Siegtreffer in der 155. Minute |
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| 1918 |
Trotz der Not der Bevölkerung und der sich abzeichnenden militärischen Niederlage wird in Frankfurt weiter Fußball gespielt. Wie schon in den vergangenen Spielzeiten startet der FFV in der Südmaingauklasse des Nordkreises. Durch die Rückkehr Karl Jockels und anderer Stammspieler präsentiert sich der Fußball-Verein nun spielstärker und kann in den ersten sechs Spielen elf Punkte verbuchen. Ende Oktober zeichnet sich dann endlich ein Ende des Mordens auf den Schlachtfeldern ab. Nachdem Admiral Scheer die deutsche Flotte in eine sinnlose letzte Schacht gegen die Royal Navy schicken will, kommt es Anfang November zum Matrosenaufstand in Kiel. Am Abend des 7. November treffen revolutionäre Matrosen in Frankfurt ein, am 9. November wird die Abdankung des Kaisers bekanntgegeben und Friedrich Ebert zum Reichskanzler bestimmt, am 11. November der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet.
Des politischen Aufräumens ungeachtet, laufen
die Verbandsspiele weiter. Zum Abschluss der Runde ist man punktgleich
mit dem FSV, der erfolgreich gegen eine dreimonatige Sperre angegangen
war, um antreten zu können. Zudem hat man sich für das Pokalendspiel
des Nordkreis qualifiziert, unterliegt Britannia Frankfurt aber mit 2:3.
Am 2. März 1919 folgt dann das Entscheidungsspiel gegen den FSV,
das beim Stand von 2:2 nach mehrmaliger Verlängerung und 160 Minuten
Spielzeit wegen Dunkelheit abgebrochen werden muss. Auch im Wiederholungsspiel
gibt es in der regulären Spielzeit keinen Sieger, in der Verlängerung
gelingt aber in der 155. Minute das 3:2, das dem FFV den Titel eines Südmaingaumeisters
sichert. Damit ist man für die Endrunde um die Meisterschaft des
Nordkreises qualifiziert, in der man auf den Westmaingaumeister Amicitia
und 1902 sowie den SC Bürgel als Titelträger im Mittelmaingau
trifft. Nach zwei Siegen gegen Bürgel und zwei Niederlagen gegen
die Bockenheimer muss sich der FFV aber mit dem Vizemeistertitel zufriedengeben.
Da aufgrund der schlechten Verkehrsverbindungen die Süddeutsche Meisterschaft ausgesetzt wird, will der Verband eine Frühjahrsrunde durchführen, um die Klasseneinteilung für die nächste Spielzeit festzulegen. Doch die renommierten Vereine FFV, FSV, Hanau 93, Viktoria 94 Hanau, Kickers Offenbach, Germania Bieber und SC Bürgel weigern sich, gegen unterklassige Gegner wie Melitia Hanau oder FVgg Groß-Auheim anzutreten und spielen untereinander statt dessen eine inoffizielle Frühjahrsrunde aus, die bis auf den fehlenden SV Wiesbaden mit der Nordkreisliga der Spielzeit 13/14 identisch ist. In dieser Runde wird der FFV Fünfter. Die sportlichen Aktivitäten des FFV rücken allerdings zu dieser Zeit mehr und mehr in den Hintergrund, Geldfragen genießen Priorität. Es drücken nicht nur die Altlasten aus der Finanzierung der Sportanlage an der Roseggerstraße, sondern es stehen auch große Investitionen zur Wiederinstandsetzung der fünf Jahre lang vernachlässigten Plätze und der Tribüne an. Da sich auch andere Frankfurter Vereine mit pekuniären Problemen beschäftigen müssen, nimmt man Kontakt zur Frankfurter Turngemeinde von 1861 auf, um eventuell gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.
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© text by fg