Abstiegsängste verdrängen Endrundenträume

1949
1950

Ein Verlierer dieser Spielzeit steht bereits vor dem ersten Anpfiff fest: der FC Rödelheim 02. Mit Hubert Schieth, Alfred Pfaff, Herbert Kesper und Kurt Krömmelbein wechseln gleich vier seiner Spieler, deren Qualität außer Frage steht und die sich im Laufe der Saison in der Stammelf der Eintracht etablieren werden, an den Riederwald. Geräuschlos laufen diese Wechsel allerdings nicht ab. Die Rödelheimer, die sich als Tabellenletzter in der vergangenen Saison aus der Oberliga Süd verabschiedet hatten, fordern eine mehrmonatige Sperre für Schieth, da dieser sich "in der Meisterschaft nur mangelhaft eingesetzt" habe, um den Wechsel zur Eintracht zu forcieren, und 9.200 Mark für die Freigabe der anderen drei Spieler. Mitte September ist das Problem nach zähen Verhandlungen gelöst, die Freigaben erteilt und der Eintracht-Schatzmeister um 5.000 Mark ärmer.


Heilig im Zweikampf mit dem Wiener Sobotka

Weiterhin verstärkt sich der Verein durch Paul Lemm von Schwaben Augsburg sowie Heinz Kaster von St. Pauli (Vater des Ex-Nationalspielers Dieter Müller), den es ebenso wie Gerhardt Schildt vom Hamburger SV von der Elbe an den Main zieht. Aber auch Abgänge verzeichnen die Adler, darunter Torjäger Heinz Baas, den es nach Offenbach zieht, sowie der später zum Ehrenspielführer ernannte Adam Schmitt, der seine Karriere in Bad Kreuznach als Spielertrainer ausklingen lässt und der Eintracht nach 15 Jahren nun nicht mehr zur Verfügung steht.

Derart aufgestellt, da ist sich Trainer Walter Hollstein sicher, wird die Eintracht in ihrem Jubiläumsjahr nicht wie in der vorherigen Saison in Abstiegsnöte zu geraten. Bestärkt wird er in seiner Meinung durch Siege in den beiden Spielen, die im Rahmen der Feier zu "50 Jahre Eintracht" im Stadion stattfinden. Beim 4:1 gegen den FC Basel erzielt Neuzugang Schieth vor 30.000 Zuschauern alle vier Frankfurter Tore, zum 3:0 gegen den FC Wien trägt er weitere zwei Treffer bei.


Im April 1950 erscheint
zum ersten Mal seit neun
Jahren wieder eine
Mitgliederzeitung:
die 'Eintracht-Hefte'

Die Heimspiele finden übrigens wie seit 1946 weiterhin am Bornheimer Hang statt, die Pläne zum Ausbau des Rosegger-Sportplatzes werden endgültig verworfen. Nur für vier vermeintliche Spitzenspiele gegen Schweinfurt, Mannheim, den Fußballsportverein und Fürth wechselt man ins Waldstadion. An der Spielortsituation soll sich allerdings bald etwas ändern: Am 12. November '49 übergibt Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb das Gelände für den geplanten neuen Sportplatz am Riederwald an die Eintracht.

Für die 1. Mannschaft ernst wird es dann ab dem 4. September mit dem Start der Oberliga Süd. Zwar leisten sich die Riederwälder in ihrer Auftaktpartie mit einer 1:5-Niederlage bei Waldhof Mannheim einen klassischen Fehlstart, doch in der Folge werden fleißig Punkte gesammelt, was fast durchweg einen Platz im vorderen Drittel der Tabelle einbringt. Nach dem 22. von 30 Spielen belegt die Eintracht den vierten Rang und da vier Mannschaften aus der Südgruppe an den Spielen zur Deutschen Meisterschaft teilnehmen werden, nimmt man diese Endrundenteilnahme ins Visier - mit beinahe fatalen Folgen.

Die nächsten zwei Spiele bringen ein 1:3 gegen den Fußballsportverein nach einer 1:0-Führung vor 25.000 Zuschauern und ein derbes 0:4 gegen die SpVgg Fürth. Da auch die nächsten sechs Ligapartien verlorengehen - Torhüter Henig zählt jeweils noch zu den besseren Akteuren -, wird die Eintracht in die Tiefen der Tabelle durchgereicht. Letztendlich aber geht dieses Abtauchen gut aus: Man findet sich nach dem 30. Spieltag mit nur zwei Punkten Vorsprung auf Absteiger Jahn Regensburg auf Platz 14 wieder. Als Konsequenz aus diesem schlechten Abschneiden stellen sowohl Trainer Hollstein als auch Spielausschussvorsitzender Gramlich ihre Posten zur Verfügung.

 

 

 
<< 1948
1950 >>

© text by fg