Eintracht Frankfurt - Karlsruher SC

Oberliga Süd 1952/53 - 29. Spieltag

4:1 (1:0)

Termin: 18.04.1953
Zuschauer: 36.000
Schiedsrichter: Kandelbinder (Regensburg)
Tore: 1:0 Alfred Pfaff (2.), 2:0 Hubert Schieth (53.), 2:1 Kunkel (67.), 3:1 Hubert Schieth (75.), 4:1 Hubert Schieth (77.)

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Karlsruher SC

 


  • R.Fischer
  • Trenkel
  • Roth
  • Sommerlatt
  • M.Fischer
  • Dannenmeier
  • Kunkel
  • Rastetter
  • Bechtold
  • Rau
  • Strittmatter

 

Trainer Trainer
  • ??

 

 

Angriff doch die beste Abwehrwaffe - Eintracht in strahlender Laune - Drei Prachttore Schieths - Mühlburg zu verspielt, aber ein guter Verlierer

Eintracht Frankfurt süddeutscher Meister

Das Wettrennen um Sein oder Nichtsein in den Spielen um die Deutsche Fußballmeisterschaft hat sich für die Eintracht in einer Art entschieden, die für die 35000 Zuschauer geradezu frappierend war und einen Begeisterungssturm entfachte, wie man ihn am Riederwald nicht alle Tage erlebt. Brachten die letzten Wochen für die Anhänger der Adlerträger serienweise Enttäuschungen, so war die Freude über diesen Erfolg verständlicherweise um so größer.

Dabei hatte vor Beginn der prickelnden Auseinandersetzung das Angstgespenst noch Hausrecht am Riederwald genossen und trotz aller Hoffnungen und Wettanlagen auf ein Unentschieden glaubte doch die Majorität darum bangen zu müssen wie ein Prüfling um das „Bestanden" des Professors nach einem Examen. Zu oft schon hatten die Karlsruher Vorstädter in Frankfurt allzu heftig das Zepter geschwungen und die bisherige Bilanz mit zwei Siegen des KSC gegen einen der Eintracht bei zwei Unentschieden flößte schon einigen Respekt ein.

Es war das große Glück an diesem herrlichen, sonnigen Samstagnachmittag, daß den Eintrachtspielern offensichtlich das Herz weniger tief in die Hosen gerutscht war als der Mehrzahl ihrer Anhänger. Sie ließen sich jedenfalls von ihrem bisherigen Punkteschreck nicht im geringsten beeindrucken, sondern gingen ihn gleich mit offenem Visier an. Es zeigte sich dann auch wieder, daß der Angriff immer noch die beste Abwehrwaffe ist, denn die Mühlburger hatten sich noch gar nicht so recht von ihrem Lindenfelser Erholungs- und Kräftigungsurlaub gelöst und sich wieder auf die rauhe Wirklichkeit umgestellt, als auch schon die Frankfurter in Führung lagen.

Schneid abgekauft

Das war bei Gott kein Beinbruch und schon gar nicht zu einer solch frühen Stunde, aber es mag mit dazu beigetragen haben, daß den Gästen von vornherein der Schneid abgekauft war. Sie kamen einfach nicht dazu, ihre Mannschaft zu einer sinnvollen Einheit zu formen und ihr Spiel wirkte — bei aller Wertschätzung des hohen technischen Könnens — irgendwie lasch und improvisiert. Im Mittelfeld wurde umständlich in die Breite kombiniert und was in einem Zuge hätte erledigt werden können, das walzte man zu drei Spielzügen aus, um dann am Eintrachtstrafraum das Ganze wie ein Taschenmesser zusammenklappen zu lassen und auf Kurzpaß umzustellen. Das war natürlich bei einer Deckung wie der der Eintracht des Wahnsinns letzter Ratschluß.

