Frankfurt dominiert den Fußballsüden

1932
1933

Die Berliner mögen die Eintracht: Wurden die Riederwälder in der letzten Saison zum Turnier '30 Jahre Tennis Borussia' eingeladen, reist man im August erneut für das Jubiläumsspiel '40 Jahre Hertha BSC' in die Hauptstadt und siegt mit 4:2.


Karl Ehmer beim erfolgreichen Torschuss
(Hertha BSC - Eintracht 2:4)

Zu diesem Zeitpunkt läuft der Ligabetrieb bereits. Nach Spielen gegen namhafte Gegner auf dem Weg ins Endspiel zur Deutschen Meisterschaft in der letzten Spielzeit, steht nun wieder der Alltag der Bezirksliga Main-Hessen an. Die Gegner heißen nun nicht mehr Bayern oder Schalke, sondern Germania Bieber, VfL Neu-Isenburg und VfB Friedberg.

Wenig Spannung bietet zunächst auch die Tabellensituation der Riederwälder, die ohne den als Spielertrainer zu Union Niederrad gewechselten Willi Pfeiffer antreten, dafür aber mit Neuzugang Wilhelm Tiefel, der den umgekehrten Weg beschreitet und von Union zur Eintracht wechselt: Nach vier Siegen und zwei Unentschieden zum Saisonstart führt man das Teilnehmerfeld an. Dass es aber nicht so läuft wie in den letzten fünf Spielzeiten, zeichnet sich am siebten Spieltag ab, als es gegen den FSV zu einer 1:3-Niederlage kommt. Dieses Derby ist mit 30.000 Zuschauern im Stadion das mit Abstand bestbesuchte Spiel der Punktrunde. Ansonsten machen sich Besucher bei den Spielen rar - so kommen zum Spiel der Eintracht gegen Rot-Weiß Frankfurt gerade einmal 2.000 Unentwegte ins Stadion, die Heimspiele gegen den VfB Friedberg und Hanau 93 sind sogar noch schlechter besucht. Lediglich am 16. Spieltag, als mit einem 3:1-Sieg eine torgenaue Revanche gegen den FSV gelingt, verzeichnet man mit 17.000 Zuschauern eine passable Besucherzahl. Zu diesem Zeitpunkt haben die Riederwälder den Mainmeistertitel aber praktisch schon verspielt. Denn zur Niederlage gegen den FSV am siebten Spieltag addieren sich die Punktverluste aus fünf Unentschieden während der weiteren Partien, so dass es am Ende mit 29:7 Punkten nur zum zweiten Platz hinter den um zwei Punkte besser platzierten Bornheimern reicht.


Über Union Niederrad,
Rot- Weiß Frankfurt und
Tennis Borussia zur
Eintracht: Willi Lindner

Auch die Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft in der Gruppe Nord-Süd wird von den beiden Frankfurter Mannschaften dominiert. Die Eintracht, verstärkt um den aus Berlin zurückgekehrten Frankfurter Willi 'Etsche' Lindner, hat dabei den schlechteren Start und holt aus den ersten vier Spielen gerade einmal drei Punkte, während der FSV verlustpunktfrei bleibt. Mit sieben Siegen in Folge schaffen es die Riederwälder jedoch, an den Bornheimern vorbeizuziehen, ehe eine 1:3-Niederlage bei Wormatia Worms am drittletzten Spieltag die Tabellenführung kostet. Da im darauffolgenden Derby gegen den nun wieder besser platzierten FSV keine Tore fallen, bleibt für die Eintracht auch in dieser Runde letztlich wiederum nur der zweite Platz.

Als Zweiter der Gruppe Nord-Süd müssen sich die Riederwälder für die Spiele um die Deutsche Meisterschaft zunächst qualifizieren, was durch zwei Siege gegen den VfB Stuttgart (2:0) und die SpVgg Fürth (1:0) auch gelingt. Achtelfinalgegner ist der HSV, der in Hamburg mit 4:1 besiegt wird. Im Viertelfinale gibt es dann im Stadion einen 12:2-Kantersieg gegen Hindenburg Allenstein, ehe es am 28. Mai in Berlin zur Halbfinalpartie gegen Fortuna Düsseldorf kommt. An der Spree platzen die Träume von einer erneuten Endspielteilnahme rasch. Zwar spielt die Eintracht anfangs leicht überlegen, muss aber nach einem 0:1-Rückstand zur Pause drei weitere Treffer hinnehmen. Ein wenig Trost spendet die Tatsache, dass sich die Fortuna durch ein 3:0 gegen Schalke den Titel sichert, man also gegen den Deutschen Meister ausgeschieden ist.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Eintracht bereits mit der veränderten politische Lage arrangiert. Am 9. April 1933, keine drei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, gehört sie zu den 14 süddeutschen Vereinen, die unter anderem öffentlich erklären, sich "... entschieden den von der nationalen Regierung auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung verfolgten Besprechungen zur Verfügung" zu stellen und im Rahmen dieser Mitarbeit "alle Folgerungen, insbesondere in der Frage der Entfernung der Juden aus den Sportvereinen zu ziehen." Im Mai wird zudem auf der Titelseite der Vereinsnachrichten ein Bericht zur "Gleichschaltung in der Eintracht" veröffentlicht, der betont, der Verein werde "... heute nach dem Führerprinzip geleitet".

 

 

 
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© text by fg