Eintracht Frankfurt - 1. FC Kaiserslautern

Endrunde um die Deutschen Meisterschaft 1952/53 - 3. Spieltag

0:1 (0:0)

Termin: 17.05.1953
Zuschauer: 68.000
Schiedsrichter: Nettekoven (Bonn)
Tore: 0:1 Ottmar Walter (64.)

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Eintracht Frankfurt 1. FC Kaiserslautern

 


  • Willi Hölz
  • Ernst Liebrich
  • Werner Kohlmeyer
  • Horst Eckel
  • Werner Liebrich
  • Willi Wenzel
  • Erwin Scheffler
  • Fritz Walter
  • Ottmar Walter
  • Otto Render
  • Karl Wanger

 

Trainer Trainer
  • Richard Schneider

Der Spielfilm der neunzig Minuten

Fünfzehn Uhr vier pfiff Schiedsrichter Nettekoven (Bonn) das Spiel an. Eintracht übernahm sofort den Ball, wobei Render Schieth nur dadurch stoppen konnte, daß er ihn unfair anging. Der Freistoß brachte den ersten Eckball für die Eintracht ein, der knapp verschossen wurde. Eine herrliche Kombination Heilig/Schieth/Hesse/Ebeling schloß der Linksaußen mit einem kräftigen Schuß ab, der Hölz aus den Händen prallte, aber keinen Vollstrecker fand, da Pfaff zu weit rückwärts postiert war. Im Gegenzug erzwang auch Kaiserslautern den ersten Eckball, Wloka rettete in letzter Sekunde gegen den anstürmenden Ottmar Walter.

Nun kamen die Gäste besser ins Spiel und zauberten herrliche Flachpässe auf den grünen Rasen. Henig unterlief beim. Herauslaufen ein grober Fehler. Scheffler kam zum Flanken, aber Ottmar Walter war einen Schritt zu kurz. Kaiserslautern holte jetzt eine leichte Feldüberlegenheit heraus. Einen Gewaltschuß von Ottmar Walter hechtete Henig in großartiger Manier aus dem Tor. Als Bechtold einmal auf den Ball trat, setzte sich Fritz Walter in den Besitz des Balles, aber Kudraß rettete im letzten Augenblick.

Das Stürmerspiel der Eintracht wirkte etwas unkonzentriert, so daß die ungemein harte Deckung der Lauterer, die immer wieder ihren Platz wechselte und sogar mit den Stürmern tauschte, stets klären konnte. Nach 15 Minuten war die Eintracht plötzlich da, und erspielte sich einige gute Chancen, die aber überhastet vergeben wurden. Besonders Hesse entwickelte dabei großes Pech. Eine Flanke von Dziwoki sah den Mittelstürmer in Abseitsstellung, wodurch eine der größten Chancen in der ersten Halbzeit ungenutzt vorüberging. Gleich darauf konnte sich Hölz nach einer feinen Kombination von Schieth über Pfaff zu Dziwoki, der eine Meisterflanke vor das Tor zog, den Ball noch vor Hesse sichern. Auf der Gegenseite tötete Henig einen Schuß von Fritz Walter gerade noch, und dann unterlief im Gegenzug Dziwoki in aussichtsreicher Position ein Handspiel.

Eine großartige Chance für die Eintracht machte Hölz zunichte, als er mit Ebeling zusammen hochsprang und vor dem Linksaußen der Eintracht den Ball wegboxte. Ebeling ging dabei zu Boden und mußte für fünf Minuten verletzt ausscheiden. Gefährliche Situationen brauten sich jetzt vor dem Eintracht-Strafraum zusammen, wo die Adlerträger mit Macht versuchten, das Ergebnis so lange zu halten, bis ihr Linksaußen wiederkam. Dann unterlief Render das zweite grobe Foul gegen Schieth. Eine gefährliche Situation ergab sich dadurch, daß Dziwoki zurücklief, den Ball wegschlagen wollte und dadurch Ottmar Walter Gelegenheit gab, einen seiner gefürchteten Schüsse loszulassen. Dieser zischte aber knapp am Torpfosten vorbei.

Ein Heilig-Freistoß, zehn Meter vor dem Kaiserslauterner Tor, wurde von Pfaff zu Schieth gepaßt, und auch diese Chance machte Hölz zunichte. Dann klärte Heilig noch durch mächtigen Körpereinsatz, der nicht ganz einwandfrei war, gegen Scheffler, und die erste Halbzeit war vorbei.

