Stuttgarter Kickers - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1929/30

4:3 (1:2)

 

Termin: 25.05.1930
Zuschauer:
Schiedsrichter:
Tore: 1:0 Hofmann (10.), 1:1 Karl Ehmer, 1:2 Karl Ehmer, 2:2 Hofmann, 3:2 Gimpel (Elfmeter), 3:3 Theodor Trumpler, 4:3

 

>> Spielbericht <<

Stuttgarter Kickers Eintracht Frankfurt

  • Haarer
  • Mihalek
  • Baier
  • Hofmann
  • Weiler
  • Schäfer
  • Welz
  • Reihing
  • Gimpel
  • Handte
  • Knöpfle

 


 

Trainer
Trainer

 

Eintracht-Ausflug nach Stuttgart

Stuttgarter Kickers — Eintracht Frankfurt 4:3

Die Kickers haben im diesjährigen Privatspielprogramm einen Trumpf ausgespielt, haben den süddeutschen Meister klar, wenn auch nach schwerem Kampf, geschlagen.

In Frankfurt, wo man ja noch größeren Ehrgeiz hat als anderswo, wird man sich zwar über die Niederlage ärgern, aber man wird sie nicht tragisch nehmen. Es war ja „nur" ein Freundschaftsspiel, und am nächsten Sonntag wird schon wieder ein Sieg blühen.

In Stuttgart freut man sich natürlich über den Sieg der Kickers, aber man hat die Eintracht kritisch betrachtet, dabei zwar eine, wie man sagen darf, ausgefeilte Technik festgestellt, auch einen Mannschaftsgeist, der bei Gott nicht alltäglich ist, und trotzdem war man nicht überzeugt, daß sie den kommenden Sonntag so übersteht, wie zu wünschen ist.

Natürlich können die Stuttgarter ihre gefühlsmäßige Einstellung zu den Eintrachtchancen nur auf Grund des heutigen Spiels begründen. Nun, wir glauben festgestellt zu haben, daß es in der internationalen Verteidigung Schütz-Stubb absolut nicht international aussieht. Vielleicht kommt das aus der Unsicherheit heraus, die man haben muß, wenn man vor einem Trumpp steht, der merken läßt, daß er nervös ist. Aber diese Unsicherheit muß bekämpft werden. Von internationalen Verteidigern verlangt man, daß sie den Tormann beeinflussen und sich nicht vom Tormann beeinflussen lassen. Stubb und Schütz konnten leicht überlaufen werden; Stürmer, die den Ball kurz führen, kommen gut an ihnen vorbei. Stubb hat im Strafraum seinen eigenen Läufer so angeschossen, daß ein Elfmeter dabei herauskam. Uns dünkt, daß dieser Moment nicht für Kaltblütigkeit Stubbs spricht. Wohlgemerkt, wir zweifeln nicht an Stubbs und Schütz' internationale Eignung, aber wir glauben, daß ihre Nerven unter der Last der Verantwortung der letzten Wochen gelitten haben. Sie brauchen jetzt Ruhe, Ferien, wie sie die Engländer haben, und keine Meisterschaftsspiele. Diese Verteidigung konnte heute nicht imponieren, denn der Kickerssturm, der ihr vier Tore versetzte, war schwach.

Ebensowenig der Sturm, in dem Pfeiffer als Rechtsaußen stürmte. Dieser Sturm spielte nicht fließend, arbeitete mit Einzelaktionen, bei denen sich bei Dietrich, Trumpler und Ehmer ein bedenklicher Hang zum Dribbeln herausstellte. Was diese drei durch Dribbeln verdarben, konnte weder Pfeiffer noch der brillante Kellerhof wieder gutmachen. Nicht immer kommt Ehmer zu solch klaren Schußgelegenheiten wie heute.

Vollauf befriedigen konnte dagegen die Läuferreihe der Eintracht, die fehlerfreie Arbeit leistete. Die Eintracht stand:

Trumpp; Schütz, Pfeifer; Gramlich, Goldammer, Mantel; Pfeiffer, Trumpler, Ehmer, Dietrich, Kellerhof.

Die Kickers spielten mit: Haarer; Mihalek, Baier; Hofmann, Weiler, Schäfer; Welz, Reihing, Gimpel, Handte, Knöpfle.

Sie spielten mit Begeisterung und Energie, hatten kein Lampenfieber gegen den Meister und machten ihre Sache sehr gut. Die schwächste Reihe war aber der Sturm, und wenn diese Linie doch vier Tore machte, so trifft das doch die gegnerische Hintermannschaft.

Nach 10 Minuten gingen die Kickers, die schon bald Hofmann in die Sturmmitte vorzogen, durch diesen in Führung. Eintracht gleicht durch Ehmer aus, da die Kickersverteidiger diesem den Ball in die Fuße spielen. Eine Minute später hatte Ehmer sogar auf 2:1 erhöht.

Nach der Pause überspielt Reihing Stubb, und Hofmann kommt durch 20-m-Bombe zum Ausgleich. Dann heißt es nach Elfmeter, den Gimpel verwandelt, 3:2 für Stuttgart; nochmal fällt der Ausgleich durch Trumpler, aber aus einem Eckball kommen die Kickers zum letzten, den Sieg entscheidenden Tor. In den letzten 10 Minuten verteidigt Stuttgart den Sieg gegen den mächtigen Ansturm der Eintrachtler mit Erfolg. (aus dem 'Fußball' vom 27.05.1930)

 

 

 

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