Auf diese Art dirigierten die Abwehrkönige des Tabellenführers das Geschehen nach Belieben und die Zuschauer bekamen mehr und mehr das sichere Gefühl der Zuversicht. Bechthold markierte Strittmatter nicht minder genau wie auf der anderen Seite Kudraß den gefährlichen Kunkel, der im Feld wohl seine Fäden spinnen konnte, im entscheidenden Moment aber seinen Bremsklotz nicht abstoßen konnte. Vielleicht machte auch das Mühlburger Stürmerspiel die Tatsache so harmlos, daß man mit nur vier Mann operierte und einen der Halbstürmer stets an der Mittellinie Schildwache beziehen ließ. Damit war der Läuferreihe der Platzherren der Weg zu einem sinnvollen Aufbau geebnet, wobei sich besonders Krömmelbein mehr und mehr als Meister dieser Sparte in den Vordergrund spielte.

Heilig hatte zunächst mit Rastetter einige Rätsel zu lösen, lief dann aber nach einigen unsauberen Abwehren (Handspiele!) zu grandioser Form auf. Die Mühlburger Angriffsspitze kam bei Wloka höchst selten zur Geltung und man muß bezweifeln, ob Bechtel an Stelle von Beck die größere Gefährlichkeit mitbrachte. Die Nummer neun der Karlsruher zeigte zwar nette Tricks und auch ein gefälliges Zu- und Abspiel, aber es blieb alles zu weich, seicht und unproduktiv im Endeffekt. Es kann nicht geleugnet werden, daß daran Sommerlatt als rechter Läufer viel Schuld trug. Der Amateur-Internationale befand sich zwar ständig auf Achse und schuftete wie ein Kuli, aber sein Tatendrang im Vorderfeld war ebenso Gift für das Mühlburger Spiel wie seine unkontrollierten Abschläge in der Deckung.

Das Eintrachtspiel wirkte insgesamt wuchtiger und weitaus gefährlicher als das der Gäste. Während der Mühlburger Sturm mit Schüssen geizte und das kleine Quantum der „Torböller" noch meist ohne Richtungsanweiser durch die Gegend feuerte, war auf der anderen Seite meist etwas los, wenn der Strafraum erreicht war. Trotzdem ging auch im Eintrachtsturm nicht alles nach Wunsch und es käme einer Verblendung gleich, wollte man die Schwächen aus der Freude über den Sieg heraus geflissentlich übergehen.

Die Außenstürmer taten sich an diesem Tag besonders schwer, wobei Ebeling in seinem früheren HSV-Kameraden Trenkel einen nicht minder unerbittlichen Gegner fand wie Dziwoki in dem zweifellos besten Spieler der Mühlburger, Roth. Dziwoki wies lediglich gegen Schluß der Begegnung einige gute Momente auf, aber er vertat mit seiner Eigensinnigkeit viel, Ebeling hatte seine beste Zeit Mitte der zweiten Halbzeit; er ist allerdings auch an mageren Tagen immer gefährlich und hat den großen Vorteil für sich, daß er erst die Lage peilt, ehe er schießt oder abspielt. Die Enttäuschung dieses Spiels war Jähnisch, der selten Bande fand und selbst seine Schnelligkeit nicht wie sonst in die Waagschale werfen konnte. Dagegen schien Schieth zum Glück wie einem Jungbrunnen entstiegen. Man fühlte sich unwillkürlich in seine Rödelheimer Zeit versetzt, wo er, jungenhaft frisch, ohne Hemmungen und zwingend spielend, zum Schrecken der Torleute wurde. Seine Vorstellung diesmal gibt erfreuliche Aspekte für die kommenden Spiele. Stürmer-As Nummer 2 war zweifelsohne Pfaff, der mit und ohne seine nur einmal zum Repertoire zählenden fußballerischen Clownerien zu begeistern weiß, wenn er mit dem richtigen Fuß am Morgen das Bett verlassen hat. Wir haben ihn lange schon nicht mehr so agil und ausdauernd gesehen wie gegen Mühlburg. Man kann sagen: es war zur rechten Stunde.

