Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg

Bundesliga 2005/2006 - 24. Spieltag

1:1 (0:0)

 

Termin: So 05.03.2006, 17:30 Uhr
Zuschauer: 26.000
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 0:1 Mike Hanke (58.), 1:1 Ioannis Amanatidis (65.)

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Eintracht Frankfurt VfL Wolfsburg

 

 

 

  • Simon Jentzsch
  • Alex
  • Kevin Hofland
  • Facundo Hernan Quiroga
  • Peter van der Heyden
  • Miroslav Karhan
  • Tommie van der Leegte
  • Bojan Neziri
  • Juan Carlos Menseguez
  • Diego Fernando Klimowicz
  • Mike Hanke

 

Wechsel Wechsel
  • Christopher Lamprecht für Bojan Neziri (52.)
  • Pablo Thiam für Alex (76.)
  • Rick Hoogendorp für Diego Fernando Klimowicz (89.)
Trainer Trainer
  • Klaus Augenthaler

 

 

Wieder fehlt die Cleverness zum Sieg

Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge ist Wunden lecken und das Besinnen auf die Kampfkraft angesagt in Frankfurt. So lässt der Trainer seine Spieler immer wieder Zweikämpfe üben: "Das war unser Manko im Bayern-Spiel, zudem gilt meistens, dass die Mannschaft das Spiel gewinnt, die mehr Zweikämpfe für sich entscheidet." So will Friedhelm Funkel mit viel Kampf gegen die auswärtsschwachen Niedersachsen den ersten Heimsieg im Jahr 2006 erringen: "Wolfsburg ist ein unangenehmer, schwer auszurechnender Gegner obwohl wir ihr System und ihre Aufstellung fast genau kennen. Wir müssen vor allem die beiden gefährlichen Stürmer ausschalten, dann sind wir schon einen großen Schritt weiter."

Auf eine große Kulisse wie noch zuletzt gegen den HSV muss er hierbei am Sonntag verzichten, denn gerade einmal 26.000 Zuschauer wollen das Spiel des Tabellenzwölften gegen den Dreizehnten verfolgen. "Wolfsburg-Spiele sind nirgendwo der Kracher: Der Gegner hat keine Tradition und keine Fans", meint Pressesprecher Knoop und verkündet grinsend die Anzahl der verkauften Tickets in Wolfsburg: "71!" Weit überraschender als die Zahl der Gästefans ist da schon die vom Trainer gewählte Aufstellung. Rehmer rückt wieder auf die rechte Abwehrseite, Chris neben Vasoski in die Innenverteidigung und Ochs spielt erstmals Linksverteidiger für Reinhard, so dass Köhler auf der linken Außenbahn neben Meier, Preuß und Jones spielt.

18 Punkte zur Winterpause und die schlechteste Bilanz seit dem Wiederaufstieg 1997. Das war zu viel für die Mächtigen des VW-Konzerns, so dass sie kurzerhand Trainer Holger Fach und Manager Strunz entließen. Pünktlich zum Jahreswechsel wurde dann der neue Mann vorgestellt, der Mitte September in Leverkusen entlassene Klaus Augenthaler ist neuer Trainer des VfL. "Man hat hier die Möglichkeit, etwas aufzubauen, aber erst mal müssen wir eine Mannschaft finden", meint der neue Trainer, der mit Mittelfeldabräumer van der Leegte und Stürmer Hoogendorp zwei neue Spieler spendiert bekam.

Doch der Erfolg bleibt bescheiden, zwei Heimsiegen und einem Unentschieden stehen vier Niederlagen in der Fremde gegenüber. Insgesamt sind sie nun gar seit 7 Pflichtspielen in der Ferne ohne Punktgewinn. Damit sich dies ändert, bringt Augenthaler gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Hannover nur einen Neuen: Hofland ersetzt Franz in der Innenverteidigung. Im Mittelfeld vertraut er weiter auf seine Viererkette um van der Leegte sowie Karhan und im Sturm auf den 11-Tore-Mann Klimowicz sowie Hanke, der ebenfalls bereits 7 Tore erzielte.

