Schalke 04 - Eintracht Frankfurt

Bundesliga 1978/1979 - 1. Spieltag

4:0 (2:0)

Termin: Sa 12.08.1978, 15:30 Uhr
Zuschauer: 36.000
Schiedsrichter: Walter Horstmann (Hildesheim)
Tore: 1:0 Rolf Rüssmann (6.), 2:0 Klaus Fischer (23.), 3:0 Klaus Fischer (68.), 4:0 Klaus Fischer (88.)

 

 

>> Spielbericht <<

Schalke 04 Eintracht Frankfurt

  • Volkmar Groß
  • Jürgen Sobieray
  • Mathias Schipper
  • Klaus Fichtel
  • Rolf Rüssmann
  • Klaus Fischer
  • Herbert Lütkebohmert
  • Erwin Kremers
  • Friedrich Wagner
  • Helmut Kremers
  • Rüdiger Abramczik

 


 

Wechsel
  • Manfred Dubski für Erwin Kremers (80.)
Wechsel
Trainer Trainer

 

 

Schlimmer Auftakt für die Eintracht

Bernd Nickel schwer verletzt und 0:4 gegen Schalke 04

0:4 gegen Schalke 04 — das erste Spiel der Frankfurter Eintracht war ein genaues Spiegelbild der völlig verkorksten Saisonvorbereitungen. Von Anfang an fehlte den Frankfurtern neben dem noch verletzten Neuling Bruno Pezzey auch jede Einstellung auf den Gegner und die nötige Ruhe im eigenen Spiel. Auf die Kopfballstärke der Schalker Nationalspieler Rolf Rüßmann und Klaus Fischer war die Eintracht vorbereitet, und doch erzielten diese beiden drei Tore mit dem Kopf. Rolf Rüßmann in der 7. Minute das 1:0, Klaus Fischer in der 24. und 68. Minute das 2:0 und 3:0. Fischer war dann noch einmal zum 4:0 in der 88. Minute erfolgreich. Dies allein sagt bereits aus, in welcher individuellen Verfassung die meisten Eintracht-Spieler waren. Karl-Heinz Körbel kam beispielsweise gegen Fischer ständig einen Schritt zu spät, Helmut Müller bekam Abramczik erst nach der Pause einigermaßen in den Griff, Bernd Hölzenbein blieb völlig ohne Wirkung, Neuling Elsener wirkte gehemmt. Was blieb, waren einige Glanzparaden von Jupp Koitka, ein beeindruckendes Laufpensum von Werner Lorant, einige gute Szenen von Jürgen Grabowski und viel Mittelmaß. Noch schlimmer, neben den beiden Minuspunkten fällt nun auch noch Bernd Nickel mit einem Achillessehnennriß für Monate aus.

Am Vormittag vor dem Hotel Maritim in Gelsenkirchen entschied sich, daß Bruno Pezzey nicht spielen konnte. Zusammen mit dem ebenfalls angeschlagenen Rüdiger Wenzel testete der österreichische Nationalspieler, ob ein Einsatz möglich ist. Ergebnis: die Hüftprellung behinderte ihn zu stark, an Spielen war nicht zu denken. Genau umgekehrt bei Wenzel: der Mittelstürmer biß auf die Zähne und lief trotz einer Wadenverletzung ein.

Und dann begann ein Poker um die Mannschaftsaufstellung, die die Schalker Verantwortlichen offensichtlich verwirren sollte, allerdings höchstens für Gelächter sorgte. Dem offiziellen Stadionsprecher nannte die Eintrachtführung eine Elf, in der Lothar Skala mit der Nummer 10 und Wolfgang Kraus mit der Nummer 5 standen, zwei Leute, die schließlich auf der Bank Platz nahmen.

Noch kurioser: unter den Auswechselspielern waren Wolfgang Trapp und Hans-Dieter Wacker aufgeführt. Trapp ist wegen eines Platzverweises gesperrt, Wacker mit einer Knieverletzung außer Gefecht. Beide machten die Reise nach Gelsenkirchen gar nicht erst mit.

Als das Spiel dann begann, trat die Eintracht mit jener Mannschaft an, die schon seit Tagen vorgesehen war, Müller verteidigte gegen Abramczik und Neuberger spielte Libero. Von Anfang an geriet die Eintracht unter Druck, hatte besonders bei hohen Bällen große Schwierigkeiten. Schon früh deutete sich an, daß Mittelstürmer Wenzel mit der Bewachung von Rolf Rüßmann in der Defensive und Vorstopper Körbel gegen Torjäger Klaus Fischer überfordert waren.

Die beiden Schalker Nationalspieler waren es dann auch, die für den 2:0-Pausenstand sorgten. Beide Treffer waren Kopfbälle und verdeutlichten einmal mehr, wie notwendig die Frankfurter einen Spieler von der Klasse Bruno Pczzeys gebrauchen können.

