1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt

Bundesliga 2005/2006 - 20. Spieltag

0:1 (0:1)

Termin: Mi 08.02.2006, 20:00 Uhr
Zuschauer: 22.500
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Otterbach)
Tore: 0:1 Ioannis Amanatidis (44.)

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1. FC Nürnberg

Eintracht Frankfurt

 

  • Raphael Schäfer
  • Dominik Reinhardt
  • Andreas Wolf
  • Marek Nikl
  • Horacio Javier Pinola
  • Ivan Saenko
  • Jan Polak
  • Sven Müller
  • Stefan Kießling
  • Robert Vittek
  • Markus Schroth

 

 

 

Wechsel
  • Jan Kristiansen für Sven Müller (60.)
  • Mario Cantaluppi für Markus Schroth (66.)
  • Markus Daun für Jan Polak (79.)
Wechsel
Trainer
  • Hans Meyer
Trainer

 

 

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Englische Woche in der Bundesliga und die Eintracht muss zum wiedererstarkten Club nach Nürnberg, der unter seinem neuen Trainer Hans Meyer zwölf Punkte aus den letzten sieben Spielen geholt hat. "Die Mannschaft spielt wesentlich besser als vorher, steht kompakt und lässt den Ball gut laufen. Es ist inzwischen eine gefestigte Mannschaft auf Augenhöhe, so dass ich schon zufrieden wäre, wenn wir den Abstand halten würden", meint Friedhelm Funkel voller Hochachtung vor dem Gegner, während Kapitän Jones unter Hinweis auf das Hinspiel sowie den Pokalsieg im Elfmeterschießen tönt: "Wir wollen Nürnberg auch ein drittes Mal schlagen. Mit einem Punkt wäre ich nicht zufrieden."

Bei diesem Vorhaben muss die Eintracht auf Chris verzichten, der gelbgesperrt ist. Für ihn rückt Rehmer neben Vasoski in die Innerverteidigung, während Ochs erstmals nach seinem Innenbandanriss wieder als Rechtsverteidiger in der Startelf steht. Die Differenzen im Trainingslager, als er laut dem Trainer "zu viel gegessen und zu wenig trainiert hat", sind längst ausgeräumt, erzählt der 21-Jährige: "Jetzt habe ich wieder 72, 73 Kilo, mein bestes Kampfgewicht, ich freue mich auf mein Comeback." Komplettiert wird die Mannschaft wie schon beim 1:1 gegen Berlin mit Köhler, Jones, Preuß und Meier im Mittelfeld sowie den beiden Spitzen Amanatidis und Copado.

Doch nach dem Heimsieg gegen dem HSV und dem 1:1 in Hannover will auch Nürnbergs Trainer Meyer unbedingt nachlegen: "Wir müssen noch mehr Hausherr sein, den Gegner möglichst weit weg vom eigenen Strafraum halten und den Ball möglichst früh erobern." Verzichten muss er bei diesem Unterfangen auf Marek Mintal, der sich bei seinem 3-Minuten-Comeback gegen den HSV erneut den Mittelfuß gebrochen hatte, so dass alle Hoffnungen auf Vittek und Schroth sowie dem 22-ährigen Stefan Kießling im zentralen Mittelfeld liegen, der bislang bereits 7 Treffer erzielt hat und von dem Rudi Völler voller Hochachtung sagt, dass er "neben Podolski das größte Stürmertalent in Deutschland" sei. Für den verletzten Banovic spielt Müller auf der linken Außenbahn und Saenko auf rechts.

Bei nasskaltem Wetter beginnt die Eintracht das Spiel vor 22.600 Zuschauern sehr stürmisch und drängt den Club weit in die eigene Hälfte. Doch noch spielen sie zu hektisch und leisten sich viele Ballverluste, so dass Torhüter Schäfer dem Treiben auf dem Rasen beschäftigungslos zuschauen kann. Nürnberg hingegen kickt ängstlich und beschränkt sich in der Anfangsphase auf Weitschüsse. So zieht Kießling aus 20 Metern ab, verfehlt aber den linken Pfosten um ein paar Zentimeter (12.).

