Abgestrafte Bayern und ein absurdes Wechseltheater |
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| 1977 |
Der Spielerkader präsentiert sich zur Saison
77/78 fast unverändert. Als Neuzugang werden Lothar Skala und Michael
Blättel, der allerdings in der Saison ohne Pflichtspieleinsatz bleibt,
begrüßt. Aus der eigenen Jugend schafft es Hans-Dieter ‚Fips‘
Wacker in den Profikader. Von den Stammkräften verabschiedet sich
lediglich Klaus Beverungen im August zum FC St. Pauli. Mehr Bewegung gibt
es im Präsidium: Vizepräsident Ernst Berger wird von Dr. Peter
Kunter abgelöst, Dr. Josef Wolf als Geschäftsführer verpflichtet.
Zusammen mit dem Vereinspräsidenten Dr. Achaz von Thümen, bis
September '76 noch Kanzler der Frankfurter Uni, ist die Eintracht so akademisch
bestens aufgestellt.
Die Mannschaft steht schon vor dem ersten Anpfiff unter hohem Erwartungsdruck, denn nach der Siegesserie der letzten Saison ist es für Verein und Umfeld klar: Das Ziel heißt Meisterschaft. Vor dem Bundesligastart spielt die Eintracht allerdings zunächst im Intertoto-Cup gegen Inter Bratislava, FC Zürich und Wacker Innsbruck. Nach sechs Spielen steht bei drei Unentschieden und einer Niederlage ein zweiter Platz zu Buche. Auch in der Bundesliga geht der Nimbus der Unbesiegbarkeit schnell verloren. Schon der zweite Spieltag bringt ein 2:3 in Schalke, der dritte eine Heimpleite gegen den Hamburger SV (0:2). Auf Schalke erfolgt auch das Aus im DFB-Pokal in der dritten Runde (0:1), nachdem sich die Adler zuvor nur mit Mühe nach einem 2:2 auswärts in der ersten Partie mit 4:0 im Wiederholungsspiel in Frankfurt gegen die Amateure von TuS Schloß Neuhaus [[Anm. fürs Korrekturlesen: sic! der Verein löste sich 1985 auf]] durchsetzen konnten. Sportliche Highlights sind drei Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern München. Nachdem man die ersten beiden Runden im UEFA-Cup gegen die Sliema Wanderers (5:0 und 0:0) und den FC Zürich (3:0 und 4:3) ohne Mühen überstanden hat, steht im Waldstadion am 23.11.1977 das Achtelfinal-Hinspiel gegen die Münchner an, das die Eintracht glatt mit 4:0 für sich entscheidet. Nur drei Tage später kommt es an gleicher Stätte zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Vereine im Rahmen des 16. Bundesligaspieltags, das wieder mit einem 4:0-Sieg der Adler endet. Am 7. Dezember kommt es schließlich zum Rückspiel im Rahmen des UEFA-Cups in München, das einen 2:1-Sieg der SGE bringt.
Begleitet werden diese drei Partien von einem absurden Wechseltheater auf den Trainerbänken der Kontrahenten. Nach der Bundesliganiederlage in Frankfurt hatten die Bayern ihren Trainer Dettmar Cramer entlassen und erfolgreich um den Frankfurter Trainer Gyula Lóránt gebuhlt, der sich in Frankfurt im Dauerzwist mit Vereinspräsident Achaz von Thümen befindet. Lóránt nimmt bereits zum Achtelfinal-Rückspiel auf der Bayernbank Platz, während die Frankfurter interimsweise von Mannschaftskapitän Jürgen Grabowski gecoacht werden. Am 9. Dezember folgt der krönende Abschluss der Klamotte: Dettmar Cramer wird Übungsleiter bei der Eintracht präsentiert. Durch dieses Theater rückt das Geschehen auf dem Rasen in den
Hintergrund, zumal die Halbzeitbilanz in der Bundesliga mit 18:16 Punkten
und dem siebten Platz ernüchternd ist. Hat es zu Beginn der Rückrunde
den Anschein, dass sich die Eintracht noch einmal nach vorne spielen
kann, setzt sich nach vier Spielen ohne Niederlage auch unter dem bei
den Fans wenig beliebten Cramer das Mittelmaß durch. 0:2, 0:5,
0:3 lauten aus Frankfurter Sicht die Ergebnisse der nächsten drei
Spiele gegen Mönchengladbach, Hertha und Duisburg. Zudem erfolgt
das Aus im UEFA-Cup gegen Grashopper Club Zürich im Viertelfinale
(3:2 und 0:1). Am Ende der Saison ist sogar das Minimalziel verpasst;
als Siebter misslingt der Eintracht der Sprung in den UEFA-Cup. Als
Konsequenz räumt Cramer freiwillig den Trainerstuhl. Die Nachfolgersuche
übernimmt bereits Manager Udo Klug, der Geschäftsführer
Dr. Wolf ersetzt.
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© text by fg