Pfaff ohne Glück

Gleich nach der Pause schienen die Lauterer dem 1:0 nahe, als Kudras ein Handspiel unterlief, Scheffler den Freistoß butterweich zur Mitte gab, aber Fritz Walter um einen Bruchteil zu spät aufkreuzte. Dann waren die Frankfurter wieder an der Reihe und Hölz konnte ein schönes Zusammenspiel zwischen Ebeling und Pfaff, das der Halblinke mit einer wahren Bombe abschloß, nur noch durch Faustabwehr unterbinden. Wenig später knallte Ebeling ein Zuspiel von Pfaff in Himmel, Mond und Sterne und im Gegenzug sah man die größte Parade des Spiels von Henig, als er einen glasharten Wenzel-Schuß unter sich begrub.

Die Eintracht machte jetzt, in der 60. Minute, einen etwas nervösen Eindruck. Bechtold fabrizierte, etwa 20 m hinter der Mittellinie in der eigenen Hälfte stehend, mit einer Ballrückgabe in freier Richtung einen unnötigen Eckball, der zu allem Unglück, nachdem er mit Mühe und Not abgewehrt worden war, von Schiedsrichter Nettekoven noch einmal zurückgepfiffen wurde. Ein Zuschauer war das schwarze Schaf, das da an der Linie graste und dem Unparteiischen nicht gefiel. Zwei Minuten später war es dann passiert. Keiner dachte an etwas Böses, als sich Wanger, wie so oft in diesem Spiel, mit einem ungenügend abgeschlagenen Ball auf und davon machte und dann auch gegen Bechtold noch zum Flanken kam. Ein Leiberwall schien im Eintrachtstrafraum aufgebaut, das Leder prallte jedoch von Wlokas Knie in Richtung Ottmar Walter, der leicht einschoß.

War das die Entscheidung? Man hatte eigentlich zu dieser Zeit das Gefühl, denn nun kamen die Lauterer zum Zug, wie in den vorhergegangenen 70 Minuten nicht. Da wurden die Plätze in einer unnachahmlichen Art gewechselt, da spielten die Rothemden mit ihrem Gegner, als ob sie eine Klasse höher stünden. Blitzschnell und zügig, gekonnt und mit frappierenden Tricks gemixt lief die Lauterer Maschine. Da wirkte das Eintracht-Spiel direkt zerhackt und ausgebrannt.

Vielleicht war es ein Fehler der Gäste, in dieser Zeit plötzlich die Deckung zu verstärken, denn nach einem 10-Minuten Intermezzo einmaliger Fußballkunst waren plötzlich die Platzherren wieder da, aber der ständig nach vorn drängende Pfaff hatte an diesem Tag wirklich kein Glück. Zweimal hintereinander machte ihm Hölz mit schönen Paraden das Torglück zunichte und dann lief sich der Eintrachtler, aussichtsreich aufs Tor startend, an der 1. FCK-Deckung fest. Noch einmal notierten wir uns die Nummer 10 der Lauterer, Render, als er zweimal hintereinander grobe Fouls riskierte, die ihm das Pfeifkonzert der Zuschauer einbrachten.

Schiedsrichter Nettekoven hatte offensichtlich ein weites Herz, denn viele gefährlichen Spiele (auch Heilig mit seinem bei den Abwehren gefährlich vorgestreckten Fuß fiel darunter) der Gäste blieben ungeahndet. Dann glaubte sich die Eintrachtgemeinde im Tor-Himmel, aber Pfaffs ungemein gefährlich aufs Tor drehende Flanke fiel hinter das Netz. Noch einmal trumpften die Rothemden auf, von Liebrich II immer wieder nach vorne gejagt und immer von rechts drohte die große Gefahr.

Die 87. Minute brachte nichts ein

Alles wartete auf die berühmte 87. Minute der Eintracht, da schien der Ausgleich nicht mehr abwendbar. Eine Flanke von Ebeling wanderte vom Kopf Pfaffs zu Schieth, der den herausgestürzten Hölz überköpfte, aber urplötzlich stand Lieblich II auf der Linie und tötete die größte aller Chancen in dieser Begegnung ab. Es ging eben nichts zusammen bei den Eintrachtlern. Hesse versuchte es noch einmal mit einem Gewaltschuß, Pfaff rackerte sich ab, um die Entscheidung zu erzwingen und auch Ebelings Flanken verfingen sich immer wieder in einem Kaiserslauterer Bein. Dziwoki, der nach der Pause bedeutend selbstloser als vorher gespielt hatte, zog etliche gute Vorlagen zur Mitte, aber die Lauterer Deckung war inzwischen zu einem undurchdringlichen Block zusammengewachsen und hielt das Ergebnis. (aus 'Der neue Sport' vom 18.05.1953)

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