Dann die 17. Spielminute, in der eigenen Hälfte spielt Polak einen fahrigen Querpass, Köhler rauscht dazwischen und spielt das Leder in den Lauf des sofort startenden Amanatidis. Doch auf dem Weg in den Strafraum zögert der 24-ährige Grieche zu lange, so dass Nikl den Schuss aus zehn Metern in letzter Sekunde zur Ecke lenken kann. Im direkten Gegenzug versucht Polak seinen Bock mit einem gewaltigen Schuss aus knapp 25 Metern wieder gut zu machen, doch Torhüter Nikolov ist zur Stelle und lenkt den Ball über die Latte (20.).

Langsam beruhigt sich das Spiel und die Eintracht bestimmt nun das Geschehen auf dem Rasen, ohne bislang aus dem spielerischen Übergewicht Kapital zu schlagen. Immerhin setzt Copado, der sich zuvor meist erfolgreich versteckte, mit einem schnellen Pass Preuß vor dem Strafraum in Szene. Der zieht ab, haut das Leder aber knapp am linken Pfosten vorbei (26.). Erst in der 33. Spielminute wird es wieder gefährlich vor dem Frankfurter Tor, als Nürnbergs Reinhardt sich gegen den Frankfurter Reinhard am rechten Strafraumeck durchsetzt und aus 15 Metern abzieht. Doch mit einer tollen Parade kann Nikolov das Leder über die Latte fausten.


Getümmel im Nürnberger Strafraum

Das Spiel scheint sich nun so langsam mit dem 0:0 in die Pause schleppen zu wollen, denn außer einem Heber von Meier nach Zuspiel von Köhler, der weit über den Kasten von Schäfer geht, ist von der Eintracht im Sturm nicht mehr viel zu sehen (37.). Zu ungenau sind in dieser Phase die Anspiele von Meier, Köhler und Preuß, zumal Nikl und Wolf die Frankfurter Stürmer nur allzu gut abdecken. Auf der Gegenseite haben sie sogar Glück, dass Schiedsrichter Merk beide Augen zudrückt, als Kießling von Meier elfmeterreif von den Beinen geholt wird und nun am Spielfeldrand behandelt wird (41.).

Zwei Minuten später aber gibt es Freistoß für die Eintracht aus dem Halbfeld, den Copado schnell in den Lauf von Köhler spielt. Benny sprintet nach vorne und flankt fast auf Höhe der Torauslinie in die Mitte. Meier kommt im Getümmel mit Pinola an den Ball und legt zurück auf Amanatidis, der Wolf stehen lässt und das Leder aus 8 Metern flach ins linke Toreck haut. Zum 1:0 für die Eintracht (43.), dem Pausenstand.

Unverändert starten beide Mannschaften in die zweite Halbzeit, die immer hektischer wird, weil die Franken mit allen Mitteln auf den Ausgleich drängen. Doch bis auf eine spektakuläre Möller-Gedächtnis-Schwalbe von Saenko im Frankfurter Strafraum, die ihm die Gelbe Karte einbringt, passiert zunächst nicht viel (54.). Kurz darauf hebelt jedoch Vittek die Abwehrkette mit einem schönen Lupfer auf Müller aus, der sich in den Strafraum tankt, aber am glänzend reagierenden Nikolov scheitert. Der Ball trudelt nach vorne, Schroth will abstauben, wird aber heftig von Jones gestört (57.). Erneut hat die Eintracht Glück, dass Dr. Merk keinen Elfmeter geben will, meint auch Friedhelm Funkel grinsend: "Er hat heute ganz gut für uns gepfiffen."


Schäfer klärt vor Rehmer

In der 61. Spielminute gibt es endlich wieder ein Lebenszeichen von den Adlern, die zwar in der Abwehr sicher stehen, ihr Angriffsspiel aber in der zweiten Halbzeit sträflich vernachlässigt haben. Köhler setzt sich auf der linken Außenbahn durch und passt in die Mitte zu Amanatidis, der sofort abzieht, aber Schäfer taucht ab und kann parieren. Danach bringt Trainer Meyer Cantaluppi für den schwachen Schroth, so dass nun Kießling in die Spitze geht. Aber auch Friedhelm Funkel reagiert. Für Jones, der sich eine Rippenprellung zugezogen hat, kommt der von der UEFA so hart bestrafte Huggel in die Partie (69.).

