Abrutschen ins Mittelmaß

1933
1934

Für die Saison 1933/34 werden die Ligen in Deutschland grundlegend neu organisiert. Als oberste Spielklasse sind nun 16 Gauligen eingerichtet, deren Meister in einer Endrunde den deutschen Meistertitel ausspielen. Die Spiele um die Süddeutsche Meisterschaft entfallen somit.


Die Ligamannschaft 1933. Von links: Trumpler, Möbs,
Lindner, Gramlich, Dietrich, Leis, Mantel, Schmitt, Schütz,
Ehmer, Gramlich, Kron

Veränderungen gibt es auch an der Vereinsspitze der Eintracht. Im September verabschiedet die Mitgliederversammlung eine den Vorgaben der NS-Reichssportführung entsprechende Satzung und wählt Otto Graf von Beroldingen einstimmig zum Vereinsführer mit weitreichenden Kompetenzen. Nach dem überraschenden Tod Beroldingens bereits im Oktober übernimmt Vizepräsident Hans Söhngen, der in der NSDAP als linientreu und politisch zuverlässig gilt, das Amt.

Am 10. September fällt der Startschuss in die zwölf Mannschaften umfassende Gauliga Südwest, in der neben der Eintracht mit Kickers Offenbach, dem FSV und dem SV Wiesbaden insgesamt vier hessische Vereine vertreten sind. Trainer Willi Spreng, der zum Start der Pflichtspiele den zum Ligakonkurrenten Mainz 05 wechselnden Paul Oßwald ablöst, muss dabei auf Fritz Schaller verzichten, der zu seinem Heimverein FC Oberstedten zurückkehrt.

Der Start in den Ligabetrieb gelingt dennoch: Nach einem 3:2 Sieg im Auswärtsspiel bei Borussia Neunkirchen wird der SV Wiesbaden am Riederwald mit 3:1 geschlagen. Am 8. Oktober dokumentiert sich dann der wachsende Einfluss der Politik aufs Sportgeschehen: Mit einer Doppelveranstaltung im Stadion wollen die neuen Machthaber im Rahmen der 'Saarkundgebung' Stimmung für den Anschluss des Saarlands an das Deutsche Reich machen. So empfängt der FSV die Borussia aus Neunkirchen (3:2), die Eintracht spielt gegen die Sportfreunde Saarbrücken (0:0). Mit 6.000 Zuschauern, davon etwa die Hälfte aus dem Saarland, ist die Zuschauerresonanz allerdings schwach.


Hans Stubb auf dem Titel
des 'Fußball' vom 23.01.1934

In den folgenden acht Spielen der Hinrunde gelingen der Eintracht dann nur noch zwei Siege gegen Mainz (2:1) und bei Phoenix Ludwigshafen (3:2), so dass die Riederwälder nach Abschluss der Hinrunde lediglich einen enttäuschenden siebten Platz belegen. Zwar bringt der Rückrundenstart zunächst zwei deutliche Heimsiege gegen Borussia Neunkirchen (5:1) und den 1. FC Kaiserslautern (6:1), da aber die Auswärtsspiele in Wiesbaden und Saarbrücken verloren gehen, kann man sich in der Tabelle nicht verbessern. Schlagzeilen macht unterdessen Hans Stubb, dem es gelingt, beim Länderspiel gegen Ungarn (3:1) im Stadion einen Freistoß aus 60 Metern zu verwandeln.

Ab Februar 1934 muss die Trainer Spreng auf Hugo Mantel verzichten, der berufsbedingt nach Italien zieht und sich Ambrosiana-Inter Mailand anschließt. Zum Einsatz kommt er dort allerdings nicht, da ihm der italienische Verband die Spielgenehmigung verweigert. Dass die Saison letztlich mit 25:19 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz abgeschlossen werden kann, verdankt die Eintracht vier Siegen in den letzten vier Spielen - unter anderem werden der FSV im Stadion mit 6:1 und Wormatia Worms am Riederwald mit 6:0 klar besiegt.

Das frühe Ende der Pflichtspiele für die Eintracht Anfang April aufgrund der WM in Italien lässt reichlich Platz für Freundschaftsspiele, der zu zwölf Begegnungen genutzt wird. Unter anderem gibt es Siege gegen 1860 München (3:1) und beim VfB Stuttgart (5:2). Dieses Spiel wird durch den 'Graf-Beroldingen-Pokal' aufgewertet. Egon Reichsgraf von Beroldingen war sowohl Vorsitzender des VfB als auch - nachdem er zum Direktor des Frankfurter Flughafens berufen worden war - von 1928 bis zu seinem Tode im Oktober 1933 bei der Eintracht. Zudem absolviert man in Kombination mit Spielern des FSV zwei internationale Freundschaftsspiele gegen Budai 11 aus Budapest (3:0) und gegen den AS Rom (3:3).

 

 

 
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© text by fg