Eintracht Frankfurt - Kickers Oxxenbach

Deutsche Meisterschaft 1958/59 - Finale

5:3 n.V. (2:2, 2:2)

Termin: 28.06.1959, 15:00 Uhr im Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 75.000
Schiedsrichter: Asmussen (Flensburg)
Tore: 1:0 Istvan Sztani (1.), 1:1 Kraus (8.), 2:1 Eckehard Feigenspan (12.), 2:2 Preisendörfer (23.), 3:2 Eckehard Feigenspan (91., Elfmeter), 4:2 Istvan Sztani (107.), 4:3 Gast (109.), 5:3 Eckehard Feigenspan (117.)

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Kickers Oxxenbach

 


  • Walter Zimmermann
  • Karl Waldmann
  • Alfred Schultheiß
  • Willi Keim
  • Heinz Lichtl
  • Ernst Wade
  • Engelbert Kraus
  • Hermann Nuber
  • Siegfried Gast
  • Gerhard Kaufhold
  • Helmut Preisendörfer

 

Trainer Trainer
  • Bogdan Cuvaj

 

Erich Wick:

Der Triumph des Eintrachtsturms

Bei der Eintracht war es diesmal in erster Linie der Angriff, der den größten Erfolg des Jahres brachte, der zum letzten Mal in den Reihen der Eintracht angetretene Halbrechte Sztani war, wie immer, ein hervorragender und nützlicher Spieler, der sowohl im Angriff, wie in der Verbindung, ja auch in der Abwehr Menschenmögliches getan hat und dessen Eifer sich beispielhaft auf andere übertrug.

Nicht minder eifrig und der Initiator des entscheidenden letzten Tores war der Senior der Mannschaft, Richard Kreß, der in seiner Schnelligkeit kaum gehalten werden konnte. Und so war der Flügel mit Kreß—Sztani die entscheidende Waffe in Berlin. Auf der anderen Seite hing Pfaff meistens zurück und gab aus der Gegend des Mittelanstoßes die Vorlagen nach vorn, denen sich Lindner und Feigenspan annahmen.

So gut ihm einiges gelang — Pfaff war noch nicht ganz der Alte, und auch die Innenstürmer sahen sich einer hervorragenden Abwehr gegenüber, die ihnen im allgemeinen ebenbürtig war. Die Frankfurter Abwehr begann nicht so, wie ihre Anhänger es erhofften. Die Hauptschwäche lag bei Eigenbrodt, der in der ersten Halbzeit mancherlei Fehler machte und dessen Nervosität auch auf Stinka ausstrahlte. In der zweiten Halbzeit hatte er sich gefunden und gab Beispiele seines großen Talents. Von Anfang an war Höfer, der mit aller Härte und allem Einsatz kämpfte, der überragende Mann der Frankfurter Deckung. Und immer mehr wuchs Lutz neben ihm zu, einem ebenbürtigen Partner. Auch Weilbächer hatten einen guten Tag, und so war von der zweiten Halbzeit an gegen die Frankfurter Abwehr nichts mehr zu sagen. Loy hielt einige Schüsse sehr gut, war aber manchmal gegen die verwirrenden Angriffe Offenbachs in Gefahr.

Die 120 Minuten mit den acht Toren

Kaufhold hatte das Glück, die Platzwahl zu gewinnen und ahnte nicht, daß mit diesem Glück das Pech seiner Mannschaft schon begonnen hatte. Wer die Platzwahl hat, kann den Anstoß nicht haben; und der Anstoß der Eintracht führte auf direktem Wege bis ins Offenbacher Tor. Lichtl war der einzige Offenbacher, der vor dem 10-Sekunden-1:0 der Eintracht den Ball berührte. Von ihm prallte das Leder vor das rechte Bein von Sztani, der aus kurzer Entfernung einschoß.

