Eintracht Frankfurt - Bayern Hof

Oberliga Süd 1960/61 - 14. Spieltag

0:1 (0:1)

Termin: 27.11.1960
Zuschauer: 5.000
Schiedsrichter: Glatthaar (Saarbrücken)
Tore: 0:1 Alfred Horn (14.)

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Bayern Hof

 


  • Kästner
  • Murrmann
  • Feilhuber
  • Winterling
  • Hörath
  • Werner
  • Friedrich
  • Greim
  • Stark
  • Alfred Horn
  • Winterstein

 

Trainer Trainer
  • Gunter Baumann

 

Kästners Sternstunde

Sonderbericht des „Neuen Sport" vom Riederwald

Eintracht Frankfurt — Bayern Hof 0:1 (0:1)

Bayern Hofs Torwart Kästner erlebte in der 67. Minute die Sternstunde — hier muß man Sternminute sagen — seines Lebens. Er wehrte einen Elfmeter Höfers ab, dessen wuchtige Elfmeterschüsse bisher jeden Torwart bezwungen hatten. Vermutlich hatte der 21jährige Schlußmann aus Hof den mit der Geschwindigkeit einer Kanonenkugel anfliegenden Ball nicht gesehen, aber instinktiv riß er seine Arme hoch, und von der Faust des rechten Armes sauste der Ball aus der Torrichtung und landete neben dem Pfosten. Fast unwillig wehrte Kästner die Glückwünsche seiner Kameraden ab und konzentrierte sich auf den nachfolgenden Eckball.

Diese Szene war ebenso symptomatisch für das Hofer Spiel wie eine Szene in der 78. Minute für die Leistung der Eintracht: Lutz war wieder einmal nach vorne gestürmt, stand an der Strafraumgrenze — und zögerte, zögerte... bis ihm ein Gegner den Ball wegschlug. So war es bei der Eintracht im ganzen Spiel. Keiner traute sich etwas Ernsthaftes zu, das Spiel wurde unsinnig verzögert. Ganz anders bei den Gästen, die bis zum Schluß mit offenem Visier kämpften. Sie zerrissen sich förmlich und haben dafür beide Punkte verdient.

Die Eintracht scheint eine Schönwetterelf zu sein, fast könnte man abergläubisch werden, denn sowie der Boden schwer ist, tun sich die meisten Spieler schwer. Aber das ist nicht die einzige Ursache für die Niederlage. Der Ursachen sind einige: Weilbächer hatte sich gegen Kiew im Sturm bewährt, aber der blonde Hans ist kein Stürmer. Bei dem Boden wirkte er noch schwerfälliger, seine Vorlagen kamen oft nicht an, Weilbächer nahm manchem Spielzug das Tempo.

Der Außenläufer Schymik bot die schlechteste Leistung seiner Laufbahn, manchmal schien er von allen guten Geistern verlassen. Und von Hofs Regisseur Horn schien Schymik noch nie etwas gehört zu haben Jedenfalls wurde der blonde Hofer von Schymik ignoriert und bedankte sich dafür mit gekonnten Spielzügen. Und mit dem einzigen und entscheidenden Tor. In der 56. Minute (in Worten: sechsundfünfzigsten) nahm Schymik Horn zum ersten Male den Ball ab. Das sagt alles.

Oft bekam man Angst, wenn Eigenbrodt sich um den Ball bemühte. Nicht nur, daß Mittelstürmer Stark ihm in der Schnelligkeit überlegen war, Eigenbrodt verlor oft in diesem Spiel die Uebersicht und rief dadurch brenzlige Situationen hervor. Und brenzlig war es oft vor Loys Tor. Man bedenke: zweimal rettete Eigenbrodt, einmal Höfer für Loy auf der Torlinie. All dies trug sich nach der Pause zu. Der Beweis dafür, daß die Hofer niemals mauerten. Gerade ihre Gegenstöße waren höchst gefährlich, weil die nachrückenden Eintracht-Verteidiger oft weite Strecken ihres Spielfeldes freigaben. Der große Mann der Hofer war Horn, der häufig drei Gegner ausspielte und den Weg für seine Nebenleute ebnete. Sein Tor war ein 25-Meter-Schuß, der vom Pfosten ins Netz sprang.

Der Eintrachtsturm fand in diesen neunzig Minuten einfach keine Linie, den ersten ernsthaften Schuß traute sich Kreuz in der 25. Minute zu. Und mit Kreuz ging es immer mehr bergab, der schwere Boden raubte ihm die Kräfte, zum Schluß sah man, wie der Lange sich nur noch weiterquälte. Weiterquälen mußte sich auch Kreß. Er schien angeschlagen, humpelte nach der Pause stark und lief kaum noch. Anderthalb Länderspiele, Umstellung von Kälte auf Hitze (in zwei Tagen) und Hitze auf Kälte (in zwei Tagen) schüttelt man nicht einfach aus den Knochen. Richard Kreß war entschuldigt. Aber ohne Kreß, mit einem allmählich erlahmenden Kreuz und einem zu umständlichen Weilbächer war für Stein und Schämer nichts zu machen.

Dazu stand Hofs Abwehr wie eine Eins. Man stürzte förmlich dem Ball entgegen und die größte Szene bot Hörath, als er im Hechtsprung den Ball aus dem Tor köpfte. Im Hofer Strafraum mußte um jeden Meter Boden gekämpft werden und das Kämpfen verstanden die Hofer besser. Einmal schien ihr Schicksal erfüllt: Hörath und Feilhuber hatten Stein im Strafraum in die Zange genommen. Höfer lief zur Vollstreckung des Elfmeters an — der tüchtige Kästner wehrte ab. Das war die anfangs erwähnte Sternstunde des Hofer Torwartes. Horst Kickhefel (aus 'Der neue Sport' vom 28.11.1960)

 

>> Spieldaten <<

 

© text, artwork & code by fg