Das Trauma

1991
1992

Die Saison 91/92 bringt ein Novum: Durch die Aufnahme der beiden Ostvereine Dynamo Dresden und Hansa Rostock wird die Bundesliga auf 20 Vereine aufgestockt. Kaum Veränderungen gibt es dagegen bei der Eintracht. Von den Stammkräften verlässt lediglich Janusz Turowski den Verein, dafür kommt mit Edgar Schmitt ein Angreifer von Eintracht Trier. Zudem kehrt Jörn Andersen im September von Fortuna Düsseldorf an den Main zurück.

Von Ligastart an setzt sich die Eintracht in der oberen Tabellenregion fest, nach dem 5:0 gegen Schalke am zweiten Spieltag sind die Riederwälder erstmals Tabellenführer. Weniger erfolgreich ist dagegen das Auftreten in den Pokalwettbewerben. In der dritten Runde des DFB-Pokals bleibt die Mannschaft erstmals in einem Pflichtspiel dieser Saison ohne Tor. Prompt scheidet man mit 0:1 gegen den KSC aus dem Wettbewerb aus. Im November ist d in der zweiten Runde des UEFA-Cups Endstation, nach einem 0:0 bei KAA Gent gewinnen die Belgier 1:0 in Frankfurt. Knapp drei Wochen später darf die Eintracht dafür den inoffiziellen Halbzeitmeistertitel in der Liga feiern – mit 43:22 Toren und 25:13 Punkten liegt man einen Zähler vor Stuttgart und Dortmund.

Im Dezember wird Frank Möller vom FSV Mainz 05 verpflichtet, Norbert Nachtweih, der im Juli nach Frankfurt zurückgekehrt war, wechselt zu Waldhof Mannheim. Ins neue Jahr starten die Riederwälder schwerfällig, so dass man nach dem 25. Spieltag nur noch auf dem vierten Rang liegt, drei Punkte hinter Spitzenreiter Dortmund. Zudem rumort es hinter den Kulissen – Möller-Berater Gerster verhandelt mit italienischen Vereinen über den Wechsel seines Schützlings. Doch die Eintracht fängt sich wieder, siegt viermal in Folge gegen den HSV (2:1), bei den Stuttgarter Kickers (2:0), in Nürnberg (3:1) und gegen Bayern München (3:2). Gegen die beiden Mitkonkurrenten um den Titel Dortmund (2:2) und Stuttgart (1:1) gibt es jeweils eine Punkteteilung.


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Zu einem direkten Aufeinandertreffen der Meisterschaftskonkurrenten kommt es am 34. Spieltag. Während der Tabellenzweite aus Frankfurt beim Vierten in Leverkusen antritt, trifft Spitzenreiter Dortmund auf den Dritten, den VfB Stuttgart. Sowohl die Eintracht (3:1) als auch der VfB (4:2) bleiben dabei siegreich. Eine Vorentscheidung kann am vorletzten Spieltag fallen, doch gegen Werder Bremen, denen die Folgen der Feier nach dem Europapokalsieg nur drei Tage vorher deutlich anzusehen sind, gelingt der SGE nur ein 2:2.

So wird die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden: Mit jeweils 50:24 Punkten rangieren die Mannschaften aus Frankfurt, Stuttgart und Dortmund auf den ersten drei Plätzen, wobei die Eintracht die beste Tordifferenz der drei Kontrahenten aufweist. Alle drei Teams müssen auswärts antreten: Frankfurt in Rostock, Stuttgart in Leverkusen, Dortmund in Duisburg. Für Duisburg und Rostock geht es dabei um den Abstieg, mit Siegen können sie bei günstigem Verlauf der anderen Spiele die Klasse halten.

Das erste Tor im Fernduell erzielen die Dortmunder bereits in der neunten Minute. Der VfB gerät in Leverkusen in Rückstand, kann aber noch vor der Pause durch einen zweifelhaften Foulelfmeter ausgleichen. In Rostock, wo die Eintracht aufgrund der Dortmunder Führung gewinnen muss, steht es noch 0:0. Die nächsten Tore im Ferndreikampf fallen an der Ostsee. In der 65. Minute geht Rostock in Führung, nur zwei Minuten später kann Kruse ausgleichen. In der 77. Minute kommt es dann zur wohl entscheidenden Szene: Ralf Weber wird im Strafraum von Stefan Böger klar gefoult, doch die Pfeife von Schiedsrichter Alfons Berg aus Konz bleibt stumm. In der 86. Minute schießt der VfB schließlich das 2:1, während die Eintracht zwei Minuten vor Schluss durch einen Konter das 1:2 hinnehmen muss. In der Endabrechnung bedeutet dies lediglich den dritten Platz – und ein ewiges Trauma für die Fans der SGE.

 

 

 
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© text by fg