Eine ganze Woche lang hatte Trainer Cuvaj seine Kickers vor dieser Ueberrumpelung gewarnt. Jetzt war sie da. Aber auch die Kickers waren plötzlich da. Wie auf einem Rennpferd die Sporen wirkte dieses Eintrachttor auf sie. Ehe sich die Eintrachtabwehr warm gelaufen hatte, zischte jener 30-m-Paß von Wade in die morsche Stelle dieser Abwehr und Berti Kraus lag im Sturm. Berti vollstreckte mit der Präzision eines Automaten. Als er flach die Ecke anvisierte, warf sich der herauslaufende Loy genau an den für ihn ungünstigen Punkt. Mit geradezu abenteuerlichem Unternehmungsgeist wagte Höfer einen Vorstoß auf eigene Kappe bis in Schußposition und erzwang eine Ecke.

Im klassischen Bogen flog das von Lindner hereingehobene Leder nach innen, wo Feigenspan seinen Kopf in die Flugbahn reckte. 2:1 für die Riederwälder! Zimmermann fühlte sich bei dieser Szene unfair behindert. Aber wenn der zweite Eintrachttreffer nicht ganz einwandfrei gewesen sein sollte, dann ließe sich auch über den Kickers-Treffer zum 2:2 streiten. Wieder entstand die linke Kickersflanke mit Kraus und Gast, die mit einer Art Pendelstaffel Eigenbrodt derart verwirrten, daß alles, was sonst noch zur Eintracht-Abwehr gehörte, in heller Aufregung an die Gefahrenlinie eilte. Prompt schob Gast den Ball nach rechts, wo Preisendörfer in voller Einsamkeit (abseits?) bereitstand. Erst beim zweiten Versuch gelang es dem Kickers-Linksaußen Loy zu überwinden.

Erst jetzt versteiften sich die Partner, die entgegen allen Erwartungen nicht daran gedacht hatten, vor einander zurückzuscheuen, die sich vielmehr ansprangen wie 22 Hitzeblitze, schwenkten auf dem gewohnten Gleis ein. Mit ihrem besonderen Zuspiel aus der Tiefe des Raumes gewannen die Kickers mehr und mehr die Oberhand. Nur handbreit flitzte unmittelbar vor der Pause ein Nuberschrägschuß am Pfosten vorbei. Verbissen, schockiert, angekratzt ging die Eintracht in die Kabinen, lachend und winkend verschwanden die Kickers.

Aber die Verbissenheit des Favoriten war in der Folge stärker als die Unbefangenheit des Außenseiters, In der zweiten Halbzeit war die Eintracht stets ebenbürtig bis leicht überlegen. Ein Sztani-Kopfball purzelte in der 63. Minute gerade noch über die Latte, aber auch Preisendörfer befand sich in der 3:2-Situation, als er gute zehn Minuten später unbedrängt weit vorbei zielte.

Den Ausschlag gab folgendes: die Kickers gingen in die Verlängerung wie eben in eine Verlängerung, aber die Eintracht ging hinein wie in ein neues Spiel. Ein Elfmeter, der Schiedsrichter Asmussen viel Schiedsrichtermut abverlangte, kam hinzu. Kreß war über die Fußspitze von Lichtl gestürzt, Feigenspan schoß ein. Das peitschte die Riederwälder hoch und mußte selbst den tapfersten Gegner deprimieren. Immer imponierender kam Lindner heraus, beschwor mit einem Schuß, der von Sztani ins Netz sprang, den vierten Eintrachttreffer herauf und Feigenspan spazierte nach einem Sprint sowie einer Sternsekunde von Kreß, der nach innen paßte, zum fünften Treffer über die Torlinie. Bevor dies passierte aber hatten die Riederwälder alle Aengste erlitten, die keinem Kickers-Gegner erspart bleiben. Gast verkürzte nach langer Wade-Vorlage in der sechsten Minute zum 4:3. Drei heiße Eckballszenen im Eintracht-Strafraum folgten. Erst dann klappte das Tableau auseinander: hie die Meister, dort die Geschlagenen. Das Derby der Derbys war gelaufen.

Das war ein Spiel!

