Die ‚unheimliche Serie‘ des Gyula Lóránt |
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| 1976 |
Enttäuschung herrscht bei vielen Fans schon zu
Beginn der Saison, und zwar über die Trainerwahl: Nach der Demission
Dietrich Weises werden Namen wie Horvat, Sztani und Cramer gehandelt –
Nachfolger wird allerdings Weise-Assistent Hans-Dieter Roos. Auch in Sachen
Spielereinkäufe passiert nicht viel. Egon Bihn sowie Ronald Borchers
aus dem eigenen Nachwuchs sind zu Saisonbeginn die einzigen Neuen, ab
dem 10. Spieltag kommt noch Dragoslav Stepanovi´c hinzu.
Grund für die Zurückhaltung ist die angespannte Finanzlage: Die Eintracht ist aufgrund des neunten Platzes in der Vorsaison und dem Aus im Achtelfinale des DFB-Pokals nicht wie geplant in einem europäischen Wettbewerb vertreten, Trikotsponsor Remington hat sich nach zwei Spielzeiten verabschiedet und ein neuer Werbepartner ist nicht in Sicht. Zudem ist der Zuschauerschnitt in den letzten drei Spielzeiten trotz zweier Pokalsiege und des attraktiven Angriffsfußballs um fast 5.000 auf durchschnittlich 20.600 Besucher in der Saison 75/76 gefallen. Die wenig zuversichtlichen Vorahnungen erfüllen sich, das erste Drittel der Saison 76/77 gerät zum Debakel. An den ersten zwölf Spieltagen kann die Eintracht gerade einmal sieben Punkten erspielen und rangiert damit auf dem Relegationsplatz 16. Nach einer 1:4 Heimniederlage gegen Borussia Dortmund muss schließlich Roos seinen Hut nehmen, als Nachfolger wird zur allgemeinen Verblüffung der ‚Schleifer‘ Gyula Lóránt präsentiert. Dieser Wechsel des Übungsleiters markiert auch den Beginn eines Trainer-wechsel-dich-Spiels bei der Eintracht, das über Jahrzehnte anhalten wird. Zuvor – vom Start der Bundesliga 1963 bis zur Verpflichtung von Roos – hatten die Riederwälder erst fünf Trainer (Oßwald, Horvat, Schwartz, Ribbeck, Weise) unter Vertrag und keine vorzeitige Entlassung ausgesprochen. In den nächsten 13 Jahren werden es mehr als ein Dutzend hauptamtliche und fünf Interims-Trainer sein.
Lóránt beginnt seine Eintracht-Karriere mit einer Niederlage (2:1 in Bremen), sorgt aber bald dafür, dass die Sorgenfalten in Verein und Umfeld einer kaum für möglich gehaltenen Euphorie weichen. Denn nach dem 13. Spieltag (16. Tabellenplatz, 27:34 Tore, 7:19 Punkte) bis zum Saisonende bleibt die Eintracht in der Bundesliga unbesiegt. Lediglich Bayer Uerdingen schafft es, der Eintracht im DFB-Pokal eine Niederlage in einem Pflichtspiel zuzufügen (6:3 nach Verlängerung im Viertelfinale). In der Bundesliga gewinnen die Adlerträger dafür unter anderem durch vier Wenzel-Tore 4:0 gegen den 1. FC Köln und bei Bayern München mit 3:0, schlagen den künftigen Meister Borussia Mönchengladbach auf dem Bökelberg mit 3:1, deklassieren Werder Bremen im Waldstadion mit 7:1 und siegen bei Rot-Weiß Essen sogar 8:1. Die Bilanz unter Lóránt: 21 Spiele ungeschlagen, 59:23 Tore, 35:7 Punkte. Nach dieser laut Stadionzeitung 'unheimlichen Serie' belegt die SGE in der Abschlusstabelle den vierten Platz, nur zwei Punkte hinter Meister Mönchengladbach, und sichert sich für die nächste Saison die Teilnahme am UEFA-Cup. Zudem stellt man mit 86 Toren erneut das torhungrigste Team der Liga.
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© text by fg