Wie nicht anders zu erwarten, ist es ein nervöser Beginn im Waldstadion. Die Eintracht versucht die Initiative zu übernehmen, während sich Wolfsburg weit zurückzieht und auf Konter lauert. Trotzdem kommen die Adler bereits nach 3 Minuten zu ihrer ersten Möglichkeit, als Köhler auf der linken Außenbahn nach einem schönen Doppelpass mit Copado in den Strafraum zieht, seinen Schuss aus 6 Metern aber knapp neben den rechten Pfosten setzt. Danach beherrschen Zweikämpfe im Mittelfeld das Geschehen, die Eintracht hat zwar mehr Ballbesitz, gefährlich in die Nähe des Tores kommt sie jedoch nicht.

Nach 14 Spielminuten gibt es Freistoß für die Frankfurter aus zentraler Position. Zunächst scheitert Copado an der Mauer, aber im Nachschuss schlenzt er die Kugel schön aufs rechte Toreck. Doch Torhüter Jentzsch kann mit einer tollen Parade zur Ecke klären. Drei Minuten später flankt Ochs das Leder scharf in den Strafraum, Jentzsch kommt raus, doch Hofland ist vor seinem Torhüter am Ball und köpft ihn an die eigene Latte. Die Eintracht wird nun immer stärker, während Klimowicz bei Chris keinen Stich macht. Über den unermüdlichen Antreiber Jones kommt der Ball zu Preuß, der das Leder von der linken Seite aus scharf vor das Tor flanken will. Der flatternde Ball wird immer länger und senkt sich gefährlich vor dem Wolfsburger Tor, aber Jentzsch kann ihn in letzter Sekunde über die Latte lenken (25.).

Es läuft die 33. Spielminute, über den starken Meier kommt der Ball zu Amanatidis, der aus 15 Metern frei zum Schuss kommt. Erneut kann Jentzsch halten, muss das Leder jedoch nach vorne prallen lassen. Genau zu Copado, der den Ball nur auf den Torhüter bolzt. Es ist zum Verrücktwerden, im Mittelfeld läuft der Ball prima, Wolfsburg hat nicht eine Torchance, doch vorne nutzen sie ihre Chancen nicht. Wie in der 45. Spielminute, als Köhler einen schlampigen Pass von Quiroga abläuft, doch statt auf den sich frei laufenden Meier zu spielen, es lieber selbst versucht. Benny trifft die Kugel aber nicht richtig, so dass sie nur rechts am Pfosten vorbei ins Aus hoppelt.

Während Friedhelm Funkel zufrieden ist: "Wir haben in der ersten Halbzeit richtig aggressiv gespielt und hätten eigentlich in Führung gehen müssen", schimpft Wolfsburgs Trainer wie ein Rohrspatz: "Was wir in der ersten Hälfte gezeigt haben, hatte mit Bundesliga-Fußball sehr wenig gemeinsam, das war gar nichts." Seine Pausenrede scheint zu fruchten, denn in der zweiten Hälfte wirkt Wolfsburg wesentlich mutiger und zielstrebiger, kommt aber gegen die weiter couragiert spielenden Adler nicht zu einer Torchance. Die hat die Eintracht, nachdem Meier sich klasse auf der linken Seite durchsetzt und den Ball in die Mitte zu Amanatidis flankt, der aus 20 Metern abzieht. Aber erneut kann Jentzsch den platzierten Schuss im Nachfassen halten und so einen Konter gegen die weit aufgerückten Frankfurter einleiten. Das Leder kommt im Halbfeld zu Klimowicz, der plötzlich Platz hat, nach vorne sprintet und abzieht. Aber Torhüter Nikolov ist hellwach und kann parieren (58.).

