Rot-Weiss Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1974/1975

0:3 (0:1)

Termin: 13.08.1974
Zuschauer: 3.500
Schiedsrichter:
Tore: 0:1 Bernd Hölzenbein (39.), 0:2 Jürgen Grabowski (80.), 0:3 Thomas Rohrbach (86.)

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Rot-Weiss Frankfurt Eintracht Frankfurt

 


 

Wechsel
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Trainer
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Reise nach Jerusalem

Um 18.15 Uhr ging es heute für die Eintracht am Brentanobad gegen den Amateurligisten Rot-Weiß Frankfurt zum letzten Vorbereitungsspiel vor dem DFB-Pokalfinale gegen den HSV in Düsseldorf. Trainer Weise gewährte seinen Schützlingen vor der Partie gegen die Rot-Weißen einen trainingsfreien Tag. Bernd Hölzenbein nutzte ihn zur „geistigen Vorbereitung" aufs Pokalendspiel, schläft besonders lang und ging mit der Familie spazieren, Dr. Kunter kümmerte sich in seiner Praxis um fremde Zähne und Libero Gert Trinklein eröffnete am Abend sein neues Lokal, einen Pub in Sachsenhausen.

Vielleicht haben ja einige der 3.500 Zuschauer auf dem Nachhauseweg in „Schoppe-Gerts“ Pub noch mit dem einen oder anderen Glas die leichte Enttäuschung hinuntergespült, die trotz des 3:0-Sieges der Eintracht bei manchem Beobachter zurückgeblieben ist. Der eine oder andere Eintrachtfan hatte sich einfach mehr erhofft, als diese drei Treffer gegen einen deutlich unterlegenen Gegner.

Aber zum einen hätte der Pokalfinalist in diesen frühen Abendstunden ein Gläschen Zielwasser aus der Kneipe ihre Mannschaftskameraden gut gebrauchen können, als ihnen bei Torschüssen von Hölzenbein (2), Rohrbach und Körbel insgesamt viermal der Pfosten im Wege stand. Zum anderen schüttete Rot-Weiss-Torhüter Peper mit seinen tollen Paraden, die die Eintracht-Profis fast verzweifeln ließen, reichlich Essig in den Siegeswein der Riederwälder.

So führte die Eintracht bis zur 80. Minute durch einen Treffer von Hölzenbein aus der 39. Minute lediglich knapp mit 1:0. Dann erst sorgten Grabowski und sechs Minuten später Rohrbach mit den Treffern zwei und drei für ein halbwegs versöhnliches Ergebnis.

„Die Hauptsache für uns ist doch, dass niemand verletzt wurde", tröstete sich Trainer Weise, um selbst einzuschränken: „Wir haben zu viele Chancen vergeben. Es war ein unbefriedigendes Spiel." Aber Weise wäre nicht Weise, wenn er sein Urteil nicht selbst relativieren würde, indem er einschränkt, dass man gegen einen Amateurverein angetreten sei: „Von einer Generalprobe konnte keine Rede sein."

Allzu groß ist Weises Auswahl für die Premiere nicht. Für die Startelf gegen den Hamburger SV kann er nicht einmal auf alle der nur 16 Lizenzspieler im Eintracht-Kader zurückgreifen, denn Andree fällt aus, weil er sich beim Freundschaftsspiel in Lüdenscheid erneut eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen hat. „Zieht man die beiden Torhüter ab, dann bleiben für die zehn Feldspielerpositionen ganze 13 Mann übrig. Jeder muss also mit seinem Einsatz rechnen", umreißt der für die Lizenzspielerabteilung verantwortliche Vizepräsident Ernst Berger die Lage.

Doch weder Berger noch Weise verraten, in welcher Besetzung die Eintracht in Düsseldorf auflaufen wird. Wird Jürgen Grabowski wunschgemäß im Mittelfeld aufgeboten, in welcher Formation wird der Angriff spielen? Weise schweigt.

Dabei sein will beim Pokalfinale jeder, bei dem Anpfiff auf dem Platz stehen natürlich auch. Doch für welche elf Akteure wird Weise sich entscheiden? Aus 15 mach’ 11, alle haben sich in der Vorbereitung versucht anzubieten, man könnte also fast die Reise nach Jerusalem spielen, um die erste Elf auszuwählen.

Aber nur fast, denn natürlich sind einige Spieler wie Grabowski, Hölzenbein und Nickel gesetzt. Und sicher ist auch, dass Dr. Kunter das Tor hüten wird, während der gerade von seiner Gehirnerschütterung wiedergenesene Wienhold auf der Bank sitzen wird. Trinklein, auch das ist ausgemacht, wird Libero spielen und Körbel Vorstopper.

Bei dem 19-jährigen Körbel bleibt vorerst die Frage offen, ob er auf Dauer die Lücke, die Kliemann hinterlassen hat, wird schließen können. Ernst Berger ist optimistisch: „Gemeinsam mit den anderen Abwehrspielern müsste er es schaffen." Auch mit den Neuen, Beverungen und Lorenz, glaubt der Eintracht-Vize, habe man sich gut ergänzt.

Dietrich Weise äußert sich – wer hätte es anders erwartet? - zurückhaltender. Er stuft zwar Körbel hoch ein, ist beeindruckt von Beverungens Vielseitigkeit und seiner enormen Schusskraft („man müsste einmal messen können, ob Nickel oder Beverungen den härteren Schuss hat"), aber er schränkt ein: „Erst unter härtester Belastung in mehreren Bundesligaspielen muss sich zeigen, wie sie ihren Aufgaben gewachsen sind!" Dann erst werde man auch feststellen, wie Grabowski und Hölzenbein die Strapazen des WM-Turniers überstanden haben: „Der Samstag wird darüber kaum Aufschlüsse geben.“ (rs)

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