Ouvertüre mit Paukenschlag

Bereits in der zweiten Minute hieß es 1:0, als Schieth einen Ball zu Paff schlug, der das Leder mit dem Kopf abfing und losspurtete. Nachdem Dannenmeier den Anschluß verpaßt hatte, mußte notgedrungen Fischer sein Heiligtum verlassen, aber der Eintrachthalblinke ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und praktizierte das Leder lässig, wie es seine Art ist, an dem Hüter vorbei fein säuberlich ins Netz. Bei ausgeglichenem Mittelfeldspiel hatte die Eintracht durchweg die besseren Chancen. Ein gefährlicher Absatzkick von Jähnisch nach einer Schieth-Flanke erwischte Sommerlatt gerade noch vor der Linie und dann stand Schieth sieben Meter vor dem Tor in halblinker Position, aber Fischer war auf der Hut.

Toller Eintracht-Endspurt

Nach dem Wechsel geriet die Eintracht in einen Mühlburger Angriffswirbel, der ihr fast die Luft nahm. Die Deckung kam vorübergehend leicht ins Schwimmen und die Abschläge fanden sich meist bei dem gegnerischen Spieler wieder, der den Ball vorher in den Eintracht-Strafraum gejagt hatte. Urplötzlich aber machte sich die Platzmannschaft wieder frei. M. Fischer wertete eine Dziwoki-Flanke in eine senkrecht in die Luft steigende „Kerze" um, der Ball fand sich bei Ebeling wieder, der kurzentschlossen flankte. Haargenau bei Schieth kam das Leder herunter und von seinem Kopf spritzte der Ball an dem verdutzten Mühlburger Hüter vorbei ins Netz.

Dann wurde nach einer gewagten Parade R. Fischer verletzt und der für ihn im Tor spielende Dannenmeier hätte fast für den ulkigsten Treffer der Oberligaspiel gesorgt, als er — den Ball in der Hand — ins Tor spazierte, um die Mütze seines Vorgängers zu holen. Da aber nur er, nicht der Ball die Linie überschritten hatte, gab es nur einen indirekten Freistoß wegen zu langen Ballhaltens. Der KSC-Schlußmann kam übrigens nach vier Minuten zurück und nahm seinen Platz zwischen den Pfosten wieder ein.

Von der 60. Minute ab diktierte die Eintracht wieder das Geschehen und so kam der Mühlburger Gegentreffer sieben Minuten später wie der Bitz aus heiterem Himmel. Henig konnte einen Schuß Sommerlatts nicht festhalten und so ergab sich für den bereitstehenden Kunkel eine Einschußmöglichkeit, wie sie sich nicht alle Jahre wieder bietet. Dieser Gegentreffer zeigte bei den Adlerträgern jedoch keinerlei Wirkungen. Die Elf kam sogar noch besser ins Spiel als vorher und dann brachte die 74. Minute die eigentliche Entscheidung, als Jähnisch an Schieth eine Vorlage gab, die dieser aus dem Stand mit wuchtigem Schuß verwandelte. Auf die gleiche Art kam der vierte Treffer zwei Minuten danach zustande. Ebeling hatte eine Flanke vor den Mühlburger Strafraum gezogen, wo Schieth bereitstand und wuchtig einschoß.

Vorbildliche Verlierer

Die Mühlburger erwiesen sich als vortreffliche Verlierer, und so beifällig ihre Geste mit der Begrüßung der Zuschauer vor dem Spiel aufgenommen würde, so anerkannte man die Gratulationstour nach dem Eintracht-Sieg. Jeder einzelne Mühlburgen Spieler — so niedergeschlagen er auch war — gab jedem Eintrachtspieler die Hand. So ist der Sportgedanke sinnfällig dokumentiert. Bravo, Eintracht, bravo Mühlburg! (aus 'Der neue Sport' vom 20.04.1953)

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