Erich Wicks Gesamtkritik

Das war ein Spiel! Alles, was man vermutet hatte, wurde übertroffen. Zwei Mannschaften kämpften, die beide eines deutschen Meistertitels würdig gewesen wären. Die Eintracht als die glücklichere Elf gewann, und wenn ihr Sieg verdient war, dann wohl deshalb, weil sie sich bis zum Endspiel souveräner gezeigt hatte. Am Endspieltag allerdings entschied das Glück. Ein Elfmeter half der Eintracht, sich noch einmal zu besinnen, und so wurde aus dem 2:2 des regulären Spielschlusses noch ein 5:3.

Die Frankfurter sanken sich glücklich in die Arme, die Offenbacher haderten. Die Kickers durften mit eben soviel Stolz vom Platz gehen wie die Eintrachtspieler. Der Sieg, den die Eintracht im Berliner Olympiastadion vor 60.000 Zuschauern mit 5:3 Toren errang, war mit Glück erzielt und mit Hilfe eines Elfmeters errungen, den die Schlachtenbummler aus Offenbach leidenschaftlich bestritten, und den die Berliner selbst für zu hart und gnadenlos empfanden.

Es gibt wohl selten einmal ein Spiel, in dem es um so viel gegangen ist und in dem jeder, selbst der Unbeteiligste, mitgefiebert hat, das dann durch einen umstrittenen Elfmeter in eine bestimmte Richtung gedrängt wurde. Leider war die Idee, einmal mit dem Endspielschiedsrichter abzuwechseln und für den hervorragenden und immer wieder bewährten Kaiserslauterer Dusch den Flensburger Asmussen zur nehmen, nicht gerade glücklich. Meiner Meinung nach war der Schiedsrichter keineswegs so schlecht, wie ihn viele machen wollten, aber für ein Endspiel fehlte ihm doch die überlegene Ruhe, die der Kaiserslauterer mitbringt... Auch die Eintracht hätte sich über ihn beklagen können, denn das zweite Kickerstor war ziemlich deutlich abseits.

Auch sonst sind rund um das Endspiel Fehler gemacht worden. So war es doch, wie die Praxis zeigte, ein Fehler, das Endspiel in das Berliner Olympiastadion zu verlegen. Denn ein ungewohntes und für das große Finale des deutschen Fußballs geradezu beschämendes Bild waren die riesigen Lücken, die sich auf den Zuschauerplätzen zeigten. 60.000 statt 100.000 Menschen waren erschienen. Was hätte man für eine Endspielkarte in Frankfurt ausgegeben, wäre das Spiel hier im Frankfurter Waldstadion gelaufen, wo die beiden Vereine herstammten. Aber auch in Stuttgart, das sich aus anderen Gründen angeboten hatte, wären bestimmt keine Plätze übriggeblieben.

Fast alle in das Bundesgebiet geschickten Karten kamen unbenutzt zurück, bis auf die 5000 aus Frankfurt und Offenbach. Und da es am Sonntag regnete und gewitterte, als man versuchte, die zurückgekommenen Karten zu verkraften, saß man also in einem halbgefüllten Olympiastadion. So sehr jeder weiß, daß dieses schönste Haus des deutschen Sports den besten Rahmen für das größte Spiel im Jahr abgibt, so sehr empfindet man aber auch, daß dieser Eindruck nur dann entsteht, wenn keine Zuschauerlücken vorhanden sind.

Schnelles Tor

Dieser enttäuschende Eindruck war indessen schnell vergessen, als das Spiel begann und die Eintracht in Blitzesschnelle ein Tor erzielte, was zunächst bei den Berlinern die Erwartung aufkommen ließ, sie werde ähnlich wie in Ludwigshafen gegen Pirmasens ihren Gegner schnell überfahren. Aber je länger das Spiel dauerte, um so deutlicher wurde, daß die Kickers einen ebenbürtigen Gegner abgaben. In der ersten Halbzeit hatte man sogar den Eindruck, daß die Frankfurter in weit größeren Nöten schwebten als ihr Gegner.