Das 1:0 in der 7. Minute: Helmut Kremers schlug den zweiten Eckball hoch in den Eintracht-Strafraum und Rolf Rüßmann wuchtete aus sechs Metern ein. Wenzel war einen Schritt zu spät gekommen.

Das 2:0 in der 24. Minute: Erwin Kremers überspielte am linken Flügel Rudi Elsener, flankte genau in die Mitte und Klaus Fischer nickte ein. Diesmal kam Körbel einen Schritt zu spät...

Zu diesem Zeitpunkt war Frankfurts schärfster Schütze Bernd Nickel bereits ausgeschieden. Nach nur 14 Minuten Spielpraxis in der neuen Saison erlitt Nickel einen Riß der rechten Achillessehne und wird der Eintracht damit für zwei Monate fehlen. Nickel erlitt die schwere Verletzung bei einem schnellen Antritt. „Dabei stand mir ein Schalker auf dem Fuß", berichtete der Frankfurter von seinem Mißgeschick. Er soll erst nach der Rückkehr vom Spiel bei Schalke 04 in Frankfurt operiert werden.

Für ihn kam Wolfgang Kraus. Am Spielrhythmus änderte das nichts. Die Eintracht lag nun zwar öfter im Angriff, blieb aber bis auf wenige Ausnahmen ungefährlich. Einmal kam Elsener zum Schuß, einmal Grabowski. Beide Bälle gingen vorbei. Das war alles.

Ganz anders die Schalker. Mit schnellen Angriffen über die Flügel stürzten sie die Eintrachtabwehr von einer Verlegenheit in die andere. Zum Glück für die Frankfurter steigerte sich Torwart Jupp Koitka zwischen der 27. und 3.5. Minute in eine wahre Prachtform. Zwei herrliche Kopfbälle von Fischer lenkte er ebenso ab wie einen tollen Volleyschuß von Wagner.

Nach dem Wechsel merkte man den Frankfurtern wenigstens den Willen an, eine Wende zu erzwingen. Doch bei allen Bemühungen sprang nur eine ganz klare Chance heraus. Wenzel hatte sich nach einem Einwurf durchgesetzt und den völlig freistehenden Elsener eingesetzt. Doch der Schweizer Nationalspieler trat freistehend über den Ball. Eine Minute danach, es war die 58., hatte Torwart Jupp Koitka seine große Minute. Nach einem Steilpaß von Helmut Kremers gewann er das Laufduell gegen Abramczik, umspielte den Schalker Nationalspieler inmitten der Eintracht-Hälfte und setzte geschickt Peter Reichel ein.

Doch mitten in diese etwas bessere Eintracht-Phase platzte das 3:0. Wieder war es ein Kopfball, wieder war es Klaus Fischer. Diesmal hatte Karl-Heinz Körbel regelrecht geschlafen und den Ball verpaßt. In der 70. Minute, nur zwei Minuten nach dem 3:0, rettete Neuberger auf der Linie für den bereits geschlagenen Koitka. Kurz darauf mußte der Eintracht-Libero wegen einer Schienbeinverletzung ausgewechselt werden. Für ihn kam Lothar Skala.

Noch einmal raffte sich die Eintracht auf, zurückzuschlagen. Und hatte nun wirklich Pech, denn ein toller Schuß von Peter Reichel wurde von Bernd Hölzenbein noch abgefälscht, so daß Volkmar Groß mit einer Glanzparade retten konnte.

Den Schlußpunkt setzte dann erneut Klaus Fischer, diesmal nach einem Fehler vom sonst so zuverlässigen Jupp Koitka. Fischer umspielte den Eintracht-Torwart im Strafraum und konnte unbedrängt ins leere Tor schießen.

 

Stimmen zum Spiel

Ivica Horvat (Schalke 04): „Ich habe trotz unseres 4:0-Sieges noch einige Schwächen gesehen. Wir hätten viel mehr Tore schießen können, wenn wir im Mittelfeld schneller gespielt hätten. Für die Zuschauer war es aber dennoch ein guter Auftakt. Ich hoffe, wir haben sie jetzt wieder flottgemacht. Es hat sich heute gezeigt, daß unsere älteren Spieler weiterhin die tragenden Leute im Team sind."

Otto Knefler (Eintracht Frankfurt): „Es ist schade, wenn man eine Woche lang seine Mannschaft auf die Schalker Kopf ballstärke einstellt und dann doch drei Kopfballtore fallen. Wir haben uns in diesen Phasen dilettantisch angestellt. Reichel konnte Erwin Kremers nicht stoppen und Körbel hat ganz schwach gespielt. Nun verstehen Sie auch, daß wir einen Abwehrorganisator wie Pezzey brauchen, auch wenn Willy Neuberger heute unser bester Mann war."


 

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