Das Ende des Höhenflugs |
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| 1972 |
Nach 61 Gegentoren in den 34 Ligaspielen der letzten Saison soll nun ein 'Funkturm' der anfälligen Abwehr mehr Stabilität verleihen: Von Rot-Weiß Oberhausen wird der knapp zwei Meter große Uwe Kliemann verpflichtet. Neu im Kader ist auch Amateur-Nationalspieler Günter Wienhold als zweiter Torwart hinter Dr. Peter Kunter - im Gegenzug verlässt Siegbert Feghelm den Verein. Ebenfalls neu an Bord: Raimund Krauth und Josef Hofmeister. Schließlich verpflichten die Adler vom FC Dossenheim noch ein 17-jähriges Verteidigertalent namens Karl-Heinz Körbel.
Auf dem Platz beginnt die Spielzeit 72/73 mit einem neuen Wettbewerb: Der Ligapokal, an dem die 18 Bundesligavereine der Vorsaison sowie 14 Regionalligisten teilnehmen, soll die Zeit bis zum Saisonbeginn der Bundesliga überbrücken, deren erster Spieltag aufgrund der Olympischen Spiele in München auf den 16. September 1972 terminiert ist. Für die Eintracht bringt dieser Wettbewerb nach sechs Spielen gegen den FSV Mainz 05, Borussia Neunkirchen und den 1. FC Kaiserslautern einen souveränen Gruppensieg. Im Viertelfinale wird dann Fortuna Köln ausgeschaltet, ehe im Halbfinale ein 1:3 und ein 1:0 gegen Mönchengladbach das Ausscheiden bedeutet.
Auch in den beiden anderen Pokalwettbewerben reißen die Adler keine Bäume aus. Das europäische Abenteuer UEFA-Cup endet nach einem 0:2 gegen den FC Liverpool an der Anfield Road und einem 0:0 im Waldstadion bereits in der ersten Runde. Und im DFB-Pokal scheitert man im Achtelfinale gegen Eintracht Braunschweig mit 0:1 und 2:2. In der Bundesliga scheint es zunächst deutlich besser zu laufen. So können die Fans am 7. Spieltag einen 2:1-Sieg gegen Bayern München mit der Bundesligapremiere von Körbel als Gegenspieler von Gerd Müller feiern, mit dem sich die Eintracht nur zwei Punkte hinter dem eben geschlagenen Tabellenführer platziert. Aber schon der nächste Spieltag bringt eine verdiente 0:1-Niederlage beim Schlusslicht und späteren Absteiger Rot-Weiß Oberhausen. Zum Ende der Hinrunde verzeichnet den Eintracht dann Platz 10 mit einem ausgeglichenen Punkteverhältnis von 17:17. An dieser Mittelmäßigkeit ändert sich dann bis zum Saisonende nichts: Mit 34:34 Punkten schließt die Eintracht die Bundesligasaison 72/73 jenseits von Gut und Böse auf dem achten Platz ab.
Für Spannung sorgen die finanziellen Klimmzüge hinter den Kulissen, denn der Imageverlust der Liga durch die Aufarbeitung des Bundesligaskandals 70/71 wirkt bis auf die Ränge nach: Insgesamt 1,3 Millionen Zuschauer weniger als noch im Skandaljahr wollen die Ligaspiele der Bundesligavereine sehen. Überproportional drastisch ist der Zuschauerrückgang und damit der Einnahmeschwund bei den Riederwäldern, obwohl die Eintracht und ihre Spieler nichts mit den Schiebereien zu tun hatten. Und auch der enttäuschende sportliche Verlauf und eine wenig attraktive 'Baustelle Waldstadion', auf der die Umbauarbeiten für die WM 1974 bereits in vollem Gange sind, tragen dazu bei, dass der Zuschauerschnitt in den Heimspielen von 23.077 in der Saison 70/71 auf 13.714 in der laufenden Spielzeit sinkt. Um die Löcher in der Kasse zu stopfen, verkauft
die Eintracht Horst Heese im Dezember '72 an den HSV, und im Februar '73
verlässt Ender Konca, der in Frankfurt nie wie erhofft Fuß
fassen konnte, die Eintracht Richtung Fenerbahçe Istanbul. Vor
seiner Abreise entschuldigt er sich in einem Zeitungsartikel bei den Fans
dafür, dass er den Wunschvorstellungen aus sportlicher Sicht nicht
gerecht werden konnte.
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© text by fg