Sonn und Wind halfen freilich in dieser Zeit den Offenbachern. Aber nach der Pause war es kaum anders. Die Eintracht fand und fand ihr Spiel nicht. Ein einziger Mann, Kaufhold, dem der Kickers-Trainer zuweilen einen ganz besonderen Posten in der Deckung übergeben hatte, hielt den ganzen Eintrachtsturm, eilte mit vor, verteilte die Bälle und strahlte eine Sicherheit aus, wie sie von den Frankfurtern nur wenige besaßen. Zunächst einmal schienen Eigenbrodt und Weilbächer verwirrt, als das Spiel begann. Es kam überhaupt ganz anders, als sie dachten.

Da kann man sich immer wieder vorstellen: in einem Main-Derby müßten beide Mannschaften ihren Gegner so genau kennen, daß sich kaum ein Spielzug entwickeln würde. Das Gegenteil war der Fall. Es gab kein Schema, kein sich Gegenseitig-Kennen, sondern ein ständiges Ueberlisten der Abwehren auf beiden Seiten. Und die Zuschauer kamen aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus. Nach der Pause erst fand sich die Frankfurter Deckung zu dem, was man in den bisherigen Gruppenspielen von ihr gewohnt war. Aber dieser Deckungsblock war auch dann noch lange nicht so hundertprozentig, da der Offenbacher Wirbelwind Krauß immer wieder dazwischenlegte und kaum zu halten schien. Von Minute zu Minute wuchs er in seine alten Zauberstiefel hinein. Ersparen wir uns die eingehende Kritik, die an anderer Stelle folgen soll. Denken wir daran, wie uns das Ereignis selbst gepackt hat, wie eine zweite Halbzeit lang die Mannschaften kämpften, wie sie tausendfach zu ermatten schienen und sich wieder aufrafften und wie sie mit verschwindenden und völlig unbeabsichtigten Ausnahmen ritterlich und fair gegeneinander kämpften.

Jubel der Berliner

Wir alle lebten im Olympiastadion mit wie die Millionen am Fernsehschirm. Längst hatte sich jeder von uns damit abgefunden, daß nach solchen Leistungen kein Sieger als ein verdienter Sieger herauskommen könne. Dieses Spiel hatte Hessen mit seinen beiden Klassemannschaften gewonnen und ihnen galt mit Recht der Jubel der Berliner, die von dem Spiel immer mehr mitgerissen wurden.

Vielleicht zeigte sich dann doch, daß man in Berlin dem Außenseiter ein wenig nachhilft. Es schien uns so, als ob immer mehr Zuschauer auf die Seite der Offenbacher übergingen, um sie, die Pechvögel des Tages, zu neuen Leistungen anzustacheln. Aber bei alledem blieben die Berliner schließlich doch objektiv genug, um der Eintracht den Sieg zu gönnen. Vor allem, als der Elfmeter durch einen weiteren Treffer, den wieder einmal der überaus eifrige Kreß herausgearbeitet hatte, in einen „richtigen" Sieg verwandelt wurde.

Als das Spiel zu Ende war, erwachten wir wie aus einer Betäubung. Die Eintracht war Meister. Uebereifrige Polizisten machten Jagd auf Frankfurter Schlachtenbummler, die den Innenraum zu erreichen suchten. Aufregung, Geschrei und Pfeifen ließen die Rede des DFB-Präsidenten Dr. Bauwens auf sich warten. Dann kam die Siegerschale, und ein großer Tag war zu Ende.

Unser Glückwunsch gilt der Eintracht, die in der süddeutschen Meisterschaft und in den anschließenden Gruppenspielen eine bestechende Form gezeigt hatte. Sie war seit Oktober ohne Niederlage und seit März ohne Punktverlust geblieben. Es gibt zweifellos, und das macht den Sieg gerechtfertigt, in der ganzen Bundesrepublik keine Mannschaft, die annähernd solche Erfolge aufweisen kann.

Unser herzliches Empfinden gilt ebenso den Kickers, die mit Glück ins Endspiel und mit Pech um die Meisterschaft gekommen sind. Sie waren wunderbar an diesem Tage; ihre unerwartet große Leistung wird ihren Anhängern unvergessen bleiben.

