Zurück an die Spitze

1935
1936


Spielszene aus einem Freundschaftsspiel gegen
Reichsbahn Rot-Weiß Frankfurt im August '35 (4:3)

 

Albert Conrad vom 1. FC aus Kaiserslautern, Friedrich Groß von der FG 02 Seckbach, Josef Weigand aus Somborn und Stürmer Adam Schmitt von Hassia Dieburg - so lauten die Namen der wichtigsten Neuzugänge zur Saison 35/36. Mit Paul Oßwald in der Trainerposition kehrt die Eintracht zudem Schritt für Schritt zu alter Spielstärke zurück. So gelingt in der Gauliga Südwest mit drei Siegen in Folge ein Bilderbuchstart. Doch die Realität holt die Kicker mit dem Adler auf der Brust schnell ein und beschert ihnen lediglich einen Punkt aus den nächsten drei Spielen. Dabei kommt es bei der ersten Niederlage bei Phoenix Ludwigshafen zu Zuschauerausschreitungen und Tätlichkeiten zwischen den Spielern. Zwar wird der Heimverein mit einer Platzsperre für vier Spiele bedacht, das Ergebnis von 2:4 aus Eintrachtsicht jedoch auch nach eingelegter Berufung bestätigt.

Die Mannschaft kann diese Entscheidung des Verbandes nicht verstehen, reagiert kurzzeitig verunsichert und verliert das nächste Spiel in Offenbach sang- und klanglos mit 0:4. Wer aber meint, die Eintracht komme jetzt vollends aus dem Tritt, sieht sich getäuscht. Vom sechsten Spieltag an bleibt sie elf Spiele lang ungeschlagen und erzielt dabei sechs Siege. Am vorletzten Spieltag steht schließlich die Spitzenpartie gegen Tabellenführer FK Pirmasens an, der einen Punkt besser als die Eintracht platziert ist. 20.000 Zuschauer - der beste Besuch in dieser Saison - verfolgen ein packendes Spiel, in der Tiefel kurz vor Schluss den Siegtreffer zum 1:0 für die Eintracht markiert.

Damit entscheidet sich die Meisterschaft im letzten Spiel der Gauliga Südwest, das am 22. März in Worms stattfindet, wo Eintracht Gast der Wormatia ist. Vor dem Anpfiff stellt sich die Tabellenkonstellation folgendermaßen dar: Der FK Pirmasens hat bereits alle Spiele absolviert und 26:10 Punkte, die Eintracht kommt nach 17 Partien auf 25:9 und Wormatia Worms, ausgestattet mit dem besten Torverhältnis der drei Konkurrenten, auf 24:10 Punkte.


Die abgebrannte Tribüne  

 

Bis zur 60. Minute sind die rund 4.000 Eintrachtfans, die ihre Mannschaft in die Nibelungenstadt begleitet haben, bester Dinge, denn die Riederwälder halten ein 0:0, das zur Meisterschaft reichen würde. Doch dann unterläuft Abwehrspieler Conrad ein verhängnisvoller Fehler, den Worm zum 1:0 nutzen kann. Nun bricht die Frankfurter Mannschaft ein, mit dem 1:4 bei Abpfiff hat man nicht nur die Gaumeisterschaft verspielt, sondern landet hinter Worms und Pirmasens lediglich auf dem dritten Platz.

Für die entgangene Meisterschaft will man sich im Tschammer-Pokal schadlos halten, was zunächst auch gelingt. Durch zwei Siege beim FC Egelsbach (2:1) und gegen Schwarz-Weiß Worms (5:1) zieht man in die dritte Hauptrunde ein. Lediglich 1.500 Zuschauer kommen zu diesem Spiel an den Riederwald und erwarten einen klaren Sieg gegen den unterklassigen FC Flörsheim. Doch die Eintracht blamiert sich und scheidet durch ein 1:2 aus dem Wettbewerb aus.

Noch härter als dieser sportliche Misserfolg treffen den Verein knapp zwei Monate später die Ereignisse in der Nacht des 18. auf den 19. Juli. Aus ungeklärter Ursache gerät die alte Tribüne am Riederwald um 4 Uhr morgens in Brand. Trotz des Einsatzes von vier Löschzügen brennt sie bis auf die Grundmauern ab und wird irreparabel zerstört. Mit dem Neubau wird der ehemalige Ligaspieler Walter Dietrich betraut, der in Frankfurt einen Betrieb für Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau leitet.

 

 

 
<< 1934
1936 >>

© text by fg