Nur eine Minute später gibt es indirekten Freistoß aus 24 Metern und halblinker Position. Der Ball wird angetippt und Hanke haut das Leder durch die löchrige Mauer genau in den rechten Torwinkel. "Ein Schuss aus dem Nichts", flucht Christoph Preuß über das 1:0 für Wolfsburg. Kurz darauf verletzt sich Jones und muss gegen Cha ausgetauscht werden (63.). Der Kapitän hat sich eine Bänderdehnung und einen Bänderanriss im linken Sprunggelenk zugezogen und wird wohl vier Wochen fehlen. (Tatsächlich kommt der 24-Jährige in dieser Saison nur noch zu einem Kurzeinsatz, nachdem er sich beim Aufbautraining einen Ermüdungsbruch im Schienbein zuzieht und Ende April operiert werden muss.)

Immerhin scheint die Eintracht Glück mit der Einwechslung von Cha zu haben, denn nur zwei Minuten später lässt er auf der rechten Seite nach schönem Pass von Copado den eingewechselten Lamprecht und auch van der Heyden stehen, um in den Strafraum zu flanken. Rehmer kommt aus sieben Metern in der Mitte zum Kopfball. Torhüter Jentzsch kann zwar mit einer klasse Reaktion retten, doch das Leder fliegt Richtung langer Pfosten genau zu Amanatidis, der keine Mühe hat, es zum 1:1 ins linke Toreck zu hauen (65.).

Danach drängt die Eintracht mit viel Einsatz auf den Führungstreffer, verliert jedoch immer wieder die Übersicht bei den allzu hektischen Angriffen. Ohne Jones fehlt die ordnende Hand, so dass der Trainer seine Jungs mit wilden Gesten anweist, ja nicht die Defensive zu vernachlässigen. "Wir haben einen Riesenaufwand betrieben, jeder ist für den anderen gelaufen. Deshalb hat am Ende auch etwas die Kraft bei uns gefehlt und der Trainer hat uns Zeichen gegeben, dem Gegner nicht ins offene Messer zu laufen", erklärt Rehmer. In der Tat, Wolfsburg kommt in den letzten Minuten noch einmal auf. Zunächst kann Ochs einen Schuss von Klimowicz blocken (85.) und nur eine Minute später zappelt die Kugel nach einem Schuss des 30-jährigen Spaniers im Netz, doch Schiedsrichter Kinhöfer entscheidet zum Glück bei dieser Millimeterentscheidung auf Abseits. Die Eintracht bringt nun überhaupt nichts mehr zustande, Amanatidis erhält seine fünfte Gelbe Karte und Sekunden später kommt Huggel für Meier ins Spiel. Eine Einwechslung, bei der Trainer Funkel freimütig zugibt: "Ich wollte Zeit schinden."

So endet das vierte Heimspiel der Rückrunde zwar wieder nicht mit dem erhofften Heimsieg, aber immerhin mit einem Unentschieden, dass der Eintracht den 26. Punkt bringt. Der Abstand auf Rang 15 beträgt weiterhin fünf Zähler. (tr)


Stimmen zum Spiel

Friedhelm Funkel: "Uns fehlt der Schuss Cleverness, eine überlegen geführte Begegnung für uns zu entscheiden. Wir haben in der ersten Hälfte versäumt, uns den Lohn abzuholen. Trotzdem ist das am Ende gerechte Unentschieden kein Beinbruch, schließlich haben wir in der Hinrunde aus den ersten sieben Spielen noch einen Punkt weniger geholt."

Heribert Bruchhagen: "Wer sich so schwach präsentiert wie Wolfsburg hier in der ersten Halbzeit, den muss man einfach zuhause schlagen. Wir werden keine Mannschaft mehr antreffen, die uns so viele Möglichkeiten lässt."

Ioannis Amanatidis: "Die Enttäuschung überwiegt, weil uns zwei Punkte fehlen, obwohl wir als Mannschaft gut gearbeitet und geackert haben sowie unglaublich laufstark waren. Allerdings sind uns nach dem 1:1 zu viele Fehlpässe unterlaufen. Wir hatten genug Chancen, um zu gewinnen, aber es ging heute mit dem Teufel zu. Wir müssen das Glück mal erzwingen, dann gewinnen wir auch und zwar deutlich."

 


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