Nürnberg erhöht weiter den Druck, doch zuerst scheitert Vittek nach einer Vorlage von Saenko an den Fäusten von Nikolov (71.) und dann ist es Saenko selbst, der zwar Ochs austanzen, nicht aber Nikolov überwinden kann (74.). So bringt Hans Meyer mit Daun für Polak einen weiteren Stürmer (79.), doch all das Anrennen nützt nichts mehr. Als Schiedsrichter Dr. Merk abpfeift, fällt Friedhelm Funkel unter dem lautstarken Jubel des Eintrachtblocks seinem Co-Trainer um den Hals.

Es ist vollbracht, der erste Sieg im Jahr 2006 und der insgesamt dritte Auswärtssieg ist unter Dach und Fach. Mit 25 Punkten bleibt die Eintracht auf Platz 11, hat nun aber 9 Punkte Vorsprung auf den Tabellensechzehnten Duisburg.


Stimmen zum Spiel

Friedhelm Funkel: "Ich bin sehr froh, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben. Wir haben defensiv sehr kompakt gestanden, Oka Nikolov hat seinen Fehler aus dem Spiel gegen Berlin mehrfach gut gemacht. Das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Mannschaft hat zuletzt eigentlich immer gut gespielt, heute hat sie das 1:0 über die Runden gebracht. Das zeigt, dass unser Vertrauen in die Mannschaft tausendprozentig gerechtfertigt ist."

Heribert Bruchhagen: "Das war ein ganz wichtiger Schritt, neun Punkte Vorsprung sind hervorragend. In der ersten Halbzeit haben wir zwingend gespielt und kompakt gestanden, in der zweiten Halbzeit war es jedoch mehr der fehlenden Klasse der Franken geschuldet, dass sie unsere Nachlässigkeiten nicht bestraft haben."

Club-Trainer Meyer: "Bitte nicht schreiben, wir hätten wegen des Schiedsrichters verloren, wir haben verloren, weil die Eintracht so stark war. Ihr habt momentan eine Mannschaft, die richtig gut Fußball spielt. Dieses Lob kannst Du mitnehmen, Friedhelm!"


FIFA-Sperre für Benjamin Huggel

Kurz vor dem Spiel gegen Nürnberg verkündet die FIFA in größtmöglicher Selbstgerechtigkeit die Strafen für die Ausschreitungen beim WM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen die Schweiz am 16. November 2005. Huggel, der einem Betreuer der Türken bei den tumultartigen Szenen auf dem Spielfeld von hinten in die Beine getreten hatte, wird für 6 Pflichtspiele der Nationalmannschaft gesperrt und wird somit sowohl die WM in Deutschland als auch die EM in Österreich und der Schweiz verpassen.

"Das ist für mich ein brutaler sportlicher Rückschlag, man ging überhaupt nicht auf die Umstände ein. Das verwundert mich schon sehr. Wir sind beschimpft und provoziert worden. Das fing schon am Flughafen und im Hotel an. Auf dem Platz ging es weiter. In der Halbzeit haben wir doch schon Schläge bekommen, aufs Feld sind Feuerzeuge und Münzen geflogen, einige Zuschauer haben gerufen: ‘I kill you, I kill your family‘. Ich war in einer Extremsituation und habe mich in einer Reaktion für meine Teamkollegen eingesetzt", meint der sichtlich schockierte Huggel, und auch Trainer Funkel ist erstaunt: "Für ihn sind zwei Turniere weg, das finde ich nicht in Ordnung. Er ist provoziert worden und hat nur reagiert. Damit möchte ich die Tat gar nicht entschuldigen, hätte aber eine niedrigere Strafe für angemessen gehalten." (tr)


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