Der Grabi und der Holz: Weltmeister und Pokalsieger

1973
1974

Die neue Spielzeit bringt auch neue Chefs: Trainer Ribbeck geht nach Kaiserslautern, von dort kommt Dietrich Weise und nimmt im Juli 1973 erstmals auf der Frankfurter Bank Platz. In der Vereinsspitze löst Achaz von Thümen den Präsidenten Albert Zellekens ab. Einzige neue Spieler sind Hans-Joachim Andree und Helmut Müller, mit Friedel Lutz beendet der letzte Deutsche Meister von 1959 seine aktive Karriere bei der Eintracht.


Vor Hölzenbeins erstem
Länderspiel am 10.10.1973

Die von Optimisten als Mitfavorit für den Meistertitel gehandelten Frankfurter starten furios in die Saison und bleiben die ersten neun Spiele ungeschlagen, zur Winterpause steht man auf dem zweiten Platz. Stadiongängern unvergessen bleibt dabei das Spiel gegen den VfB Stuttgart - Nickel, Weidle und zwei Mal Hölzenbein drehen die 3:0-Führung des VfB in den letzten 25 Minuten noch zu einem 4:3 Heimsieg. Apropos Hölzenbein: Er zeigt wie schon in der Vorsaison eine so konstant gute Leistung, dass Bundestrainer Helmut Schön den immerhin schon 27-jährigen im Oktober zum ersten Länderspiel bittet.

Kann man sich bis zu Anfang der Rückrunde noch berechtigte Hoffnungen auf die Tabellenführung machen, erfolgt bald der Einbruch. Zwar bleiben die Adlerträger zu Hause ungeschlagen - auswärts schwächeln sie jedoch: 30:4 Heimpunkten stehen gerade mal 11:23 Auswärtspunkte gegenüber. Besser läuft es im Pokal. Nach Auswärtssiegen bei Tennis Borussia Berlin (8:1) und einem knappen 3:2 gegen Hessen Kassel durch ein Tor von Parits in der Nachspielzeit, wird die WM-Baustelle Waldstadion Zeuge des Pokalkrimis gegen den 1. FC Köln. Durch Hölzenbeins 4:3 in der Verlängerung hat die Eintracht schließlich Grund zum Jubeln. Auch das Halbfinale gegen Bayern München ist spannend bis zur letzten Minute, in der Jürgen Kalb einen Elfmeter zum 3:2-Sieg verwandelt. Zehn Jahre nach dem Pokalfinale gegen 1860 München in Stuttgart erreicht die Eintracht damit zum zweiten Mal das Endspiel um den DFB-Pokal.

Vor dieses Finale haben die Terminplaner allerdings zunächst einmal die WM angesetzt. Frankfurt erlebt das legendäre Wasserspiel gegen Polen (1:0), am WM-Sieg nach einem 2:1 gegen die Niederlande sind Grabowski, der am Endspieltag seinen 30. Geburtstag feiert, und Hölzenbein mit seinem professionell herausgespielten Elfmeter maßgeblich beteiligt.

Der kuriose Termin des Pokalendspiels 73/74 am 17. August 1974, nur eine Woche vor dem Saisonstart 74/75, sorgt schon im Vorfeld für Verlierer und Gewinner, da beide Mannschaften mit den Kadern der neuen Saison antreten. So nimmt Uwe Kliemann, der in den beiden letzten Spielzeiten kein einziges Pflichtspiel versäumt hatte, im nominal letzten Spiel der Saison 73/74 auf der Tribüne Platz. Er war zurück nach Berlin zu Hertha BSC gewechselt. Auch Thomas Parits (zum FC Granada), der für die Eintracht mit seinem Tor in Kassel zum Erreichen des Endspiels beigetragen hatte, gehört nicht mehr zu Kader. Perfekt ist dagegen der Einstieg für Klaus Beverungen. Eigentlich erst zur Saison 74/75 von Schalke zur Eintracht gewechselt, kann der Mittelfeldspieler in seinem ersten Pflichtspiel für die SGE im Finale auflaufen.


Kraus, Grabowski, Trinklein (verdeckt),
Weidle, Trainer Weise, Nickel

Das Spiel findet im Düsseldorfer Rheinstadion statt, das sich fest in Frankfurter Hand befindet. Schätzungsweise rund die Hälfte der 53.000 Zuschauer sind Anhänger der Adler. Derart unterstützt marschiert die Mannschaft in der ersten Halbzeit konsequent in Richtung HSV-Tor. In der 40. Minute wagt Abwehrspieler Trinklein - der die strikte Anweisung von Trainer Weise missachtet, die Mittellinie nicht zu überqueren - einen Alleingang von der Mittellinie aus bis in den Strafraum und lässt Kargus im Tor keine Chance. Mit diesem 1:0 geht es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel kommen die Hamburger besser ins Spiel und erzielen in der 75. Minute durch Ole Björnmose das 1:1, das bis zum Ende der regulären Spielzeit Bestand hat.

Bereits sechs Minuten nach Beginn der Verlängerung ist es Hölzenbein, der einen Freistoß von Nickel zum 2:1 verwertet. Die endgültige Entscheidung fällt, als der eingewechselte Wolfgang Kraus eine Hölzenbein-Flanke per Flugkopfball zum 3:1 im Netz versenkt. Fünf Minuten später pfeift Schiedsrichter Weyland unter dem Jubel der Frankfurter Fans die Partie ab und die Eintracht ist Pokalsieger.

 

 
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