Gratulieren wir uns selbst und unserem hessischen Fußball, daß er zwei solche Mannschaften hervorgebracht hat. Und wünschen wir uns von Herzen, daß sie auch im kommenden Jahr wieder mit so großen Leistungen aufwarten mögen. Bei zwei solchen Meistertrainern, wie Oßwald und Cuvaj, ist einiges zu erhoffen.

Samstagnachmittag eines Endspielbummlers

Ludwig Dotzert auf der Fährte von Eintracht und Kickers

12 Uhr mittags. Mit dem Berlin-Clipper in Frankfurt gestartet. Berlin-Clipper heißt Stuttgart. Aber Zweifel, ob richtige Maschine, schnell verflogen. Eine Sitzreihe vor der meinigen die Damen Weilbächer und Kreß entdeckt. Mittleren Flug gehabt, nur hinter Dessau erhebliche „Frostaufbrüche"', um Eintracht-Masseur Etzold zu zitieren. Einflugschneise hat Schlaglöcher: Es hupst. Damen erklärt, wo die Tüten stecken. Unnötig gewesen. Eine Spielerfrau wird blaß, aber sie übergibt sich nicht. Wunderbar in Tempelhof aufgesetzt.

Zehn Minuten später um so heftiger aus den Wolken gefallen. Mann im Mond als Taxifahrer erwischt. „Wie's Spiel ausjeht? Wat fürn Spiel? Achne et Endspiel, is det hier? Det is mein erstes Wort." Vorsichtshalber sofort Zeitung gekauft, um ganz sicherzugehen. Vielleicht ist es doch Stuttgart.

Nein, wir sind richtig. Goldrichtig. Hier steht: „Berlin wird leidenschaftlich mitgehen, wenn morgen um 15 Uhr der hessische Bruderkrieg mit friedlichen Waffen beginnt. Berlin — das sind rund 50.000 aus dem Gebiet zwischen Heiligensee und Lichtenrade. Und das sind die 15.000, die über die Sektorengrenze kommen. Das sind die Zehntausende an den Fernsehschirmen."

*

In der Hotelhalle Kandelbinder (Regensburg) begrüßt. Gefragt, obs gut gehen wird. Versichert bekommen: „Dös glab i scho. In Berlin hams beim Endspiel noch keinen Linienrichter derschlagen."

In den Stabsquartieren angerufen. Eintracht besetzt, Kickers Offenbach getürmt. Von freundlichem Sopran glaubhaft versichert bekommen: „Auf Ehrenwort. Alle Mann ins Blaue gefahren." Also auf zur Eintracht. Probieren geht über telefonieren.

Idyll zum Malen angetroffen. Auf englischem Rasen, der sich sanft in den kleinen Wannsee wälzt, hier und da ein weißer Gartentisch. Hier und da ein Stuhl davor. Auf Krockethämmer gestützt oder an alte Bäume gelehnt die Solisten im lichtgrünen Raum verteilt. Fern wie ein Fixstern die Stadt Berlin. Noch ferner das Olympiastadion. Hier lasset uns verweilen.

*

Als erste Amtshandlung davon überzeugt, daß Istvan Sztani nicht entführt wurde. Das Gerücht fraß sich durch die Lande wie die Kartoffelkäfer. Kreß und Sztani spielten Krocket. Mit wachsender Begeisterung. Etwas weiter oben sitzt ein Mann vor einer Flasche Bier. Sieht aus wie ein Werkmeister von Siemens und hat ein Lächeln auf dem guten, rechtschaffenen Kleine-Leute-Gesicht, das allen Harm der Welt aufwiegt. Das ist Sztanis Vater.

Sämtliche Väter der Welt bedauert, die so wenig Möglichkeiten besitzen, ihre Vatergefühle auszuleben. Dieser hier — das sieht man ihm an — streicht seinen Sohn seit Stunden zärtlich über die Haare. Aber er tut es nie wirklich, auch wenn sich sein Sohn zu ihm setzt. Er darf nur stolz und scheu lächeln.

Ueberzeugt gewesen, das stimmt, was Spielausschuß-Berger meint: „Im Augenblick liegt Budapest am günstigsten bei Istvan." Es ist wahr, daß in Lüttich viele Dollars auf Istvan warten und in Frankfurt viele Freunde und Bewunderer. Aber in Ungarn warten die Eltern. Es ist nicht leicht für Istvan.

