Kompetenzgerangel und ungenutzte Chancen

1990
1991

Für die Spielzeit 90/91 greift die Eintracht tief in die Tasche: Neben Rückkehrer Andreas Möller, für den mehr als vier Millionen Mark an Borussia Dortmund gehen, wird unter anderem Tony Yeboah für 1,2 Millionen Mark vom 1. FC Saarbrücken verpflichtet, der den scheidenden Stürmer Andersen ersetzen soll. Mit der Möller-Rückkehr hat die Eintracht freilich eine ‚Kröte‘ zu schlucken: Möller-Berater Klaus Gerster wird für vier Jahre als Manager angestellt.


Harmonie nur für das Titel-
bild des 'Kicker': Andreas
Möller und Uwe Bein

Schon vor Saisonbeginn ist nach diesen Investitionen klar: Die Eintracht muss national wie international erfolgreich spielen, um diese teure Mannschaft finanzieren zu können. In der Bundesliga gelingt dies anfangs durchaus passabel - nach einem 1:0-Sieg beim HSV am achten Spieltag steht man auf dem zweiten Platz nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Kaiserslautern. Blamabel endet dagegen der Auftritt im ersten UEFA-Cup-Spiel bei Brøndby IF – mit 0:5 verliert die Mannschaft, die ohne Bein, Gründel und Yeboah antreten muss. Ein 4:1 im Rückspiel versöhnt zwar die Anhänger halbwegs, bedeutet aber trotzdem das Ausscheiden aus diesem lukrativen Wettbewerb. Nun gerät auch in der Liga der Eintracht-Motor ins Stottern. Vor allem auswärts gelingt nicht mehr viel, wie es die Niederlagen gegen abstiegsbedrohten Vereine Hertha BSC (0:1), Wattenscheid 09 (0:1) und VfB Stuttgart (1:2) dokumentieren. Bis zum Ende der Hinrunde ist so der Rückstand auf die Spitze auf vier Zähler angewachsen.


Körbel, Roth, Lasser, Falkenmayer
und Binz in der Mauer

Fortan kehrt keine Ruhe mehr ein. Hölzenbein fordert den ‚schwarzen Abt‘ Gerster auf, sich von der Mannschaft fern zu halten, und unverblümt sagen sich die Führungsspieler die Meinung. Uli Stein über Andras Möller: „Wenn der den Alleinunterhalter machen will, soll er bei Roncalli auftreten.“ Möller über Stein: „Mit dem spiele ich nie wieder in einer Mannschaft.“ Uwe Bein über Möller: „Der soll mir doch auch mal den Ball geben. Aber der will ja seine Mitspieler nicht sehen.“ Nach dem 1:2 beim 1. FC Köln am 24. Spieltag gerät sogar der fünfte Platz, der zur Teilnahme am UEFA-Cup berechtigt, in Gefahr und Trainer Berger ins Kreuzfeuer der Kritik. Bergers vorzeitiger Abschied steht dann nach dem nächsten Heimspiel am 13. April '91 fest, bei dem die Eintracht beim 0:6 gegen den HSV regelrecht demontiert wird. Nur einen Tag später präsentiert Vizepräsident Bernd Hölzenbein den Neuen auf dem Trainerstuhl: Dragoslav Stepanović, zuvor in Trainerdiensten von Wormatia Worms. ‚Stepi‘ ist kein Unbekannter am Riederwald, er war als Spieler von 1976 bis 1978 für die Eintracht aktiv.

Mit drei Ligasiegen in Folge gelingt es, sich zunächst wieder den fünften Platz zu sichern. Die Teilnahme in einem europäischen Wettbewerb gerät allerdings erneut in Gefahr, als die Eintracht zunächst im Halbfinale aus dem DFB-Pokal ausscheidet (2:2 nach Verlängerung gegen Werder Bremen und ein 3:6 im anschließenden Wiederholungsspiel) und auch die nächsten beiden Ligaspiele verliert. Doch mit Siegen bei Bayer 05 Uerdingen (3:2) und Bayer 04 Leverkusen (3:1) sowie einem 1:1 beim FC St. Pauli schafft man die Voraussetzungen für ein ‚Endspiel‘ um die UEFA-Cup-Qualifikation am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart. Zuschauen muss dabei Karl-Heinz Körbel, der in seinem letzten Pflichtspiel für die Eintracht bei St. Pauli die vierte Gelbe Karte erhalten hatte und damit auf die Verabschiedung als Aktiver vor heimischem Publikum verzichten muss. Aber auch ohne ‚Charly‘ gelingt ein glattes 4:0 gegen die zuvor punktgleichen Stuttgarter, das der Eintracht mit 63:40 Toren und 40:28 Punkten den vierten Platz in der Abschlusstabelle sichert.

 

 
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© text by fg