten. Kaum einmal stießen Niebel oder Mayer an den Linien vor, ohne daß nicht anschließend ein Schuß krachte, der Henig einiges abforderte. Das war die Tugend des Sportvereins, der damit den Pokalsieg rettete so sehr manchmal die Eintracht die bessere Mannschaft zu sein schien. Im einzelnen wird man dem Sportverein neben der Schußkraft seiner Stürmer (Niebel und Nold von besonderem Eifer beseelt) auch eine gute Leistung der Deckung bescheinigen dürfen, selbst wenn sie manchmal ins Gedränge geriet. Vor allem Schwarz hat mit beherztem Dazwischenfahren wieder gefallen. Die übrigen kämpften verbissen, Hasse, Lurz und Scheerer und auch noch Nold, der neben seiner Sturmaufgabe auch noch an seine alten Deckungsgelüste dachte.

Bei der Eintracht fiel am meisten die gute Läuferreihe auf, in der uns diesmal sogar die Außen besser gefielen als Mittelläufer Wloka. Dieser hatte nicht nur das Tor des FSV auf dem Gewissen, sondern war auch sonst manchmal nicht so sicher, wie man ihn in der Zwischenzeit einzuschätzen gelernt hat. Aber Heilig erlebt den zweiten Frühling seiner großen Laufbahn ebenso wie Bechtold, der als Ankurbler des Angriffs, als Deckungsmann und als Freistoßschütze zu gleichen Teilen hervorragend war. Kaster und Kudraß schlagsicher, aber nicht genügend auf Zuspiel bedacht. So wanderte über die Außenläufer eine Chance nach der anderen, die die Stürmer immer irgendwie vergaben. Jänisch und Krömmelbein fanden nicht die Form ihrer besten Spiele. Geier war eine Stunde lang famos, um dann aber abzufallen. Pfaff war phantastisch bei mancher Ballführung und doch auch ein „Phantast", wenn es Tore zu vergeben galt. Der kleine Schwan recht aufgeweckt. „Mein lieber Schwan!" meinte anerkennend ein Nachbar von mir, wenn er sich wieder ins Getümmel stürzte.

Nach sechs Minuten fiel schon das Tor des Tages, als Schwarz „nichtsahnend" einen hohen Ball nach vorne schaufelte. Um ihn kämpften Wloka und Gonschorek, und zur allgemeinen Ueberraschung blieb Gonschorek Meister über die „Wolga" und hatte freie Bahn zum 1:0. Guter Freistoß Pfaffs durch die Mauer, mit Rados Fingerspitzen zur Ecke gelenkt. Wieder ein Freistoß, den Bechtold mit Wucht an den Pfosten setzte, von wo er, vor der Torlinie tanzend, beiseite sprang. Rado warf sich Jänisch in den Schuß, als Geier durchlenkte. Und noch ein Geierschuß zur Ecke. Geier frei durch nach der Pause, aber vorbei, und Schwans prachtvoller Rückzieher, den Rado fing.

Dann ließ die Eintracht mächtig nach. Eine Zeitlang war überhaupt nichts los, bis sich der Sportverein aufraffte und einen Zwischenspurt einlegte. In dieser Zeit wurde die Begegnung, die Rosenkranz gut leitete, sogar hart, aber im sommerlichen Stil ging die Partie mit Kaster als Stürmer ihrem Ende entgegen. (aus 'Der neue Sport' vom 12.05.1952)

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