Mit Genugtuung festgestellt, daß Sepp Herberger (eben bei der Eintracht eingetroffen) sämtliche Spieler mit Namen kennt. Vielleicht, daß ihm mal dieser oder jener Name einfällt, wenn es an Nationalspielern mangelt.

Auf dem Weg ins Hotel bei den Kickers hineingeschaut. Glück gehabt. Sind gerade von Ausflug zurückgekommen. Stimmung Trainer Cuvajs nicht gerade himmelhoch jauchzend: „Zu unruhig in unserem Quartier. Berti Kraus noch immer nicht der alte Kraus. Aber Aufstellung hin und Taktik her — die besseren Nerven entscheiden. Und das Glück." Die Worte nicht mehr losgeworden: „Und das Glück, und das Glück. Das Glück ..."

Stimmen zum Endspiel

Dr. Peco Bauwens: „Es war ein dramatisches Kampfspiel, in dem die Offenbacher eine ausgezeichnete Rolle gespielt haben. Die Eintracht war in der Verlängerung die glücklichere Mannschaft."

Schiedsrichter Asmussen (Plensburg): „Zu dem etwas umstrittenen Elfmeter habe ich zu sagen, daß es ein absichtliches Foul war, das zu meiner Entscheidung führte. In solchen Fällen gibt es nichts anderes als einen Strafstoß!"

Paul Osswald: „Ich wußte, daß es so schwer werden wird. Es ist nicht alles so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hatte. Bei Offenbach haben Kraus und Kaufhold im Mittelfeld hervorragend Regie geführt. Aber ich glaube doch, daß unser Sieg gerecht ausgefallen ist."

Alfred Pfaff: „Die Offenbacher haben es uns in dem erwarteten Maße schwer gemacht. Zum Schluß waren wir aber dann doch die bessere Mannschaft."

Hermann Höfer: „Ich gebe zu, daß Berti Kraus mir heute mehr Sorgen gemacht hat als in anderen Spielen. Er war Offenbachs bester Stürmer."

Bogdan Cuvaj: „Zwei Entscheidungen haben uns den Sieg gekostet, die man nie verstehen kann. Beim zweiten Tor für die Eintracht wurde unser Torwart Zimmermann glatt unterlaufen. Für das, was Lichtl gemacht hat, kann man in einem deutschen Meisterschafts-Endspiel niemals einen Elfmeter geben!"

Heinz Lichtl: „Ich verstehe nicht, wie der Schiedsrichter Asmussen hier einen Elfmeter geben konnte! Es gab in diesem Spiel ganz andere Fouls, die er nicht strafte..."

Kapitän Kaufhold (Kickers): "Ich gratuliere der Eintracht trotzdem zur Meisterschaft. Die Buben können ja nichts dafür, daß wir so einen schlechten Schiedsrichter hatten. Wir wären genauso glücklich gewesen, wenn wir durch solche „Leistungen" des Schiedsrichters Meister geworden wären."

Amtsgerichtsrat Winter (Kickers): "Solange solche Schiedsrichter zu Endspielen eingesetzt werden, kann es keine sportlich gerechten Spielausgänge geben."

Willi Keim (Kickers): "Ich glaube, alle Erwartungen, die man in dieses Endspiel gesetzt hat, sind spielerisch erfüllt worden. Es war spielerisch und kämpferisch ein würdiges Endspiel. Entscheidend war der Elfmeter für die Eintracht, der ihren Sieg bedeutete."

Fritz Walter: "Nach der normalen Spielzeit waren beide Mannschaften gleich stark. Der Elfmeter war psychologisch ausschlaggebend, und darüber, na ja, möchte ich nichts sagen."

„Moppel" Alt (Oberliga-Schiedsrichter): "Kaufhold war der beste Mann auf dem Platz. Ausschlaggebend und spielentscheidend war der Elfmeter, der niemals gegeben werden durfte. Trotzdem war die Eintracht etwas besser." (aus 'Der neue Sport' vom 29.06.1959)

 

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